Das Wichtigste auf einen Blick
Bekannte Schwachstellen
- Hinterachse: Federn aus Anfang 2026 können brechen
- Elektrik: Warnung „ELEC“, leere Batterie, Startprobleme
- Hybrid 155: Ruckeln, Getriebegeräusche, laute Drehzahlen
- Benziner und Autogas: Turboschäden, zickige Gasanlage
- Infotainment: Ton weg, Lautstärke klemmt, träges Navi
- Bremsen: Rost an den hinteren Scheiben, giftiges Pedal
- Verarbeitung: Knarzen, lose Teile, laute Windgeräusche
- Sicherheit: drei NCAP-Sterne, Phantombremsungen
Der Dacia Bigster ist das größte SUV von Dacia. Mit 4,57 Metern ist er rund 23 Zentimeter länger als der Duster, auf dessen Technik er aufbaut. Seit Frühjahr 2025 gibt es ihn mit Frontantrieb als mild hybrid 140 mit Schaltgetriebe, als Vollhybrid hybrid 155 mit Automatik und als Autogas-Version mit 140 PS. Allradantrieb hatte anfangs der mild hybrid 130 4x4, seit Ende 2025 übernimmt das der hybrid-G 150 4x4 mit Autogas, Doppelkupplungsgetriebe und einem Elektromotor an der Hinterachse.
Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme beim Bigster bisher bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Weil das Modell noch jung ist, gibt es weder Pannen- noch TÜV-Statistiken. Ausgewertet haben wir die Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, unsere eigene Mängeldatenbank, Tests und Dauertests der Fachpresse und Erfahrungsberichte aus Fahrerforen. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Fahren Sie selbst einen Bigster? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.
Baureihe und Varianten des Dacia Bigster
Dacia Bigster, 1. Baureihe (Typ DJF, seit 2025)
- mild hybrid 140: 140 PS, 1,2-Liter-Dreizylinder mit Turbo und 48-Volt-Technik, 6-Gang-Schaltgetriebe, Frontantrieb (seit 05/2025)
- hybrid 155: 158 PS Systemleistung, 1,8-Liter-Vierzylinder mit Elektromotor, Automatik, Frontantrieb (seit 05/2025)
- mild hybrid-G 140 (Eco-G 140): 140 PS, Benzin oder Autogas, 6-Gang-Schaltgetriebe, Frontantrieb (seit 06/2025)
- mild hybrid 130 4x4: 130 PS, 6-Gang-Schaltgetriebe, Allradantrieb (05/2025 bis 11/2025)
- hybrid-G 150 4x4: 154 PS Systemleistung, Benzin oder Autogas, Elektromotor an der Hinterachse, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb (seit 11/2025)
Hinterachse: Federn aus Anfang 2026 können brechen
Der bisher einzige Rückruf betrifft das Fahrwerk. Bei Bigster und Duster, die zwischen dem 9. Januar und dem 25. Februar 2026 gebaut wurden, haben die hinteren Federn womöglich nicht die vorgeschriebenen Maße. Bricht eine Feder, sackt das Auto hinten ab, und Teile können auf die Straße fallen. Die Werkstatt tauscht die Federn (Dacia-Code 0F8W, beim Kraftfahrt-Bundesamt Nummer 16608R).
Betroffen sind weltweit 6.275 Autos, 817 davon in Deutschland. Schäden waren der Behörde nicht bekannt. Bei einigen Besitzern eines hybrid-G 150 4x4 oder hybrid 155 zeigte die Online-Abfrage auf der deutschen Dacia-Website den Rückruf nicht an.
- Für Halter: Fragen Sie mit der Fahrgestellnummer in der Werkstatt nach. Der Tausch ist kostenlos.
- Für Käufer: Bei einem Bigster aus dem Frühjahr 2026 den Nachweis über neue Federn zeigen lassen.
Elektrik: Warnung „ELEC“, leere Batterie, Startprobleme
Am häufigsten tritt die Meldung „ELEC System prüfen“ auf, in fast 20 Fällen, quer durch alle Antriebe. Oft kommt sie nach Standzeit, bei Frost oder auf Kurzstrecken, manchmal bleiben dazu Scheibenwischer, Parksensoren oder Tempomat stehen, oder der Motor springt nicht an. Ein Autogas-Bigster von 2025 musste so nach knapp 900 Kilometern abgeschleppt werden.
