Das Wichtigste auf einen Blick
Bekannte Schwachstellen
- Motoren (bis 2022): Diesel-Partikelfilter, Riemen im Ölbad
- Pannen und Schaltung (bis 2022): Anlasser, Batterie, Rückwärtsgang
- Bremsen (ab 2023): langer Bremsweg, Fehler ab Werk
- Kraftstoff und Elektrik (ab 2023): Brandgefahr, Kabelschaden
- Antrieb (ab 2023): Vibrationen, hoher Verbrauch
- Verarbeitung (ab 2023): scharfe Kanten, unhandliche Heckklappe
- E-Tourneo Courier: kleiner Akku, wenig Reichweite bei Autobahntempo
- Sicherheit (ab 2023): erst drei, nach Nachbesserung vier NCAP-Sterne
Der Ford Tourneo Courier ist der kleine Hochdachkombi von Ford mit Schiebetüren und fünf Sitzen. Die erste Generation (2014 bis 2022, Facelift 2018) ist 4,16 Meter lang und fuhr mit einem 1,0-Liter-Turbobenziner oder 1,5- und 1,6-Liter-Dieseln, immer mit Schaltgetriebe. Die zweite Generation ist seit Ende 2023 auf dem Markt, 4,34 Meter lang und technisch eng mit dem Ford Puma verwandt; es gibt sie als 125-PS-Benziner mit Schalt- oder Doppelkupplungsgetriebe und seit 2025 als Elektroauto E-Tourneo Courier.
Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme bei beiden Generationen bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Dafür haben wir die Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, unsere Rückrufdatenbank, Pannen- und TÜV-Statistiken, Tests der Fachpresse sowie Erfahrungsberichte aus einem Fahrerforum ausgewertet. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Fahren Sie selbst einen Tourneo Courier? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.
Baureihen und Varianten des Ford Tourneo Courier
Ford Tourneo Courier, 1. Baureihe (2014 bis 2022, Facelift 05/2018)
- 1.0 EcoBoost: 100 PS, Dreizylinder-Turbobenziner, Fünfgang-, ab Facelift Sechsgang-Schaltgetriebe (06/2014 bis 07/2020)
- 1.5 TDCi: 75 PS, Diesel, Schaltgetriebe (06/2014 bis 11/2020)
- 1.6 TDCi: 95 PS, Diesel, Fünfgang-Schaltgetriebe (06/2014 bis 04/2018)
- 1.5 TDCi: 100 PS, Diesel, Sechsgang-Schaltgetriebe (05/2018 bis 03/2022)
Ford Tourneo Courier, 2. Baureihe (seit 10/2023)
- 1.0 EcoBoost: 125 PS, Dreizylinder-Turbobenziner, Sechsgang-Schaltgetriebe oder Siebengang-Doppelkupplung (seit 10/2023)
- E-Tourneo Courier: 136 PS, Frontantrieb, Akku 43,5 kWh netto, WLTP 288 km (03/2025 bis 03/2026)
- E-Tourneo Courier: 136 PS, Akku 46 kWh netto, WLTP 320 km (seit 03/2026)
Motoren (bis 2022): Diesel-Partikelfilter, Riemen im Ölbad
Bei den Dieseln der ersten Generation kann der Partikelfilter mit den Jahren mehr Partikel durchlassen als erlaubt. Seit die Abgasuntersuchung im Juli 2023 genauer misst, fallen solche Autos bei der AU durch. Im Herbst 2026 rief Ford deshalb die Courier-Diesel aus der Bauzeit Januar 2015 bis Juni 2021 zurück, in Deutschland 4.666 Autos (KBA-Nr. 17060R, Code 24E06). Sie bekommen ein Software-Update für die Filterreinigung, beschädigte Filter werden getauscht. Auch beim baugleichen Transit Courier zählt die AU im TÜV-Report zu den häufigsten Mängeln.
Der 1.0 EcoBoost hat einen Zahnriemen im Ölbad, der Riemen des 1.6 TDCi ist nach 180.000 Kilometern oder zehn Jahren fällig.
- Für Käufer: Beim Diesel den erledigten Rückruf und die letzte AU zeigen lassen, bei allen Motoren lückenlose Wartungsnachweise.
