Das Wichtigste auf einen Blick
Bekannte Schwachstellen
- Sicherungen: Brandgefahr bei Autos aus dem Baujahr 2023
- Antrieb: Software konnte die Hochvoltbatterie abschalten
- Reichweite: im Winter auf der Autobahn gut 300 Kilometer
- Laden: höchstens 170 kW, im Winter weniger
- Sicherheit: fünf Sterne, aber grundlose Notbremsungen
- Fahrwerk: unruhige Federung, gewöhnungsbedürftige Bremse
- Bedienung und Software: Touchflächen, Türgriffe, Updates
- Innenraum: weniger Kofferraum als angegeben, einfache Materialien
Der Mercedes EQE SUV ist das Elektro-SUV der oberen Mittelklasse von Mercedes, Baureihe X294. Seit Frühjahr 2023 steht er beim Händler, gebaut wird er in Tuscaloosa (USA) auf der Elektroplattform EVA2, die er mit EQE, EQS und EQS SUV teilt. Unsere Fahrzeugdaten führen 94 Varianten mit Heck- oder Allradantrieb und 245 bis 408 PS, seit einem Leistungsplus im Frühjahr 2025 mit 265 bis 449 PS, dazu die Mercedes-AMG-Versionen EQE 43 (476 PS, bis 2025) und EQE 53 (625 PS); die Akkus fassen 89 bis 96 kWh netto.
Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme beim EQE SUV bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Ausgewertet haben wir die Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, unsere eigene Rückruf- und Mängeldatenbank, Tests des ADAC und der Fachpresse, das Crashtest-Ergebnis von Euro NCAP sowie Erfahrungsberichte und Beschwerden von Haltern. Von Rückrufen für mehrere Baureihen nennen wir nur die, in denen das SUV ausdrücklich steht. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Fahren Sie selbst einen EQE SUV? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.
Baureihe und Varianten des Mercedes EQE SUV
Mercedes EQE SUV, Baureihe X294 (seit 03/2023)
- EQE 300 und EQE 350+: Hinterradantrieb, 245 und 292 PS, seit 04/2025 265 und 320 PS
- EQE 350 4MATIC und EQE 500 4MATIC: Allradantrieb, 292 und 408 PS, seit 04/2025 320 und 449 PS
- Mercedes-AMG EQE 43 4MATIC (476 PS, bis 04/2025) und EQE 53 4MATIC+ (625 PS, seit 06/2023)
- Akku 89 bis 96 kWh netto, WLTP 451 bis 614 km
- Laden: 11 kW Wechselstrom (22 kW gegen Aufpreis), bis 170 kW Gleichstrom
- Länge 4,86 m, Kofferraum 520 bis 1.675 Liter, Anhängelast 750 kg (Heckantrieb) oder 1.800 kg (4MATIC), Herstellerangaben
Sicherungen: Brandgefahr bei Autos aus dem Baujahr 2023
Zweimal mussten frühe EQE SUV wegen der Stromversorgung in die Werkstatt. Im Februar 2024 rief Mercedes rund 247.000 Autos aus elf Baureihen zurück, die 2023 gebaut wurden, darunter der EQE SUV (Code 8297011, KBA-Referenznummer 013606). An einer 80-Ampere-Sicherung kann der Kontakt abreißen oder überhitzen. Dann kann der Antrieb während der Fahrt ausfallen, Rückhaltesysteme und Kombiinstrument arbeiten womöglich nicht richtig, ein Brand ist nicht ausgeschlossen. Die Werkstatt tauscht die Sicherungsdosen, das dauert zwei bis fünfeinhalb Stunden.
Bei einem Teil der Autos aus der Bauzeit Januar bis Oktober 2023 wurde diese Nacharbeit nicht korrekt ausgeführt. Im Mai 2025 folgte deshalb eine zweite Aktion (Codes 8297014 und 8297015, KBA-Referenznummer 15052R), in Deutschland für 927 Autos aller betroffenen Baureihen.
Für Käufer: Fragen Sie bei einem EQE SUV aus 2023 nach beiden Aktionen.
Antrieb: Software konnte die Hochvoltbatterie abschalten
Im Juni 2024 rief Mercedes 50.744 EQE und EQS zurück, ausdrücklich auch die SUV, gebaut von August 2022 bis Mai 2024 (Code 5496226, KBA-Referenznummer 13902R, in Deutschland 8.896 Autos). Bekommt das Steuergerät der Batterie sehr viele Diagnoseanfragen, kann sein Speicher überlaufen. Es startet dann neu und schaltet dabei das Hochvoltsystem ab, der Antrieb fällt ohne Vorwarnung aus. Die Werkstatt spielt neue Software auf. Schon 2023 hatte es eine ähnliche Aktion für die Limousinen gegeben.
