Das Wichtigste auf einen Blick
Bekannte Schwachstellen
- Software: träger Start, vergessene Profile, Updates mit Nebenwirkungen
- Assistenten: Dauerwarnungen, falsche Limits, eigenwilliger Spurhalter
- App und Schlüssel: Kopplung hakt, Türgriffe fahren nicht aus
- Laden: schnell bis zur Hälfte, dann deutlich langsamer
- Reichweite und Leistung: 300 bis 410 km, Brabus bei Kälte schwächer
- Fahrwerk und Lenkung: straff, teils polternd, Lenkhilfe setzt kurz aus
- Gurtschloss hinten: Abhilfe in wenigen Minuten
- Verarbeitung und Service: Klappern, Steinschläge, lange Wartezeiten
Der Smart #3 ist ein 4,40 Meter langes Elektro-SUV mit Coupé-Dach, seit Ende 2023 in Deutschland im Angebot und gebaut in China von Smart, dem Gemeinschaftsunternehmen von Mercedes-Benz und Geely. Pro, Pro+ und Premium fahren mit 272 PS und Heckantrieb, der Pro mit 49-kWh-Akku, die anderen mit 66 kWh; der Brabus hat 428 PS und Allradantrieb, dazu kamen mehrere Sondermodelle. Technisch steht der #3 auf der Geely-Plattform SEA, die er mit dem kürzeren Smart #1 und dem Volvo EX30 teilt.
Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme beim #3 bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Dafür haben wir die Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, unsere eigene Rückruf- und Mängeldatenbank, Tests der Fachpresse, die Crashtests von Euro NCAP sowie Erfahrungsberichte aus Fahrerforen ausgewertet. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Fahren Sie selbst einen Smart #3? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.
Baureihe und Varianten des Smart #3
Smart #3, 1. Baureihe (HC11, seit 2023)
- Pro: 272 PS, Akku 49 kWh (Lithium-Eisenphosphat), Heckantrieb, Laden mit 7,2 kW (Wallbox) und 130 kW (Schnelllader)
- Pro+ und Premium: 272 PS, Akku 66 kWh, Heckantrieb, Laden mit 22 kW und 150 kW
- Brabus: 428 PS, Akku 66 kWh, Allradantrieb
- Sondermodelle mit 272 PS und 66 kWh: 25th Anniversary (12/2023 bis 04/2026), Keith Haring Edition (09/2025 bis 08/2026), Pro+ Black Collection (seit 08/2026)
Software: träger Start, vergessene Profile, Updates mit Nebenwirkungen
Bedient wird fast alles über den Touchscreen, selbst die Außenspiegel, Tester nennen die Menüs überladen. Halter ärgern sich eher über Kleinigkeiten: Nach dem Einsteigen dauert es 25 Sekunden bis eine Minute, bis System und Rückfahrkamera bereit sind. Mehrere wurden vom Auto abgemeldet und verloren dabei ihre Einstellungen. Abstürze sind selten, mehrfach war ein USB-Stick der Auslöser.
Updates kommen per Funk, zuletzt Version 1.7.0 im April 2026. Sie bringen neue Funktionen, manchmal aber neue Fehler, etwa unterbrochene CarPlay-Ansagen. Eine Ladeplanung mit Zwischenstopps fehlt dem Navi weiterhin. Seit Juni 2026 kostet das Paket für Streaming und Online-Dienste nach Angaben von Haltern rund 99 Euro im Jahr.
Assistenten: Dauerwarnungen, falsche Limits, eigenwilliger Spurhalter
Der häufigste Kritikpunkt in Tests und Foren, rund 25 Halter berichten davon. Der Tempowarner piept schon bei kleinster Überschreitung, der Aufmerksamkeitswarner meldet sich beim Bedienen der Klimaanlage, die Verkehrszeichenerkennung zeigt öfter falsche Limits. Nach jedem Start sind die Warner wieder aktiv.
Der Spurhalter greift teils ruppig ein. Zwei Halter berichten, dass ihr #3 in Kurven zur Innenmarkierung zieht; eine Werkstatt bemerkte das an drei Autos, mangels Fehlereintrag geschah aber nichts. Andere stört ein Ruckeln im Abstandstempomat. Bei Euro NCAP gab es 2023 trotzdem fünf Sterne, Abzüge unter anderem für die fehlende Notbremsung beim Rückwärtsfahren.
- Für Halter: Seit Software 1.5.0 lässt sich eine Schnelltaste mit den gewünschten Assistenzeinstellungen belegen.
