Das Wichtigste auf einen Blick
Bekannte Schwachstellen
- 12-Volt-Batterie: leer nach Standzeit, oft steckt Software dahinter
- Hochvoltakku und Ladeeinheit: seltene Defekte, lange Wartezeiten
- Assistenzsysteme: viele Fehlermeldungen auf einmal
- Fahrerüberwachung und Spurhalter: Warnungen ohne Grund
- Software und Kia Connect: dunkler Bildschirm, keine Verbindung
- Sitze: nachgebende Fahrerlehne, fehlende Schrauben
- Schnellladen: Stecker rastet nicht immer ein
- Geräusche: Ruckeln bei hohem Tempo, vibrierende Mittelkonsole
Der Kia EV9 ist das größte Elektroauto von Kia, ein gut fünf Meter langes SUV mit sechs oder sieben Sitzen. Seit Herbst 2023 gibt es ihn mit Heckantrieb (204 PS) oder Allradantrieb (385 PS) und einem Akku mit 99,8 kWh, seit 2025 auch mit kleinerem Akku (76,1 kWh) und als GT mit 508 PS. Technisch steht er wie der EV6 auf der Elektroplattform E-GMP von Kia und Hyundai mit 800-Volt-Technik.
Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme beim EV9 bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Dafür haben wir die Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, unsere eigene Mängeldatenbank, Tests und Dauertests der Fachpresse sowie Erfahrungsberichte aus Fahrerforen ausgewertet. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Fahren Sie selbst einen EV9? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.
Baureihe und Varianten des Kia EV9
Kia EV9, 1. Baureihe (MV1, seit 2023)
- EV9 mit Heckantrieb (auch Air und Earth): 204 PS, Akku 99,8 kWh (seit 10/2023)
- EV9 Air: 218 PS, Akku 76,1 kWh, Heckantrieb (seit 01/2025)
- EV9 AWD und GT-Line AWD: 385 PS, Akku 99,8 kWh, Allradantrieb (seit 10/2023), dazu die Launch Edition (bis 03/2025), Air AWD und Earth AWD (seit 01/2025) sowie die Black Edition (seit 07/2026)
- EV9 GT AWD: 508 PS, Akku 99,8 kWh, Allradantrieb (seit 07/2025)
- Alle Versionen mit sechs oder sieben Sitzen
12-Volt-Batterie: leer nach Standzeit, oft steckt Software dahinter
Das häufigste Thema unter Besitzern ist die kleine 12-Volt-Batterie. Mehr als 30 Fahrer berichten, dass ihr EV9 nach einigen Tagen Standzeit tot war, manche gleich mehrmals. Häufig blieben Steuergeräte wach und zogen Strom, etwa für den digitalen Schlüssel, die Handyladeschale oder den Beifahrersitz. Die Werkstätten spielten Updates auf und tauschten die Batterie, nicht immer mit dauerhaftem Erfolg. Ärgerlich: Über die Kia-Assistance gibt es den Ersatzwagen meist nur für bis zu sechs Tage.
In der ADAC-Pannenstatistik ist der EV9 noch nicht erfasst. Dort fällt aber der technisch verwandte Hyundai Ioniq 5 mit vielen Pannen auf. Hintergrund ist ein Problem mit der Ladeeinheit, die auch das 12-Volt-Bordnetz versorgt. Was bei einer Bordnetz-Meldung hilft, erklärt unser Ratgeber Fehler: 12V-Bordnetz.
Hochvoltakku und Ladeeinheit: seltene Defekte, lange Wartezeiten
Einige Besitzer erlebten Defekte am Antriebsakku. Typisch sind die Meldung, das elektrische System zu prüfen, abbrechende Ladevorgänge und ein sinkender maximaler Ladestand. Gefunden wurden defekte Zellen oder Module, teils schon nach wenigen hundert Kilometern. Die Reparatur dauerte zwischen gut einer Woche und mehreren Wochen, in einem Fall drei Monate. Ein GT-Line-Besitzer gab sein Auto nach einem Zellendefekt zurück, weil der Fehler nach sechs Wochen Werkstatt sofort wiederkam. Auch die Ladeeinheit (ICCU) fiel vereinzelt aus. Die im April 2026 auf 15 Jahre verlängerte ICCU-Garantie gilt nur für ältere EV6 sowie Hyundai Ioniq 5 und 6, nicht für den EV9.
