Das Wichtigste auf einen Blick
Bekannte Schwachstellen
- Ladeeinheit (ICCU): in Europa bisher unauffällig, in den USA viele A…
- Kombiinstrument: Anzeige kann ausfallen, neue Software hilft
- Assistenten: falsche Tempolimits, beschlagene Frontkamera
- Geräusche: Dröhnen auf langen Autobahnfahrten
- Fondsitze: Einklemmschutz im Ausland nachgebessert
- Verbrauch: auf der Autobahn und im Winter deutlich mehr
- Alltag: sperrig, straffes Fahrwerk, kleine Mängel
Der Hyundai Ioniq 9 ist das größte Elektroauto von Hyundai, ein gut fünf Meter langes SUV mit sechs oder sieben Sitzen, das es in Deutschland seit Sommer 2025 gibt. Es gibt 11 Varianten, alle mit einem Akku von 110 kWh (brutto): mit Heckantrieb und 218 PS oder mit Allradantrieb und 307 oder 428 PS. Technisch steht er wie der Kia EV9 auf der Elektroplattform E-GMP mit 800-Volt-Technik, die Autos für Europa baut Hyundai in Südkorea, die für die USA in Georgia.
Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme beim Ioniq 9 bisher bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Langzeiterfahrungen fehlen noch. Ausgewertet haben wir die Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, unsere eigene Rückruf- und Mängeldatenbank, Tests der Fachpresse, die Crashtests von Euro NCAP, Rückrufe und Halterbeschwerden aus den USA sowie Erfahrungsberichte aus Fahrerforen. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Fahren Sie selbst einen Ioniq 9? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.
Baureihe und Varianten des Hyundai Ioniq 9
Hyundai Ioniq 9, 1. Baureihe (ME1, seit 07/2025)
- Heckantrieb: 218 PS, Akku 110 kWh brutto, 7 Sitze (Basis, Techniq bis 07/2026, seitdem Centriq)
- Allradantrieb: 307 PS, Akku 110 kWh brutto (Techniq AWD bis 07/2026, seitdem Centriq AWD; Uniq AWD mit 6 oder 7 Sitzen)
- Performance mit Allradantrieb: 428 PS, Akku 110 kWh brutto (Performance Uniq AWD mit 6 oder 7 Sitzen, seit 07/2026 auch Performance Blackline AWD)
- WLTP-Reichweite 600 bis 620 km, Anhängelast 1.600 kg (Heckantrieb) oder 2.500 kg (Allrad)
Ladeeinheit (ICCU): in Europa bisher unauffällig, in den USA viele Ausfälle
Beim Ioniq 5 und Ioniq 6 ist die Ladeeinheit ICCU die bekannteste Schwachstelle. Sie lädt den Akku an der Wallbox und versorgt die 12-Volt-Batterie. Fällt sie aus, meldet das Auto einen Fehler im elektrischen System, fährt nur noch langsam oder bleibt stehen. In der ADAC-Pannenstatistik fällt der Ioniq 5 deshalb mit vielen Pannen auf, der Ioniq 9 ist dafür noch zu neu.
Von Ioniq-9-Haltern in Deutschland und Österreich kennen wir bisher keinen ICCU-Ausfall, auch nicht von einem Fahrer mit mehr als 45.000 Kilometern. Anders in den USA, wo die Autos aus Georgia stammen: Gut die Hälfte der 37 Beschwerden, die US-Halter bis Herbst 2026 bei der Verkehrsbehörde NHTSA einreichten, beschreibt dieses Bild, 14 nennen ausdrücklich die ICCU. Teils passierte es schon nach rund 2.500 Kilometern. Die Autos wurden abgeschleppt und standen zwei Tage bis zweieinhalb Wochen, manchmal fehlten Teile. Einen Rückruf dazu gibt es bisher nirgends.
- Für Halter: Die im April 2026 auf 15 Jahre verlängerte ICCU-Garantie gilt nur für ältere Ioniq 5 und 6, nicht für den Ioniq 9. Ihn deckt die normale Garantie von fünf Jahren ohne Kilometergrenze, die 12-Volt-Batterie ist nur zwei Jahre abgesichert.
- Für Käufer: An der Wallbox probeladen und nach Warnmeldungen und Werkstattbesuchen fragen.