Häufig ist der Fehlerspeicher leer. Gefunden wurden unter anderem eine leere 12-Volt-Batterie, ein vereister Abgassensor, eine nachlaufende Pumpe und bei einem Hybrid ein defektes Relais in der Hochvoltbatterie. Mehrere Fälle sind ungelöst, einzelne Autos standen bis zu zwei Monate in der Werkstatt. Beim mild hybrid 140 springt der Motor seit einem Update im Sommer 2026 bei manchen Autos erst nach mehreren Versuchen an.
- Für Halter: Bei wiederkehrenden Meldungen die 12-Volt-Batterie prüfen lassen und nach dem Softwarestand fragen.
Hybrid 155: Ruckeln, Getriebegeräusche, laute Drehzahlen
Der Vollhybrid fährt immer elektrisch an, das ist ein Pluspunkt. Wer kräftig Gas gibt, merkt das ungewöhnliche Getriebe: Um 120 km/h kann eine deutliche Schaltpause auftreten, und auf der Autobahn dreht der Vierzylinder oft laut hoch. Außerdem fallen auf:
- Ruckeln: Bei rund einem Dutzend Autos tritt um 50 bis 55 km/h ein Ruckeln oder harte Rucke auf, vor allem bergauf und mit fast leerer Batterie, bei vielen seit einem Update im Sommer 2026. Eine Schweizer Werkstatt hat für November eine neue Getriebesoftware angekündigt.
- Getriebegeräusche: Beim Wechsel vom Elektro- auf den Benzinbetrieb kratzt es kurz. Werkstätten halten das meist für normal, ein Teiletausch half in zwei Fällen nicht.
- Warnton für Fußgänger: Bei gut einem Dutzend Autos erschien die Meldung, das Tonsignal außen sei defekt. Neue Software in der Werkstatt hilft meist.
- Klimaanlage: Bei großer Hitze setzte die Kühlung bei zwei bis drei Autos nach ein bis zwei Stunden aus, eine Werkstatt fand eine überhitzte Hochvoltbatterie.
Ein britischer Dauertestwagen lief dagegen rund 27.000 Kilometer ohne Defekt. Beim Verbrauch überzeugt der Hybrid, er liegt meist bei 5 bis 6 Litern.
- Für Käufer: Probefahrt auch bergauf und auf der Autobahn. Anhänger darf der Hybrid nur bis 1.000 Kilogramm ziehen, die anderen Versionen bis 1.500 Kilogramm.
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Benziner und Autogas: Turboschäden, zickige Gasanlage
Den 1,2-Liter-Dreizylinder haben mild hybrid 140, die Autogas-Versionen und der hybrid-G 150 4x4. Zwei mild hybrid 140 verloren auf der Autobahn plötzlich Kühlmittel, das Display warnte vor einem Motorschaden. Beide Male musste der Turbolader getauscht werden, der wochenlang nicht lieferbar war.
Bei den Autogas-Versionen gab es in rund zehn Fällen Störungen der Gasanlage: Das Auto fährt nach dem Tanken nur mit Benzin, zeigt „Gasanlage prüfen“ oder schaltet ruckelnd hin und her. Werkstätten tauschten Druckregler und Verdampfer, Einspritzdüsen, einen Drucksensor oder das Steuergerät der Gasanlage, manchmal half ein Update.
Dacia gibt bis zu 1.450 Kilometer Reichweite mit beiden Tanks an, auf Gas liegt der Verbrauch aber meist bei 8 bis 9 Litern. Ein Reserverad gibt es nicht, dort sitzt der Gastank. Beim hybrid-G 150 4x4 stören eine Gedenksekunde beim Anfahren, ruppige Gasannahme bei kaltem Motor und ein Kratzen bei Elektrofahrt. Updates im Sommer 2026 brachten Besserung, bei einem Auto wurde das Getriebe getauscht.
- Für Käufer: Umschalten auf Gas vorführen lassen und nach Rechnungen über Arbeiten an Gasanlage oder Kühlsystem fragen.