App und Schlüssel: Kopplung hakt, Türgriffe fahren nicht aus
Rund 14 Halter berichten von Ärger mit App, digitalem Schlüssel oder den versenkbaren Türgriffen. Mal ließ sich der digitale Schlüssel nicht aktivieren, mal schaltete die Einrichtung der App die Funkschlüssel ab, ein Fahrer saß deshalb über zehn Minuten im Auto fest. Ein Gebrauchtwagen hing noch über zwei Wochen am Konto des Vorbesitzers. Manche Griffe fahren nur halb oder verzögert aus. Bei Frost klemmten vereinzelt Türen oder Ladeklappe.
- Für Käufer: Nur kaufen, wenn das Auto in der App vom Vorbesitzer abgemeldet ist und alle Funkschlüssel dabei sind.
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Laden: schnell bis zur Hälfte, dann deutlich langsamer
Am Schnelllader zieht der #3 mit großem Akku anfangs gut 150 kW, im ADAC-Test ab etwa 55 Prozent aber unter 100 kW, beim Brabus in einem anderen Test ab 80 Prozent nur 36 kW. Von 10 auf 80 Prozent dauert es rund 30 Minuten, im Winter ohne vorgewärmten Akku deutlich länger. Der Pro lädt mit höchstens 130 kW und an der Wallbox mit 7,2 kW, die übrigen Versionen schaffen dort 22 kW, das loben viele Halter.
Defekte sind Einzelfälle: Bei einem #3 fiel das Lademodul nach zwei Wochen aus, bei einem anderen lud er an der Wallbox nur noch einphasig. Ein Halter konnte an Säulen über 150 kW gar nicht laden, bis ein Software-Update half.
- Für Käufer: Laden an Wallbox und Schnelllader testen, an der Wallbox auf die volle Leistung achten.
Reichweite und Leistung: 300 bis 410 km, Brabus bei Kälte schwächer
Im Ecotest des ADAC brauchte der #3 Premium 18,2 kWh auf 100 Kilometer und kam 410 Kilometer weit, in anderen Tests waren es 346 bis 348 Kilometer, beim Brabus einmal nur 298. Im Langzeittest des ADAC mit dem eng verwandten #1 waren im Winter auf der Autobahn 250 bis 280 Kilometer realistisch. Eine Wärmepumpe haben nur die besser ausgestatteten Versionen, etwa der Brabus.
Rund zehn Brabus-Fahrer merken, dass bei Kälte und sinkendem Akkustand spürbar Leistung fehlt, auch beim Überholen. Premium-Halter bemerken davon kaum etwas. Sieben Halter finden die Sitzheizung zu schwach.
Fahrwerk und Lenkung: straff, teils polternd, Lenkhilfe setzt kurz aus
Mehrere Tester finden das Fahrwerk auf schlechten Straßen polternd, andere loben es als ausgewogen. Die Rekuperation setzt verzögert ein, Lastwechsel ruckeln. Nach einem Ausweichtest des ADAC mit dem #1 hat Smart 2024 das ESP nachgebessert, der #3 bestand den Test ohne Probleme. Ein #3 Brabus mit Ganzjahresreifen brauchte in einem Vergleichstest bis zu 40 Meter, um aus 100 km/h zu stoppen, andere Tester maßen knapp 35 Meter.
Einige Halter von #1 und #3 berichten, dass die Lenkung nach dem Wechsel von P auf D einige Sekunden schwergängig bleibt, eine Lösung gibt es bisher nicht. Etwa fünf Halter hören quietschende Bremsen.
- Für Käufer: Probefahrt über schlechte Straßen, auf die Reifen und die Lenkung beim Anfahren achten.
Gurtschloss hinten: Abhilfe in wenigen Minuten
Der bisher einzige Rückruf in Deutschland gilt für #1 und #3 gemeinsam (KBA-Referenznummer 13930R, Smart-Code TBR24003-2). Entdeckt hat den Fehler eine finnische Autozeitschrift bei einem Ausweichtest: Bei starken Lenkmanövern kann das mittlere Gurtschloss der Rückbank auf das linke drücken und es entriegeln. Betroffen sind 17.934 Autos in Deutschland und 43.772 weltweit, gebaut vom 9. August 2022 bis 10. Dezember 2024. Die Werkstatt setzt ein kleines Abdeckteil ein, das dauert höchstens eine halbe Stunde. Unfälle sind nicht bekannt.
In China rief Smart im März 2026 zudem 2.145 #3 der Baujahre bis 2023 wegen Brandgefahr am Akku zurück, für Europa ist nichts dergleichen bekannt. Den Akku-Rückruf des Volvo EX30 gibt es beim Smart nicht, hier steckt ein anderer Akku.