Kombiinstrument: Anzeige kann ausfallen, neue Software hilft
Der bisher einzige Rückruf in Deutschland betrifft die Anzeige hinter dem Lenkrad. Bei Autos aus der Bauzeit vom 30. Juni bis 14. November 2025 kann das Kombiinstrument während der Fahrt neu starten. Es bleibt dann kurz schwarz, Tempo, Ladestand und Warnungen fehlen oder erscheinen verzögert (KBA-Referenznummer 16445R, Hyundai-Codes 61DC02 und 61D052). Der Rückruf gilt für zehn Hyundai-Modelle mit zusammen 4.271 Autos in Deutschland. Zwei Halter haben den Aussetzer erlebt. Abhilfe ist neue Software, die ein Halter schon per Funk bekam, sonst spielt sie die Werkstatt kostenlos auf.
Assistenten: falsche Tempolimits, beschlagene Frontkamera
Das häufigste Ärgernis unter Haltern sind die Assistenten. Die Verkehrszeichenerkennung liest Limits für Lkw mit oder erkennt falsche Werte, der Tempoassistent bremst dann unnötig oder reagiert erst am Schild. Vier Halter berichten davon, Tester nennen die Schilderkennung unzuverlässig und die vielen Warntöne bevormundend. Dauerhaft abschalten lassen sie sich nur umständlich. In einem Test griff die Notbremse beim Rückwärtseinparken ohne Hindernis ein. Mit Anhänger fallen Spurhalte- und Totwinkelassistent aus.
Im Winter beschlug bei zwei Haltern mit voll besetztem Auto die Kamera hinter der Windschutzscheibe von innen, die Assistenten fielen dann immer wieder aus. Abhilfe schaffen Gebläse und Scheibenheizung auf voller Stufe.
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Geräusche: Dröhnen auf langen Autobahnfahrten
Der Ioniq 9 ist innen sehr leise, im ADAC-Test waren es 63,3 dB(A) bei 130 km/h. Dazu trägt eine aktive Geräuschunterdrückung über die Lautsprecher bei. Bei mindestens drei Haltern erzeugt gerade sie auf langen Autobahnfahrten nach 30 bis 60 Kilometern ein tiefes Dröhnen, das immer lauter wird, oft bei vollem Kofferraum. Öffnet man ein Fenster einen Spalt, ist es sofort weg. Ein Händler bestätigte im September 2026, dass das Problem auch aus anderen Märkten gemeldet wurde und Hyundai es kennt. Eine Lösung oder einen Schalter dafür gibt es bisher nicht. Ein Halter hörte außerdem die Heckklappe klappern, das ließ sich durch Einstellen der Gummipuffer abstellen.
Fondsitze: Einklemmschutz im Ausland nachgebessert
In den USA ruft Hyundai seit September 2026 5.360 Ioniq 9 aus dem Werk in Georgia zurück (NHTSA 26V-588): Die elektrisch bewegten Sitze der zweiten Reihe erkennen eine Person womöglich nicht und fahren beim automatischen Umklappen weiter. Bekannt waren fünf Beschwerden, zwei davon mit leichten Verletzungen. Auch in Korea, wo die Ioniq 9 für Europa vom Band laufen, und in Kanada gibt es Rückrufe wegen der Sitzsteuerung, Abhilfe ist jeweils neue Software. In Deutschland ist bisher kein Rückruf bekannt, ob europäische Autos betroffen sein können, ist offen.
- Für Halter: Beim elektrischen Verstellen der Fondsitze Kinder fernhalten und in der Werkstatt nach neuer Sitzsoftware fragen.
- Für Käufer: Im Siebensitzer hat der mittlere Platz der zweiten Reihe kein Isofix. Wer drei Kindersitze braucht, sollte das vorher ausprobieren.
Verbrauch: auf der Autobahn und im Winter deutlich mehr
Für seine Größe ist der Ioniq 9 sparsam. Im Ecotest des ADAC brauchte die Version mit Heckantrieb 22,8 kWh auf 100 Kilometer, das reicht für rund 535 Kilometer. Der Allradler mit 428 PS kam in einem anderen Test mit 27,3 kWh nur 458 Kilometer weit, bei konstant 130 km/h rund 400. Im Winter messen Halter und Tester auf der Autobahn 25 bis 36 kWh, im Alltag bleiben dann teils weniger als 300 Kilometer. Mit einem Zwei-Tonnen-Anhänger stieg der Verbrauch in einem Test auf 41,5 kWh, zwischen zwei Ladestopps lagen knapp 200 Kilometer. Wichtig: 2,5 Tonnen darf nur der Allradler ziehen, mit Heckantrieb sind es 1.600 Kilogramm.
Am Schnelllader überzeugt er: Im ADAC-Test lud er von 10 auf 80 Prozent mit durchschnittlich 210 kW, Halter brauchen dafür rund 24 Minuten. An der Wallbox sind nur 11 kW möglich.