Pannen und Schaltung (bis 2022): Anlasser, Batterie, Rückwärtsgang
In der ADAC-Pannenstatistik, die Tourneo und Transit Courier zusammen zählt, liegen die Jahrgänge 2016, 2017 und 2019 im grünen oder gelben Bereich. Die Erstzulassungen von 2018 rutschten 2025 auf die zweitschlechteste Stufe. Häufige Pannenursachen sind Anlasser und Starterbatterie. Beim TÜV schneidet der Transit Courier dagegen gut ab: Nach sieben bis acht Jahren kommen rund 60 Prozent ohne Mängel durch, der Bestwert unter den kleinen Lieferwagen.
Zumindest bei den frühen Autos mit Fünfganggetriebe ist der Rückwärtsgang nicht synchronisiert, rollt das Auto noch, kracht es.
- Für Käufer: Batterie und Anlasser prüfen lassen, auf der Probefahrt mehrmals rückwärts einlegen.
Bremsen (ab 2023): langer Bremsweg, Fehler ab Werk
Ein Schwachpunkt der zweiten Generation ist die Bremse: Im Vergleichstest stand der Courier aus 100 km/h erst nach 40,3 Metern, der Dacia Jogger schon nach 36,4 Metern, der ADAC maß 37,2 Meter. Dazu kamen vier Rückrufe rund um die Bremse:
- Bau Ende August bis Anfang November 2023: Mineralöl in der Bremsflüssigkeit (Code 24S18).
- Bau Dezember 2023 bis Februar 2024: Bremsleitung scheuert am Tank (KBA-Nr. 13752R, Code 24S14).
- Elektroautos, Bau März bis Mai 2025: Schrauben der Bremstrommeln zu locker (Code 25SB1).
- Bau September bis November 2025: Die Handbremse kann rutschen (Code 26S16).
Für Käufer: Mit der Fahrgestellnummer prüfen lassen, ob alle Bremsen-Rückrufe erledigt sind.
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Kraftstoff und Elektrik (ab 2023): Brandgefahr, Kabelschaden
Zwei weitere Fehler aus der Produktion sind ernst:
- Kraftstoffleitung: Bei Autos aus der Bauzeit März 2023 bis September 2024 kann die Leitung an ihrem Halter durchscheuern, austretendes Benzin kann sich entzünden. Die Werkstatt montiert eine Schutzhülle oder eine neue Leitung (Code 25S10). Betroffen sind bis zu 3.900 Courier in Deutschland, dazu Fiesta und Puma.
- Lenksäule: Bei Bau Ende August 2023 bis Anfang Februar 2024 kann ein Kabelstrang an der Lenkwelle scheuern. Im schlimmsten Fall fallen ohne Warnung Licht oder Antrieb aus (Code 24S08, 953 Autos in Deutschland).
Antrieb (ab 2023): Vibrationen, hoher Verbrauch
Der Dreizylinder schickt spürbare Vibrationen bis ins Lenkrad und brummt bei niedrigen Drehzahlen deutlich. Durstig ist er auch: Im Ecotest des ADAC verbrauchte der Courier 8,1 Liter auf 100 Kilometer, auf der Autobahn 10,0 Liter. Das Doppelkupplungsgetriebe schaltete im ersten Test ruckfrei.
Verarbeitung (ab 2023): scharfe Kanten, unhandliche Heckklappe
Tester fanden unentgratete Kanten an Handbremshebel und Schaltern, eine innen unverkleidete Heckklappe und eine nachgebende Mittelkonsole, Luftdüsen im Fond fehlen. Die ausladende Klappe schwingt nicht von selbst auf, zum Schließen braucht es viel Schwung, zuletzt drückt man sie von Hand ins Schloss. Die Klimaanlage bedient man umständlich über den Touchscreen, die Assistenzsysteme nerven, lassen sich aber per Taste abschalten.
E-Tourneo Courier: kleiner Akku, wenig Reichweite bei Autobahntempo
Der E-Tourneo Courier hatte anfangs 43,5 kWh netto und nach WLTP 288 Kilometer Reichweite, seit März 2026 sind es 46 kWh und 320 Kilometer. Eine Fahrerin kommt in Stadt und Umland auf gut 300 Kilometer, ein anderer Halter hält das nur bei gemächlichem Tempo, ohne Gegenwind und ab etwa 15 Grad für machbar. Ein dritter Fahrer erlebt, dass die Reichweite bei Autobahntempo rasch sinkt. Am Schnelllader nimmt das Auto bis 100 kW auf, Anhänger dürfen nur 750 Kilogramm wiegen. Auf den Akku gibt Ford acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie.
