Das Wichtigste auf einen Blick
Bekannte Schwachstellen
- Sicherungen: Brandgefahr bei Autos aus dem ersten Baujahr
- Software: Assistenten abgeschaltet, Display mit Aussetzern
- Bedienung: Touchflächen sorgen für Fehlbedienungen
- Antrieb: Mildhybrid und Automatik harmonieren nicht immer
- Platz: enger Fond, kleinerer Kofferraum als angegeben
- Cabrio: leises Verdeck, schlechte Sicht nach hinten
- Innenraum: Materialien eher auf C-Klasse-Niveau
- Sicherheit: fünf Sterne, aber Schwächen bei Fahrerüberwachung und Ke…
Der Mercedes CLE ist das Coupé und Cabrio der Baureihe 236, das Mercedes seit November 2023 als gemeinsamen Nachfolger der zweitürigen C- und E-Klasse anbietet, das Cabrio kam im Frühjahr 2024 dazu. Unsere Fahrzeugdaten führen 174 Varianten: Vierzylinder-Benziner mit 170 bis 258 PS, den Diesel CLE 220 d mit 197 PS und den Sechszylinder CLE 450 mit 381 PS, alle mit 48-Volt-Mildhybrid und Neungang-Automatik, dazu das Coupé CLE 300 e als Plug-in-Hybrid mit 313 PS und den Mercedes-AMG CLE 53 mit 449 PS. Technisch ist der in Bremen gebaute CLE eng mit der C-Klasse verwandt, mehrere Rückrufe betreffen deshalb auch C- und E-Klasse.
Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme beim CLE bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Ausgewertet haben wir die Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, unsere eigene Rückruf- und Mängeldatenbank, Tests des ADAC und der Fachpresse, das Crashtest-Ergebnis von Euro NCAP sowie Bewertungen und Beschwerden von Haltern. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Fahren Sie selbst einen CLE? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.
Baureihe und Varianten des Mercedes CLE
Mercedes CLE, Baureihe 236 (Coupé seit 11/2023, Cabriolet seit 04/2024)
- CLE 180, 200 und 300: Vierzylinder-Benziner mit 170, 204 und 258 PS, der 300 nur mit Allrad 4MATIC, der 200 wahlweise
- CLE 220 d: Vierzylinder-Diesel mit 197 PS, Hinterradantrieb
- CLE 450 4MATIC: Sechszylinder-Benziner mit 381 PS
- Mercedes-AMG CLE 53 4MATIC+: Sechszylinder mit 449 PS (seit 01/2024)
- CLE 300 e (nur Coupé, seit 07/2024): Plug-in-Hybrid mit 313 PS, 19,5 kWh nutzbarer Akku, bis 111 km elektrisch (WLTP)
- Verbrenner mit 48-Volt-Mildhybrid (bis 23 PS zusätzlich), alle mit Neungang-Automatik
- Länge 4,85 m, Kofferraum 420 Liter (Coupé), 385 Liter (Cabrio), 290 Liter (300 e), Herstellerangaben
Sicherungen: Brandgefahr bei Autos aus dem ersten Baujahr
Frühe CLE mussten zweimal wegen der Stromversorgung in die Werkstatt. Im Februar 2024 rief Mercedes rund 247.000 Autos verschiedener Baureihen aus dem Baujahr 2023 zurück, darunter die ersten CLE (Code 8297011, KBA-Referenznummer 013606). An einer 80-Ampere-Sicherung kann der Kontakt abreißen oder zu heiß werden. Dann kann der Motor während der Fahrt ausgehen, Servolenkung und Bremskraftverstärker fallen weg, Airbags, Gurtstraffer und Kombiinstrument arbeiten womöglich nicht richtig, ein Brand ist nicht ausgeschlossen. Die Werkstatt tauscht die Sicherungsdosen, das dauert zwei bis fünfeinhalb Stunden.
Bei einem Teil der Autos, gebaut von Januar bis Oktober 2023, war diese Nacharbeit fehlerhaft. Im Mai 2025 folgte deshalb eine zweite Aktion (Codes 8297014 und 8297015, KBA-Referenznummer 15052R), in Deutschland für 927 Autos aller betroffenen Modelle.
Für Käufer: Fragen Sie bei Autos aus 2023 nach beiden Aktionen. Meldet das Auto Störungen im Bordnetz oder riecht es verschmort, gehört es sofort in die Werkstatt.
Software: Assistenten abgeschaltet, Display mit Aussetzern
Seit Januar 2026 läuft ein Software-Rückruf für CLE und E-Klasse (Codes 5496233 und 5496238, KBA-Referenznummer 14299R). Bei Autos, die bis Ende Januar 2024 gebaut wurden, kann eine fehlerhafte Version des Multimediasystems MBUX Assistenzsysteme dauerhaft abschalten, etwa den Querverkehrs-Assistenten, der beim Ausparken vor kreuzenden Autos warnt. In Deutschland betrifft das 3.696 Autos, das Update kommt meist over-the-air.
