Das Wichtigste auf einen Blick
Bekannte Schwachstellen
- Lack: Blasen an den Türen sind das häufigste Problem
- Wasser und Klimaanlage: Feuchtigkeit legt das Gebläse lahm
- Elektrik: schwache Batterie, Warnmeldungen, abstürzendes CarPlay
- Handschaltung und Kupplung: hakelige Gänge, teure Reparaturen
- Automatik und Doppelkupplung: Ruckeln, mehrere Updates
- Motor und Antrieb: V6 robust, Werkstattaktion für Antriebswellen
- Gurtstraffer: Steckverbindung wird bei über 10.000 Autos geprüft
- Werkstatt und Garantie: weite Wege, lange Wartezeiten
Der Lotus Emira ist ein zweisitziger Mittelmotor-Sportwagen, den Lotus seit August 2022 im englischen Hethel baut. Es gibt ihn mit einem 3,5-Liter-V6 von Toyota mit Kompressor und 406 PS, wahlweise mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder Sechsgang-Automatik, und seit 2023 mit einem Zweiliter-Vierzylinder-Turbo von Mercedes-AMG und Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, zuerst mit 365 PS und seit März 2025 als Turbo SE mit 406 PS. Ein Schwestermodell hat der Emira nicht: Den V6 kennt man aus dem Vorgänger Evora, den Vierzylinder aus dem Mercedes-AMG A 45 S.
Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme beim Emira bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Ausgewertet haben wir die Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, Werkstattinformationen von Lotus, unsere eigene Rückruf- und Mängeldatenbank, Tests und Kaufberatungen der Fachpresse sowie Erfahrungsberichte von Haltern. US-Themen kennzeichnen wir. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Fahren Sie selbst einen Emira? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.
Baureihe und Varianten des Lotus Emira
Lotus Emira, 1. Baureihe (Typ 131, seit 2022)
- V6 First Edition: 3,5-Liter-V6 mit Kompressor (Toyota), 406 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe (08/2022 bis 04/2025)
- V6 SE und SE Racing Line: 406 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe oder Sechsgang-Automatik (seit 04/2024)
- 2.0 Turbo und Turbo First Edition: Zweiliter-Vierzylinder-Turbo (Mercedes-AMG), 365 PS, Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe (seit 10/2023, First Edition bis 04/2025)
- 2.0 Turbo SE und SE Racing Line: 406 PS, Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe (seit 03/2025)
Lack: Blasen an den Türen sind das häufigste Problem
Am häufigsten berichten Halter von Blasen im Lack, vor allem an den Türen aus Verbundwerkstoff. Vermutet wird Feuchtigkeit, die von hinten in die Teile zieht. In einer Halterumfrage mit 261 Teilnehmern meldete gut jeder Dritte Blasen, frühe wie spätere Baujahre. Lotus tauscht unter Garantie ganze Türen, doch nicht jede Reparatur hält. Die Lackgarantie beträgt inzwischen nur noch drei statt anfangs fünf Jahre.
- Für Käufer: Türen bei Tageslicht auf kleine Blasen absuchen und nach getauschten Teilen fragen.
Wasser und Klimaanlage: Feuchtigkeit legt das Gebläse lahm
Unter der Fronthaube kann Regen- oder Waschwasser auf den Sicherungskasten und den Widerstand des Gebläses laufen. Dann fallen Gebläse und Klimaanlage aus, manchmal auch weitere Elektrik, ein Auto musste komplett neu verkabelt werden. Lotus rüstete eine Gummiabdeckung nach, die bei mehreren Haltern nach ein bis zwei Jahren rissig wurde. Daneben fiel die Klimaanlage wegen Kältemittelverlust, defekter Sensoren oder des Kompressors aus.
- Für Käufer: Gebläse und Klimaanlage testen und nach der nachgerüsteten Abdeckung fragen.