- Für Käufer: Nach Akku- und Ladeeinheit-Reparaturen fragen. Auf den Akku gibt Kia 7 Jahre oder 150.000 Kilometer Garantie, ab Modelljahr 2026 8 Jahre oder 160.000 Kilometer.
Assistenzsysteme: viele Fehlermeldungen auf einmal
Bei einem EV9 GT-Line von 2024 aus unserer Mängeldatenbank meldeten im September 2025 bei rund 18.700 Kilometern fast alle Assistenzsysteme gleichzeitig eine Störung. Abstandstempomat und Rekuperation fielen aus, ebenso das ABS, der Halter ließ das Auto deshalb stehen. Zwei Werkstattbesuche brachten keine Lösung, einen kostenlosen Leihwagen gab es nicht.
Ähnliche Fälle kennen mehrere Besitzer. Bei dreien fand die Werkstatt schließlich ein beschädigtes Kabel am Raddrehzahlsensor, meist war von Marderbiss die Rede. Die Halter zahlten rund 340 bis 550 Euro. Bei einem Schweizer EV9 dauerte die Suche fünf Monate, ein neuer Kabelbaum half nicht.
- Für Halter: Bei Sammel-Fehlermeldungen nach dem Raddrehzahlsensor und seiner Leitung fragen.
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Fahrerüberwachung und Spurhalter: Warnungen ohne Grund
Die Kamera zur Fahrerüberwachung schlägt oft unnötig an, schon der ADAC kritisierte die Aufmerksamkeitswarnung. In den Foren beschweren sich rund 15 bis 20 Fahrer, besonders mit Sonnenbrille. Updates haben die Warnungen zeitweise entschärft. Der Spurhalter lenkt manchen zu unruhig, die Verkehrszeichenerkennung liest Limits immer wieder falsch. Ein Fahrer zählte rund 60 Fehler auf 260 Kilometern. Im Crashtest von Euro NCAP holte der EV9 2023 trotzdem fünf Sterne, die Fahrerüberwachung schnitt dort gut ab.
Software und Kia Connect: dunkler Bildschirm, keine Verbindung
Bei frühen Autos blieb der Bildschirm morgens öfter schwarz, rund zehn Besitzer kennen das aus den ersten Monaten. Meist halfen ein Neustart und später Updates. Bei etwa einem Dutzend Fahrern war die App Kia Connect tage- bis wochenlang ohne Verbindung, manchmal musste die Werkstatt die Infotainment-Einheit tauschen. Updates kommen inzwischen auch per Funk, doch nicht jedes lief rund: Danach fehlte bei einigen das Head-up-Display oder es kamen falsche Reifendruckwarnungen.
Sitze: nachgebende Fahrerlehne, fehlende Schrauben
Rund 15 Besitzer, vor allem der Launch Edition, spüren, dass die Lehne des Fahrersitzes in Linkskurven zwei bis drei Zentimeter nachgibt. Kia tauscht dann auf Garantie das Sitzgestell, ein Teil für rund 3.500 bis 4.000 Euro, und verlangt vorher ein Video vom Fehler. In den meisten Fällen ist das Problem danach behoben.
Davon unabhängig ist ein Rückruf vom April 2025 (KBA-Referenznummer 15002R, Kia-Code 251010): Bei EV9, die zwischen dem 18. August 2023 und dem 30. August 2024 gebaut wurden, können Befestigungsschrauben der Sitze in allen drei Reihen fehlen. Betroffen sind 1.094 Autos in Deutschland und 36.288 weltweit, drei Fälle waren bekannt, Unfälle nicht. Die Werkstatt prüft alle Schrauben in rund einer halben Stunde.
Schnellladen: Stecker rastet nicht immer ein
Mit 800 Volt lädt der EV9 sehr schnell. Im Test zog er bis zu 211 kW, von 10 auf 80 Prozent dauerte es 24 Minuten. Etliche Fahrer und ein Dauertest kennen aber ein lästiges Problem: Schwere Kabel an Schnellladern ziehen an der Buchse, die Verriegelung rastet nicht ein, und die Säule startet nicht. Meist hilft es, den Stecker beim Start kurz anzuheben. Einem Besitzer schrieb der Kia-Kundenservice, das entspreche dem Serienstand.