Halter berichten von genau solchen Störungen: plötzlicher Leistungsverlust mit der Meldung, die Batterieleistung sei zu niedrig, mehrfacher Notlauf, ein Totalausfall wenige Minuten nach der Übergabe, ein System, das beim Start hängen blieb. Einzelne US-Halter melden Abschaltungen auch nach mehreren Reparaturversuchen, ein anderer stand wegen Startproblemen 44 Tage am Stück in der Werkstatt.
Für Käufer: Lassen Sie sich das Update bestätigen und prüfen Sie das Serviceheft auf wiederholte Elektronik-Reparaturen.
Reichweite: im Winter auf der Autobahn gut 300 Kilometer
Bei gemäßigtem Tempo ist der EQE SUV sparsam. Im ADAC Ecotest brauchte der 350+ 19,2 kWh auf 100 Kilometer, Ladeverluste eingerechnet, und kam 555 Kilometer weit. Tempo und Kälte kosten aber viel: Im Winter-Reichweitentest des ADAC bei 0 Grad und Richtgeschwindigkeit 130 verbrauchte der 350+ 30 kWh und schaffte 331 Kilometer, das reichte nur für Platz 11 von 14. Die letzten vier Prozent des Akkus ließen sich auf der Autobahn nicht nutzen. Andere Tests maßen 24,5 bis gut 30 kWh und 372 bis 393 Kilometer Reichweite. Ein Halter eines EQE 500 sah die Ankunftsprognose unterwegs von 28 auf 7 Prozent fallen, die Werkstatt fand an den Zellen keinen Fehler.
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Laden: höchstens 170 kW, im Winter weniger
Der EQE SUV arbeitet mit 400-Volt-Technik und lädt am Schnelllader mit höchstens 170 kW. Gemessen wurden kurz 171 bis 173 kW, von 10 auf 80 Prozent dauert es rund eine halbe Stunde. Konkurrenten wie BMW iX oder Audi Q6 e-tron laden mit mehr Leistung. In einem Wintertest kam das SUV trotz vorgewärmtem Akku nur auf 142 kW, ein US-Test auf 126 kW. An der Wallbox lädt das Auto serienmäßig mit 11 kW, voll ist es dann nach etwa neuneinhalb Stunden, 22 kW kosten 1.190 Euro extra. Die Ladeklappe sitzt hinten rechts über dem Rad, das ist an vielen Säulen unpraktisch.
Sicherheit: fünf Sterne, aber grundlose Notbremsungen
Bei Euro NCAP bekam der EQE SUV im Dezember 2023 fünf Sterne (Erwachsene 87, Kinder 90, Fußgänger und Radfahrer 80, Assistenz 85 Prozent). Abzüge gab es für den Mittelairbag, dessen Schutz Mercedes nicht für alle Körpergrößen nachweisen konnte, für die steifen Fensterholme beim Fußgängerschutz und für die Fahrerüberwachung, die nur Müdigkeit erkennt. Im Alltag stören Fehlauslösungen: In einem zweiwöchigen Test bremste der Kollisionswarner dreimal ohne Grund, mehrere US-Halter melden solche Phantombremsungen, einmal mit leichtem Auffahrunfall. Ein Halter erlebte in 18 Monaten viermal den Ausfall aller Assistenzsysteme.
Fahrwerk: unruhige Federung, gewöhnungsbedürftige Bremse
Der ADAC bemängelt eine unharmonische Federung, die spürbar auf Unebenheiten anspricht und nachschwingt. Tester empfehlen die Luftfederung (beim AMG Serie), britische Tester spüren aber auch damit Poltern über Kanten. Das Bremspedal wirkt synthetisch oder schwammig, sein Weg ändert sich mit der Rekuperationsstufe. Im Ausweichtest untersteuert das rund 2,5 Tonnen schwere SUV kräftig. Gelobt wird die optionale Hinterachslenkung, die den Wendekreis auf 10,5 Meter verkleinert. US-Halter melden an 21-Zoll-Reifen Beulen und Platten, Winterreifen in dieser Größe sind schwer zu bekommen.
Bedienung und Software: Touchflächen, Türgriffe, Updates
Die Touchflächen am Lenkrad reagieren oft unzuverlässig und lenken mehr ab als Tasten, die Menüs sind verschachtelt. Die Türgriffe außen nennen der ADAC und mehrere Halter unpraktisch. Halter berichten außerdem von Software-Macken: Updates over-the-air scheitern, das Fahrprogramm Individual muss nach jedem Start neu gewählt werden, und Telefonate sind gestört, wenn das Handy in der Ladeschale liegt. Gelobt wird die Sprachsteuerung.