Sicherheit (ab 2023): erst drei, nach Nachbesserung vier NCAP-Sterne
Im Crashtest von Euro NCAP bekam die zweite Generation im November 2024 nur drei Sterne, vor allem wegen des schwachen Kopfschutzes auf der Rückbank. Ford besserte die Rückhaltesysteme im Fond nach, im Juli 2025 gab es vier Sterne, auch für die Elektroversion. Schwächen bleiben beim Brustschutz des Fahrers und beim Notbremsassistenten, der auf kreuzende Autos nicht reagiert. Die erste Generation erhielt 2014 vier Sterne, ein Notbremssystem war anfangs nicht zu haben.
Testvideo: Ford Tourneo Courier
Video: Euro NCAP auf YouTube
Ist mein Ford Tourneo Courier von einem Rückruf betroffen?
Mit der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E) prüft jede Ford-Werkstatt, ob für Ihr Auto ein Rückruf offen ist. Die überwachten Rückrufe listet außerdem das Kraftfahrt-Bundesamt in seiner Rückrufdatenbank. Für Halter sind Rückrufe kostenlos.
Bei einigen Tourneo Courier der ersten Generation aus der Bauzeit Juli bis Oktober 2022 kann die Wickelfeder im Lenkrad beschädigt sein, dann fallen womöglich Fahrerairbag und Hupe aus. Bei der zweiten Generation behebt neue Software ein verzögert einschaltendes Abblendlicht (Bau Mai 2023 bis September 2025, Code 25C46), ein blendendes Fernlicht (Bau März bis Mai 2026, Code 26C23) und ein einfrierendes Bild der Rückfahrkamera (Code 25S49). Bei Bau November 2025 bis Februar 2026 prüft die Werkstatt Kühlmittelpumpe und Zahnriemen (KBA-Nr. 16353R, Code 26S07).
Fazit: Was Tester loben und worauf Käufer achten sollten
Tester loben vor allem Platz, Schiebetüren, die niedrige Ladekante und dass sich der Courier wie ein Pkw fährt. Die erste Generation gilt als solide, mit guten TÜV-Werten, aber Ärger bei Anlasser, Batterie und Diesel-Partikelfilter. Bei der zweiten Generation häufen sich Kinderkrankheiten: zehn Rückrufe seit 2024, ein langer Bremsweg und Verarbeitungsmängel. Zum E-Tourneo Courier gibt es noch wenige Rückmeldungen, in unserer Mängeldatenbank bisher keinen Eintrag. Wir aktualisieren den Artikel.
Checkliste für den Gebrauchtkauf:
- Rückrufe erledigt? Beim Diesel bis 2021 der Partikelfilter, ab 2023 Bremse, Kraftstoffleitung und Lenksäule
- Erste Generation: Batterie, Anlasser und Rückwärtsgang prüfen, Wartungsnachweise ansehen
- Zweite Generation: Heckklappe mehrmals öffnen und schließen, Innenraum auf scharfe Kanten prüfen
- Elektroversion: Reichweite auf der eigenen Strecke testen, mit einem Stück Autobahn
Weitere Probleme bei den Schwestermodellen
Der Ford Transit Courier ist weitgehend baugleich, viele Rückrufe gelten für beide. Die Motoren der ersten Generation gab es auch in Fiesta und B-Max, die zweite teilt Technik mit dem Puma. Mehr dazu: Ford Fiesta, Ford B-Max und Ford Puma.
Quellen (Stand: 21. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, ADAC (Pannenstatistik 2023 bis 2025 und Autotests beider Generationen), EU Safety Gate (Meldungen zu Bremsflüssigkeit, Bremsleitung, Bremstrommeln, Handbremse, Kraftstoffleitung und Lenksäule) und unsere Rückrufdatenbank. Dazu der TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2025 und 2026, die Crashtests von Euro NCAP, Berichte von auto motor und sport, AUTO ZEITUNG, Motor1, kfz-betrieb, gebrauchtwagenberater.de und schraubertermin.de sowie Fahrerberichte aus goingelectric.de, 2025 und 2026 (Einzelstimmen, keine Statistik).
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