Infotainment: Ton weg, Lautstärke klemmt, träges Navi
Am häufigsten lässt sich nach einem Telefonat oder einer Navi-Ansage die Lautstärke nicht mehr regeln, oder das Radio spielt ohne Ton. Dacia bestätigte das Problem einem Halter im Dezember 2025 und kündigte ein Update an, bis dahin hilft meist ein Neustart des Systems. Das Problem kennen auch andere, bei einem half nicht einmal ein neues Multimedia-Gerät. Das System braucht lange zum Hochfahren, das Navi reagiert verzögert.
Bei einem Autogas-Bigster aus unserer Mängeldatenbank fällt das Radio etwa zweimal im Monat für Tage aus, außerdem springen Lenkradheizung, Sitzheizung und Klima über den Bildschirm erst nach mehrmaligem Antippen an. Bei einem Bigster forderte das Display während der Fahrt zum sofortigen Anhalten auf, weil ein Motorschaden drohe. Die Werkstatt sprach von einem bekannten Softwarefehler.
Bremsen: Rost an den hinteren Scheiben, giftiges Pedal
Weil der Hybrid viel über den Elektromotor verzögert, haben die hinteren Scheiben wenig zu tun. Bei rund einem Dutzend Autos treten Rost, Knacken oder Schleifen beim Anfahren und Anhalten auf. Meist helfen ein paar kräftige Bremsungen, einmal tauschte Dacia nach 6.000 Kilometern Scheiben und Beläge hinten auf Garantie.
Die Bremse packt plötzlich und sehr kräftig zu. Die Bremswege sind mit 35 bis 37,5 Metern aus 100 km/h ordentlich. In unserer Mängeldatenbank steht ein mild hybrid 140 mit lautem Krachen hinten rechts schon ab 110 Kilometern, beim Bremsen und über Bodenwellen. Fünf Werkstattbesuche brachten keine Lösung.
Verarbeitung: Knarzen, lose Teile, laute Windgeräusche
Innen dominiert harter Kunststoff, der robust wirkt, aber gern knarzt und schnell verkratzt. Bei acht Autos löste sich der linke Anschlagpuffer der Heckklappe, einige neue Autos hatten wolkigen Lack. Ab etwa 100 bis 120 km/h rauschen die A-Säulen deutlich, auf 19-Zoll-Rädern federt der Bigster über Fugen etwas unruhig. Wasser im Innenraum ist selten, kommt aber vor: Bei einem mild hybrid 140 stand nach 2.500 Kilometern Wasser mehrere Zentimeter hoch im Auto, ein anderer Bigster lief nach fünf Monaten im Fußraum voll.
- Für Käufer: Probefahrt über schlechte Straßen und unter die Fußmatten fühlen, ob der Teppich trocken ist.
Sicherheit: drei NCAP-Sterne, Phantombremsungen
Beim Crashtest von Euro NCAP bekam der Bigster im Mai 2025 nur drei von fünf Sternen. Die Prüfer übernahmen dafür weitgehend die Ergebnisse des Duster, dessen Struktur praktisch gleich ist. Schwach war vor allem der Schutz der Fahrerbrust beim versetzten Frontalaufprall, einen Mittelairbag zwischen den Vordersitzen gibt es nicht.
Serienmäßig hat der Bigster nur die vorgeschriebenen Assistenten, und die arbeiten nicht immer zuverlässig. Bei fünf bis sechs Autos gab es grundlose Vollbremsungen des Abstandstempomaten oder Notbremsassistenten, etwa hinter abbiegenden Radfahrern. Bei Frost meldet die Frontkamera manchmal „keine Sicht“ und legt die Assistenten still, die Verkehrszeichenerkennung liest Tempolimits falsch. In unserer Mängeldatenbank steht ein mild hybrid 140 mit Ausfall von Sicherheitssystemen und Eingriffen gegen den Willen des Fahrers. Praktisch ist die My-Safety-Taste, mit der sich Warner auf einen Druck abschalten lassen.
Testvideo: Dacia Bigster
Video: ADAC auf YouTube
Ist mein Dacia Bigster von einem Rückruf betroffen?