Beim Verbrauch überzeugt der Koloss: Im Ecotest des ADAC waren es 22,2 kWh auf 100 Kilometer und rund 500 Kilometer Reichweite, bei zügiger Reise eher 25 bis 30 kWh.
Geräusche: Ruckeln bei hohem Tempo, vibrierende Mittelkonsole
Rund zehn Besitzer spüren zwischen 120 und 160 km/h ein Ruckeln im Antrieb, die Ursache ist offen. Bei einem war nach 20.000 Kilometern der hintere Wechselrichter defekt, die Reparatur dauerte fünf Wochen. Vibriert die Mittelkonsole bei 110 bis 135 km/h, sind oft die schweren Räder unwuchtig. Die Armlehne knarzt bei manchen, abgebrochene Gummipuffer sind dort ein bekanntes Ärgernis.
Testvideo: Kia EV9
Video: ADAC auf YouTube
Ist mein Kia EV9 von einem Rückruf betroffen?
Neben den Sitzschrauben gab es in Deutschland zwei Software-Rückrufe. Beim ferngesteuerten Einparken baute die Bremse bei Autos, die zwischen März 2023 und Mitte Oktober 2024 gebaut wurden, unter Umständen zu wenig Druck auf (KBA 14548R, Kia-Code 241164). Bei Autos aus der Zeit vom 24. Juni bis 18. Dezember 2025 reagiert das Kombiinstrument womöglich verzögert (KBA 16442R). In den USA ruft Kia seit Juli 2026 eine Handvoll EV6 und EV9 (insgesamt acht Autos, EV9 des Modelljahrs 2024) wegen möglicher Fehler in den Akkuzellen zurück, für Europa haben wir dazu bisher keine Meldung gefunden.
Mit der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E) prüft jede Kia-Werkstatt, ob für Ihr Auto ein Rückruf offen ist. Die Rückrufe listet auch das Kraftfahrt-Bundesamt. Für Halter sind sie kostenlos.
Fazit: Was Fahrer loben und worauf Käufer achten sollten
Fahrer und Tester loben den riesigen Innenraum, in dem sogar sechs Erwachsene Platz finden, das schnelle Laden, die Reichweite und bis zu 2,5 Tonnen Anhängelast bei den Allradversionen. Im ADAC-Autotest bekam der EV9 die Note 1,7. Schwächen sind die 12-Volt-Batterie, Software und Assistenten, dazu lange Wartezeiten auf Teile. Der Sechssitzer im Test durfte nur 550 Kilogramm zuladen, mit Spiegeln ist der EV9 2,26 Meter breit. Langzeitdaten aus Pannen- oder HU-Statistiken gibt es noch nicht.
Checkliste für den Gebrauchtkauf:
- Rückrufe erledigt? Vor allem die Sitzschrauben (Bau August 2023 bis August 2024)
- Fahrersitz in Kurven fest, Sitzgestell schon getauscht?
- Werkstattrechnungen zu 12-Volt-Batterie, Akku und Ladeeinheit, aktueller Softwarestand
- Ladetest an einem Schnelllader, keine Warnmeldungen im Display
- Probefahrt bis Autobahntempo: Ruckeln, Vibrationen, Assistenz-Warnungen
Weitere Probleme bei den Schwestermodellen
Die Plattform E-GMP mit 800 Volt nutzen auch der Kia EV6 und der Hyundai Ioniq 5, der kleinere Kia EV3 nutzt sie mit 400 Volt. Den Rückruf zum Kombiinstrument gibt es auch für andere Modelle, etwa den Kia Sorento.
Quellen (Stand: 21. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, ADAC (Autotest und Pannenstatistik 2026), EU Safety Gate und unsere Rückruf- und Mängeldatenbank. Dazu Berichte von auto motor und sport, gebrauchtwagenberater.de und car-recalls.eu, die US-Verkehrsbehörde NHTSA, der Dauertest von firmenauto, die Ergebnisse von Euro NCAP, Angaben von Kia zu Garantie und Software-Updates sowie Erfahrungsberichte von EV9-Fahrern aus dem Forum ev9-forum.de aus den Jahren 2023 bis 2026 (Einzelstimmen, keine Statistik).
Fragen & Erfahrungen
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