Alltag: sperrig, straffes Fahrwerk, kleine Mängel
Mit 5,06 Metern Länge, 2,25 Metern Breite samt Spiegeln und 2,6 bis 2,8 Tonnen Gewicht ist der Ioniq 9 ein Riese. Das kritisieren fast alle Tests. Luftfederung oder geregelte Dämpfer gibt es nicht. Mit 20-Zoll-Rädern gibt das Fahrwerk innerorts kurze Stöße hart weiter, bei hohem Tempo wirkt es schaukelig. Die dritte Reihe taugt eher für Kinder, die Ladekante ist hoch, manche Kunststoffe wirken billig.
An Testwagen fielen einzelne Defekte auf: Einmal versagte die Klimaanlage, einmal meldete die Reifendruckkontrolle an allen vier Rädern Druckverlust und ließ sich nicht zurücksetzen, bei Frost vereisten die ausfahrenden Türgriffe. Bei einem Halter stand hinten eine Zierblende ab.
Testvideo: Hyundai Ioniq 9
Video: ADAC auf YouTube
Ist mein Hyundai Ioniq 9 von einem Rückruf betroffen?
In Deutschland gab es bisher einen Rückruf, zum Kombiinstrument (Bauzeit 30. Juni bis 14. November 2025). Der US-Rückruf zu den Fondsitzen gilt für Autos aus Georgia, für Europa ist dazu bisher keiner veröffentlicht. Mit der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E) prüft jede Hyundai-Werkstatt, ob für Ihr Auto ein Rückruf oder eine Serviceaktion offen ist. Die Rückrufe listet auch das Kraftfahrt-Bundesamt. Für Halter sind sie kostenlos.
Fazit: Was Fahrer loben und worauf Käufer achten sollten
Fahrer und Tester loben den großen Innenraum, den Komfort, das schnelle Laden und die Garantie von fünf Jahren ohne Kilometergrenze, für den Akku acht Jahre oder 160.000 Kilometer. Im ADAC-Autotest bekam der Ioniq 9 die Note 1,8, bei AUTO BILD eine 1,6, im Crashtest von Euro NCAP 2025 fünf Sterne. Schwach waren dort der seitliche Pfahlaufprall und die Notbremse bei Querverkehr. Schwächen sind Größe und Gewicht, der hohe Verbrauch bei Tempo und Kälte und übereifrige Assistenten.
Der Ioniq 9 ist noch neu: Die meisten Halter fahren ihn erst seit einigen Monaten, unsere Mängeldatenbank hat noch keinen Eintrag, Pannenstatistiken und Dauertests fehlen. Ob die ICCU in Europa besser hält als in den USA, muss sich erst zeigen. Wir aktualisieren den Artikel, sobald mehr bekannt ist.
Checkliste für den Gebrauchtkauf:
- Update fürs Kombiinstrument erledigt? (Bau Juli bis November 2025)
- Offene Rückrufe und Updates per Fahrgestellnummer prüfen, auch zur Sitzsteuerung
- Probeladen an Wallbox und Schnelllader, keine Warnmeldungen im Display
- Lange Probefahrt auf der Autobahn: Dröhnen, Assistenten, Fahrwerk
- Reicht die Anhängelast? Mit Heckantrieb nur 1.600 Kilogramm
Weitere Probleme bei den Schwestermodellen
Die Plattform E-GMP mit 800 Volt nutzen auch der Kia EV9, der Hyundai Ioniq 6, der Hyundai Ioniq 5 und der Kia EV6. Den Rückruf zum Kombiinstrument gibt es auch für andere Hyundai-Modelle, etwa den Santa Fe, den Tucson und den Kona.
Quellen (Stand: 22. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, ADAC (Autotest, Rückrufmeldung und Pannenstatistik 2026), EU Safety Gate (keine Meldung zum Ioniq 9) und unsere Rückruf- und Mängeldatenbank. Dazu Rückrufe und Halterbeschwerden der US-Verkehrsbehörde NHTSA, Berichte von car-recalls.eu, kfz-betrieb, joyn, electrive, elektroquatsch.de, autoevolution und koreanischen Medien, Tests von AUTO BILD, AUTO ZEITUNG, electrive, firmenauto, AutoScout24, Vision Mobility und Promobil, die Ergebnisse von Euro NCAP, Angaben von Hyundai zur Garantie sowie Erfahrungsberichte von Ioniq-9-Haltern aus dem Forum goingelectric.de (Einzelstimmen, keine Statistik).
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