Bisher gibt es für den Bigster einen Rückruf, den Tausch der hinteren Federn bei Autos aus dem Januar und Februar 2026 (siehe oben). Die Aktion steht auch im EU-Warnsystem Safety Gate, weitere Rückrufe für den Bigster sind nicht bekannt. Mit der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E) prüft jede Dacia-Werkstatt, ob für Ihr Auto ein Rückruf oder eine Servicemaßnahme offen ist. Die überwachten Rückrufe listet außerdem das Kraftfahrt-Bundesamt in seiner Rückrufdatenbank. Für Halter sind Rückrufe kostenlos.
Fazit: Was Fahrer loben und worauf Käufer achten sollten
Stärken sind vor allem Platz, Kofferraum, die einfache Bedienung mit echten Tasten, der sparsame Hybrid und der Preis. Drei britische Dauertests über 9.000 bis 27.000 Kilometer liefen ohne Defekt, auch einige Besitzer kommen auf 15.000 bis 40.000 Kilometer ohne Ärger.
Die Schwächen liegen bei Elektrik und Software, beim ruppigen Hybrid, bei Hartplastik und Windgeräuschen und bei der Sicherheit mit nur drei NCAP-Sternen. Ärgerlich sind lange Werkstattaufenthalte: Werkstätten erklären Fehler teils für normal, und Teile wie Turbolader oder Lichtmaschine waren 2026 zeitweise wochenlang nicht lieferbar. Wie haltbar der Bigster auf Dauer ist, lässt sich noch nicht sagen, wir aktualisieren den Artikel.
Die Garantie läuft drei Jahre oder 100.000 Kilometer, für die Hybridbatterie acht Jahre oder 160.000 Kilometer. Wer jedes Jahr bei einem teilnehmenden Dacia-Vertragspartner warten lässt, kann sie bis auf sieben Jahre oder 150.000 Kilometer verlängern, auch für einen späteren Besitzer.
Checkliste für den Gebrauchtkauf:
- Bau Januar oder Februar 2026: Federn an der Hinterachse getauscht?
- Keine Warnmeldungen im Display, aktueller Softwarestand, Werkstattrechnungen
- Probefahrt über Autobahn, Steigungen und schlechte Straßen: Ruckeln, Knarzen, Bremsgeräusche
- Fußraum trocken? Bildschirmtasten, Lautstärke und Radio testen
- Autogas: Umschalten und Tankanzeige vorführen lassen
- Hintere Bremsscheiben ansehen, Wartungsnachweise für die Garantieverlängerung
Weitere Probleme bei den Schwestermodellen
Der Bigster ist technisch eng mit dem Dacia Duster der dritten Generation verwandt, der seit Herbst 2025 dieselben Antriebe hat. Den Federn-Rückruf gibt es für beide. Beim Duster kamen 2025 weitere Rückrufe hinzu, etwa wegen einer möglicherweise fehlenden Dichtung an der Gasanlage, einer Parksperre, die bei Automatikmodellen nicht sicher einrastet, und eines scheuernden ABS-Kabels beim 4x4 mit Schaltgetriebe. Diese Meldungen nennen nur den Duster. Den 1,8-Liter-Hybrid nutzen inzwischen auch der überarbeitete Dacia Jogger und der Renault Clio der sechsten Generation. Mehr zu den Schwächen der älteren Modelle: Dacia Duster, Dacia Jogger und Renault Clio.
Quellen (Stand: 21. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, ADAC (Autotest und Pannenstatistik 2026), EU Safety Gate und unsere Rückruf- und Mängeldatenbank. Dazu die Rückrufliste der französischen Verbraucherbehörde (RappelConso), die Crashtest-Ergebnisse von Euro NCAP, Tests und Berichte von auto motor und sport, AUTO BILD, AUTO ZEITUNG, Motor1, firmenauto, Blick, Caradisiac, Quotidiano Motori, L’argus und gebrauchtwagenberater.de, die Dauertests von Autocar, Top Gear und Auto Express sowie Erfahrungsberichte von Bigster-Fahrern aus den Foren bigsterforum.de und dacianers.de aus den Jahren 2025 und 2026.
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