In den USA rief Mercedes 2026 außerdem rund 22.000 CLE zurück, weil sich das Infotainment während der Fahrt neu starten kann. Das Fahrerdisplay zeigt dann zeitweise weder Tempo noch Warnleuchten an. Mehrere US-Halter melden solche Ausfälle, für Deutschland ist uns keine entsprechende Aktion bekannt. Auch in einem deutschen Test lief das Infotainment eines CLE 450 Cabrio gelegentlich instabil.
Für Käufer: Achten Sie bei der Probefahrt auf Aussetzer des Displays und Warnmeldungen der Assistenten.
Bedienung: Touchflächen sorgen für Fehlbedienungen
Fast jeder Test kritisiert die Bedienung. Die kleinen, doppelt belegten Touchflächen am Lenkrad reagieren zu empfindlich oder setzen Befehle falsch um, Fehlbedienungen bleiben auch nach langer Eingewöhnung. Ebenso unpräzise sind die Touchleiste für die Lautstärke unter dem Bildschirm und die berührungsempfindliche Spiegelverstellung in der Tür, die nur mit Hinsehen gelingt. Der ADAC schätzt, dass die Bedienung ohne diese Details mindestens eine halbe Note besser wäre. Direkttasten für Navi und Telefon fehlen, die Klimaanlage steuert man über den Bildschirm. Gelobt werden dagegen die Sprachsteuerung und Navi-Updates, die sieben Jahre lang ohne Aufpreis kommen.
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Antrieb: Mildhybrid und Automatik harmonieren nicht immer
Startergenerator, Motor und Neungang-Automatik arbeiten nicht immer rund zusammen. Beim Anfahren fehlt Spontaneität, im Comfort-Modus wirkt der CLE 300 bei zügiger Fahrt ruckelig und zäh, die Automatik schaltet oft mehrere Gänge zurück. Unter Last klingt der Vierzylinder rau, beim Kaltstart fast wie ein Diesel. Auch beim CLE 450 und beim AMG CLE 53 reagiert das Getriebe teils verzögert. Zwei US-Halter eines CLE 300 von 2026 melden eine deutlich verzögerte Gasannahme beim Anfahren, eine Werkstatt nannte das eine Frage der Abstimmung.
Im ADAC Ecotest brauchte der CLE 300 7,1 Liter Super, das 220 d Cabrio nur 5,1 Liter Diesel. Den AMG CLE 53 fuhren Tester mit 10,6 bis 11,3 Litern.
Für Käufer: Fahren Sie zur Probe auch im Stadtverkehr.
Platz: enger Fond, kleinerer Kofferraum als angegeben
Für 4,85 Meter Länge ist der CLE innen knapp. Hinten endet die Kopffreiheit bei etwa 1,75 Meter Körpergröße, der Einstieg in den Fond ist mühsam, und die langen, schweren Türen sind in engen Parklücken unpraktisch. Im Coupé maß der ADAC 385 statt der angegebenen 420 Liter Kofferraum. Die Öffnung ist klein, die Ladekante liegt bei fast 75 Zentimetern, und die Rücklehnen lassen sich anders als beim früheren E-Klasse Coupé nur von innen entriegeln. Beim Plug-in-Hybrid bleiben 290 Liter.
Cabrio: leises Verdeck, schlechte Sicht nach hinten
Das Stoffverdeck ist aufwendig gemacht und so gut gedämmt, dass das Cabrio bei 130 km/h kaum lauter ist als das Coupé. Geschlossen versperren aber breite Dachsäulen und feste Kopfstützen die Sicht nach hinten, der ADAC vergab dafür die Teilnote 5,3. Der Kofferraum schrumpft von 345 auf etwa 270 Liter, weil man zum Öffnen des Verdecks den Verdeckkasten herunterklappen muss. Ob sich die Karosserie auf schlechten Straßen verwindet, sehen Tester unterschiedlich: Zwei Tests bemerkten Verwindungen und Knarzen, andere loben die Steifigkeit. Beschwerden von Haltern über das Verdeck haben wir bisher nicht gefunden.
Innenraum: Materialien eher auf C-Klasse-Niveau
Die Karosserie ist sauber verarbeitet, die Spaltmaße sind gleichmäßig. Im Innenraum fällt die Qualität aber ab: Unten und im Fond sitzen harte, teils billig wirkende Kunststoffe, der Klavierlack an der Mittelkonsole zeigt schnell Fingerabdrücke und Kratzer. In den ungepolsterten Türfächern und im Handschuhfach klappern Gegenstände, beim Cabrio liegt unter dem Kofferraumdeckel blankes Blech. Einzelne Testwagen knarzten an Verkleidungen. Ein britischer Halter eines neuen CLE 300 e meldete stark beschlagene LED-Scheinwerfer, die Werkstatt hielt das für normal.