- Für Käufer: Bei Autos aus der Zeit bis Dezember 2024 nach dem Nachweis fragen.
Verarbeitung und Service: Klappern, Steinschläge, lange Wartezeiten
Tester nennen die Verarbeitung uneinheitlich, mal hochwertig, mal mit klapprigem Hartplastik. Rund elf Halter hören Knarzen oder Klappern, etwa an Mittelkonsole, Sitzen oder Heckklappe. Fünf berichten von Dutzenden winziger Steinschläge in der Frontscheibe, Kulanz gab es nicht. Bei einigen verformte sich im Sommer der Dachkantenspoiler, bei anderen wischten die Wischer bei hohem Tempo schlecht; beides behob die Werkstatt.
Mühsam ist oft der Service: Die Werkstatt braucht für Reparaturen häufig erst eine Freigabe von Smart, auf Teile wie Frontscheibe oder Wärmetauscher warteten einzelne Halter Wochen bis Monate. Zur Garantie von zwei Jahren kommt ein Jahr Anschlussgarantie mit dem Servicepaket. Dafür muss nach Angaben von Haltern die erste Inspektion pünktlich in einer Vertragswerkstatt erfolgen.
- Für Halter: Die erste Inspektion nicht verschieben.
Testvideo: Smart #3
Video: ADAC auf YouTube
Ist mein Smart #3 von einem Rückruf betroffen?
In Deutschland gibt es bisher nur den Rückruf zum Gurtschloss hinten, er gilt für Autos aus der Zeit bis 10. Dezember 2024. Mit der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E) prüft jede Smart-Servicewerkstatt, ob für Ihr Auto ein Rückruf offen ist. Die Rückrufe listet auch das Kraftfahrt-Bundesamt. Für Halter sind sie kostenlos.
Fazit: Was Fahrer loben und worauf Käufer achten sollten
Fahrer und Tester loben die kräftigen Antriebe, das agile Fahrverhalten, den niedrigen Verbrauch, viel Platz hinten und das Laden mit 22 kW. Im ADAC-Autotest bekam der #3 Premium die Note 1,9, Kritik gab es für die ablenkende Bedienung und den kleinen Kofferraum: Statt 370 Litern maß der ADAC nur 255. Große Fahrer stören die festen Kopfstützen. Die meisten Probleme betreffen Software und Assistenten. Für den Akku gibt Smart acht Jahre oder 200.000 Kilometer Garantie. Dauertests, Pannen- und HU-Statistiken fehlen noch, unsere Mängeldatenbank hat noch keine Berichte. Wir aktualisieren den Artikel, sobald mehr bekannt ist.
Checkliste für den Gebrauchtkauf:
- Rückruf zum Gurtschloss erledigt? (Bau bis Dezember 2024)
- In der App vom Vorbesitzer abgemeldet, alle Funkschlüssel vorhanden
- Softwarestand erfragen, Ladetest an Wallbox und Schnelllader
- Frontscheibe, Dachkantenspoiler und Türgriffe ansehen
- Probefahrt: Lenkung beim Anfahren, Geräusche, Assistenten, beim Brabus die Leistung bei Kälte
- Erste Inspektion pünktlich erledigt?
Weitere Probleme bei den Schwestermodellen
Fast alles hier gilt auch für den kürzeren Smart #1, auch der Rückruf zum Gurtschloss; beim #1 kamen 2023 Rückrufe zu eCall und Fahrzeugpapieren hinzu. Mehr zum Laden des #1: Ladeleistung und Ladezeit. Die Plattform SEA nutzen auch der Volvo EX30 und der Lynk & Co 02.
Quellen (Stand: 22. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, EU Safety Gate (bisher keine Meldung zu Smart #1 oder #3), ADAC (Autotest, Langzeittest des Smart #1 und Stromverbrauch im Test) und unsere Rückruf- und Mängeldatenbank. Dazu die Ergebnisse von Euro NCAP und Green NCAP, Rückrufmeldungen von ÖAMTC und CarExpert, Tests und Berichte von AUTO BILD, AUTO ZEITUNG, auto motor und sport, electrive, ecomento, mbpassion, sicurauto.it, CnEVPost, Driving Electric, Electrifying und Auto Express sowie Erfahrungsberichte von Fahrern des #3 und #1 aus den Foren smart-1-forum.de, smart-emotion.de und goingelectric.de aus den Jahren 2024 bis 2026 (Einzelstimmen, keine Statistik).
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