Elektrik: schwache Batterie, Warnmeldungen, abstürzendes CarPlay
Frühe Autos meldeten schon nach kurzer Zeit mit abgestelltem Motor, dass sie wegen schwacher Batterie abschalten. Beim Vierzylinder ist die 12-Volt-Batterie nach einigen Wochen Standzeit oft leer, dann folgen etliche Warnmeldungen. Häufig sind außerdem eine SOS-Warnung, ausfallende Reifendrucksensoren, grundlose Alarme und Fensterheber, die nach dem Schließen wieder halb herunterfahren. Apple CarPlay bricht ab oder friert ein. Die meisten Fehler behebt die Werkstatt per Software, Updates aus der Ferne gibt es nicht.
- Für Käufer: Batterie testen, CarPlay und Fenster ausprobieren.
- Für Halter: Den Vierzylinder bei längerer Standzeit an ein Erhaltungsladegerät hängen.
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Handschaltung und Kupplung: hakelige Gänge, teure Reparaturen
Die Handschaltung des V6 hakt, vor allem im ersten und zweiten Gang, im Rückwärtsgang und von drei auf zwei. Halter führen das auf eine zu tief eingestellte Sperrplatte zurück, die sich nachstellen lässt. Seit dem Modelljahr 2026 soll ein neues Getriebelager helfen, Tester bemängelten aber auch 2026 misslungene Gangwechsel. Einzelne Halter melden verbrannte Kupplungen nach knapp 20.000 Kilometern, die Lotus als Verschleiß nicht übernahm. Sie vermuten eine elektrische Parkbremse, die beim Anfahren zu spät löst.
- Für Käufer: Alle Gänge einlegen und die Kupplung auf Rutschen und Geruch prüfen.
Automatik und Doppelkupplung: Ruckeln, mehrere Updates
Das Doppelkupplungsgetriebe des Vierzylinders ruckelt bei niedrigem Tempo, vor allem im Stop-and-go. Mehrere Updates haben das gemildert, aber nicht beseitigt, eines vom Juli 2025 behob auch einen hängenden Wählhebel. Tester kritisieren den trägen Wechsel zwischen Vorwärts und Rückwärts. Bei der Wandlerautomatik des V6 meldeten einige Halter eine Getriebestörung mit Notlauf. In den USA soll ein Update vom Oktober 2025 verhindern, dass das Getriebe bei einem defekten Magnetventil keine Fahrstufe mehr annimmt oder im Rückwärtsgang hängen bleibt.
- Für Käufer: Im Stadtverkehr probefahren und die Updates per Fahrgestellnummer bestätigen lassen.
Motor und Antrieb: V6 robust, Werkstattaktion für Antriebswellen
Der Toyota-V6 gilt bei Haltern als der zuverlässigste Teil des Autos. Bei manchen Emira waren aber die Antriebswellen in der Produktion nicht vollständig eingerastet. Die Folgen reichten von Ölverlust über Getriebegeräusche bis zum Ausfall des Antriebs, Lotus beseitigte das in einer Werkstattaktion. Mehrere Servolenkungspumpen waren undicht. Beim AMG-Vierzylinder meldeten einige Halter teils schon nach wenigen hundert Kilometern einen Thermostatfehler (Code P2CEF), abhelfen kann ein neues Thermostat.
- Für Käufer: Unterboden und Motorraum auf Ölspuren prüfen.
Gurtstraffer: Steckverbindung wird bei über 10.000 Autos geprüft
Im Mai 2026 startete Lotus für 10.669 Emira der Modelljahre 2023 bis 2025 weltweit eine Werkstattaktion: Ob die Stecker der Gurtstraffer richtig eingerastet sind, ist nicht sicher. Löst sich einer, funktioniert der Gurtstraffer nicht und im Display erscheint „SRS Service Required“, der Gurt blockiert aber weiter normal. Lotus führt das nicht als Rückruf.
- Für Halter: Bei der Meldung „SRS Service Required“ umgehend in die Werkstatt.
- Für Käufer: Die Prüfung (Aktion 131-26015) bestätigen lassen.