Sicherheit: fünf Sterne, aber Schwächen bei Fahrerüberwachung und Keyless
Im Crashtest von Euro NCAP bekam der CLE im November 2025 fünf Sterne, beim Seitenaufprall und beim Schutz von Kindern gab es die volle Punktzahl. Schwach ist die Fahrerüberwachung: Sie achtet erst ab 60 km/h auf Müdigkeit und erkennt keine Ablenkung. Ein Kind, das nachts zwischen parkenden Autos hervorläuft, erkennt der Notbremsassistent nur mäßig. Der ADAC kritisiert das schlüssellose Zugangssystem: Mit einem Funkverlängerer lässt sich der CLE öffnen und starten. Abstandstempomat, Querverkehrswarnung hinten und Ausstiegswarner kosten Aufpreis.
Testvideo: Mercedes CLE
Video: ADAC auf YouTube
Ist mein Mercedes CLE von einem Rückruf betroffen?
Amtlich gemeldet sind für den CLE bisher vier Rückrufe: die beiden Aktionen zu den Sicherungen, das MBUX-Update und seit Mai 2026 die Radschrauben. Bei Autos, die von November 2022 bis Dezember 2025 gebaut wurden, sind manche Radschrauben womöglich nicht mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen, im Extremfall kann sich ein Rad lösen (Code 4090105, KBA-Referenznummer 16265R). Betroffen sind 2.712 Mercedes verschiedener Baureihen, Prüfen und Nachziehen dauert bis zu anderthalb Stunden.
Mit der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E) prüft jede Mercedes-Benz-Werkstatt, ob für Ihr Auto etwas offen ist. Die überwachten Rückrufe listet außerdem das Kraftfahrt-Bundesamt in seiner Rückrufdatenbank. Für Halter sind Rückrufe kostenlos.
Fazit: Was Fahrer loben und worauf Käufer achten sollten
Tester loben Design, Fahrdynamik mit Hinterachslenkung, Federungskomfort mit Adaptivfahrwerk, kurze Bremswege, die laufruhigen Sechszylinder und den sparsamen Diesel. Im ADAC-Autotest bekamen Coupé und Cabrio die Noten 2,0 und 1,9, in Vergleichstests lag der CLE meist knapp vor dem BMW 4er. Schwächen sind die Touch-Bedienung, der enge Fond, einfache Materialien im unteren Innenraum, ein nicht immer harmonischer Antrieb und hohe Kosten: Der ADAC bewertet die Autokosten mit 5,1, die Garantie läuft nur zwei Jahre. Dazu kommen vier Rückrufe, zwei davon wegen Brandgefahr bei Autos aus 2023.
Langzeitdaten fehlen noch: In der ADAC-Pannenstatistik taucht der CLE nicht auf, einen Dauertest haben wir nicht gefunden, unsere Mängeldatenbank hat noch keinen Eintrag. Die Halter, deren Bewertungen wir lesen konnten, sind überwiegend zufrieden. Wir aktualisieren den Artikel, sobald mehr bekannt ist.
Checkliste für den Gebrauchtkauf:
- Rückrufe per Fahrgestellnummer prüfen, bei Baujahr 2023 vor allem beide Aktionen zu den Sicherungen
- MBUX-Update erledigt? Assistenten und Fahrerdisplay ohne Warnmeldungen?
- Probefahrt im Stadtverkehr: Anfahren, Schaltrucke, Gangsuche
- Touch-Bedienung am Lenkrad ausprobieren
- Platz im Fond und Kofferraum mit eigenem Gepäck testen
- Cabrio: Verdeck mehrmals öffnen und schließen, auf Knarzen achten
Weitere Probleme bei den Schwestermodellen
Technik und mehrere Rückrufe teilt der CLE mit der Mercedes C-Klasse und der E-Klasse, die Aktionen zu den Sicherungen betrafen außerdem den Mercedes GLC. Mehr zur Neungang-Automatik: Probleme der Mercedes-Automatikgetriebe.
Quellen (Stand: 22. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, ADAC (Autotests CLE 300 Coupé und CLE 220 d Cabrio, Ecotest und Pannenstatistik 2026), EU Safety Gate (Meldungen zu Sicherung, Sicherungsdosen und Radschrauben) und unsere Rückruf- und Mängeldatenbank. Dazu das Crashtest-Ergebnis von Euro NCAP, Tests von auto motor und sport, AUTO BILD, AUTO ZEITUNG, Motor1, AutoScout24, Auto Express und Kelley Blue Book, Rückrufberichte von ÖAMTC, mbpassion.de, car-recalls.eu und Carscoops sowie Halterbewertungen bei cars.com und Carvana, Beschwerden bei der US-Verkehrsbehörde NHTSA und ein Erfahrungsbericht aus dem Forum MBClub UK aus den Jahren 2024 bis 2026 (Einzelstimmen, keine Statistik).
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