Innenraum: weniger Kofferraum als angegeben, einfache Materialien
Vorn und hinten ist reichlich Platz, die Sitzflächen im Fond sind aber kurz. Bis zur Abdeckung maß der ADAC 365 statt 520 Liter Kofferraum, einen vorderen Kofferraum gibt es nicht. Die Zuladung liegt um 470 bis 500 Kilogramm, mit Hinterradantrieb darf das SUV nur 750 Kilogramm ziehen. Britische Tester finden die Verarbeitung für den Preis zu einfach: billig wirkende Kunststoffe, ungleichmäßige Spaltmaße, knarzende Verkleidungen und kratzempfindlicher Klavierlack. Vier US-Halter melden ein während der Fahrt gesprungenes Panoramadach.
Testvideo: Mercedes EQE SUV
Video: ADAC auf YouTube
Ist mein Mercedes EQE SUV von einem Rückruf betroffen?
Amtlich nennen bisher fünf Rückrufe in Deutschland den EQE SUV: die beiden Aktionen zu den Sicherungen, das Update für das Batteriemanagement und zwei Aktionen an den Rädern. Bei Autos aus der Bauzeit Oktober 2022 bis Mai 2024 können sich schlecht befestigte Radzierblenden lösen (Code 4091027, KBA-Referenznummer 14910R, in Deutschland nur sieben Autos). Seit Mai 2026 prüft Mercedes zudem bei 2.712 Autos verschiedener Baureihen, gebaut von November 2022 bis Dezember 2025, ob die Radschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen sind, im Extremfall kann sich ein Rad lösen (Code 4090105, KBA-Referenznummer 16265R).
Mit der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E) prüft jede Mercedes-Benz-Werkstatt, ob für Ihr Auto etwas offen ist. Die überwachten Rückrufe listet außerdem das Kraftfahrt-Bundesamt in seiner Rückrufdatenbank. Für Halter sind Rückrufe kostenlos.
Fazit: Was Fahrer loben und worauf Käufer achten sollten
Tester loben Komfort, Ruhe, Platz, die Hinterachslenkung und den niedrigen Verbrauch bei gemäßigtem Tempo. Im ADAC-Autotest bekam der 350+ die Note 1,7, AUTO BILD gab dem 350 4MATIC eine 2. Schwächen sind die im Winter und auf der Autobahn stark schrumpfende Reichweite, das langsamere Schnellladen, die Bedienung, die Federung und der hohe Preis. Dazu kommen fünf Rückrufe, zwei davon wegen Brandgefahr, und Berichte über Abschaltungen und Fehlbremsungen. Auf die Hochvoltbatterie gibt Mercedes zehn Jahre oder 250.000 Kilometer Garantie (mindestens 70 Prozent Kapazität), auf das übrige Auto zwei Jahre.
Langzeitdaten fehlen: In der ADAC-Pannenstatistik taucht der EQE SUV nicht auf, unsere Mängeldatenbank hat noch keinen Eintrag, und frei lesbare Halterberichte sind selten und stammen oft aus den USA. Wir aktualisieren den Artikel, sobald mehr bekannt ist.
Checkliste für den Gebrauchtkauf:
- Rückrufe per Fahrgestellnummer prüfen, bei Baujahr 2023 vor allem beide Aktionen zu den Sicherungen
- Update für das Batteriemanagement erledigt? Serviceheft auf wiederholte Elektronik-Reparaturen prüfen
- Probefahrt mit Autobahnetappe und Stopp am Schnelllader
- Assistenten, Displays und Türgriffe auf Störungen prüfen
- Luftfederung und Hinterachslenkung an Bord? Reifen auf Beulen prüfen
- Für Anhängerbetrieb nur ein 4MATIC (1.800 kg)
Weitere Probleme bei den Schwestermodellen
Plattform und mehrere Rückrufe teilt der EQE SUV mit der Limousine Mercedes EQE, dem Mercedes EQS SUV und dem Mercedes EQS. Mehr zum ersten Elektro-SUV von Mercedes: Probleme des Mercedes EQC. Ähnlich groß, aber mit Verbrennungsmotor: Mercedes GLE.
Quellen (Stand: 22. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, ADAC (Autotest EQE SUV 350+, Ecotest, Winter-Reichweitentest 2026 und Pannenstatistik 2026), EU Safety Gate (Meldungen zu Sicherung, Sicherungsdosen, Radzierblenden und Radschrauben) und unsere Rückruf- und Mängeldatenbank. Dazu das Crashtest-Ergebnis von Euro NCAP, Tests von AUTO BILD, auto motor und sport, electrive, NAF, Auto Express, Carwow, Consumer Reports, InsideEVs und Kelley Blue Book, Rückrufberichte von ÖAMTC und mbpassion.de sowie Halterberichte bei GoingElectric, Kelley Blue Book und Leasehackr und Beschwerden bei der US-Verkehrsbehörde NHTSA aus den Jahren 2023 bis 2026 (Einzelstimmen, keine Statistik).
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