Werkstatt und Garantie: weite Wege, lange Wartezeiten
Lotus hat nur wenige Werkstätten, in Großbritannien sind es 13, auch in Deutschland ist das Netz dünn. Halter berichten von wochenlangen Aufenthalten, weil Teile aus England kommen und Lotus Reparaturen erst freigeben muss. Die Garantie läuft drei Jahre ohne Kilometergrenze, eine Verlängerung ab Werk gibt es bisher nicht. Frühe V6 kosteten in Großbritannien nach rund zwei Jahren etwa ein Drittel weniger als neu.
- Für Käufer: Vor dem Kauf klären, wo die nächste Lotus-Werkstatt ist und wie lange die Garantie noch läuft.
Testvideo: Lotus Emira
Video: AUTO BILD auf YouTube
Ist mein Lotus Emira von einem Rückruf betroffen?
Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind drei Rückrufe gemeldet, alle von 2023 und für die ersten Baumonate. Am wichtigsten: Bei Autos aus der Bauzeit Mai 2022 bis Mai 2023 fehlten Halterungen an der A-Säulenverkleidung, die sich beim Auslösen der Seitenairbags lösen und Insassen treffen kann (229 Autos in Deutschland, 1.724 weltweit, auch im EU-Warnsystem Safety Gate). Bei Autos von 2022 konnte zudem die Gurtsperre zu früh einrasten (87 in Deutschland), und das Wischerintervall ließ sich im Automatikbetrieb nicht mehr verstellen (166). Seitdem gab es keinen amtlichen Rückruf mehr, viele Fehler behebt Lotus über Werkstattaktionen. Was für Ihr Auto offen ist, prüft jede Lotus-Werkstatt anhand der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E).
Fazit: Was Fahrer loben und worauf Käufer achten sollten
Tester und Halter loben Lenkung und Fahrverhalten, der Toyota-V6 gilt als robust. In einer Umfrage unter 72 US-Haltern meldeten über 90 Prozent keine oder nur kleine Probleme. Schwächen sind Lackblasen, Wasser am Gebläse, viele Elektrik- und Software-Fehler, die hakelige Handschaltung und ein dünnes Werkstattnetz. Im Test brauchte der V6 aus 100 km/h 34,7 Meter bis zum Stillstand, eher ein Kompaktklasse-Wert. Einen Euro-NCAP-Crashtest gibt es nicht.
Der Emira ist ein seltenes Auto, einen Dauertest gibt es nicht, und die meisten Erfahrungsberichte stammen aus Großbritannien und den USA. Wir ergänzen den Artikel, sobald mehr bekannt ist.
Checkliste für den Gebrauchtkauf:
- Türen auf Lackblasen prüfen
- Gebläse und Klimaanlage testen, Schutzabdeckung vorhanden?
- Rückrufe von 2023 und Gurtstraffer-Prüfung erledigt?
- Batterie und Software-Stand prüfen lassen
- Schaltung und Kupplung prüfen, Automatik im Stadtverkehr fahren
- Nächste Lotus-Werkstatt und Restgarantie klären
Weitere Modelle von Lotus
Den Toyota-V6 mit Kompressor kennt man aus dem Vorgänger Lotus Evora und aus dem Lotus Exige. Elektrisch fahren das SUV Lotus Eletre und die Limousine Lotus Emeya.
Quellen (Stand: 22. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, EU Safety Gate (Meldung zur A-Säulenverkleidung), die Rückrufliste von Lotus, Werkstattinformationen von Lotus bei der US-Verkehrsbehörde NHTSA (2024 bis 2026) und unsere Rückruf- und Mängeldatenbank (bisher kein Mängelbericht). Dazu Tests und Kaufberatungen von AUTO BILD, evo, Auto Express, PistonHeads, carwow und Motor1 sowie Erfahrungsberichte und Umfragen von Haltern im Lotus Emira Forum und bei PistonHeads aus den Jahren 2023 bis 2026 (Einzelstimmen, keine Statistik).
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