Das Wichtigste auf einen Blick
Bekannte Schwachstellen
- Federbein: Schweißnaht vorn rechts kann nachgeben
- Erste Baumonate: Motorhaube, Gurte und Kombiinstrument
- Software: viele kleine Fehler, Akkuheizung sprang grundlos an
- Assistenten: Warner und Notbremse greifen zu oft ein
- Karosserie und Geräusche: Schiebetür scheuert, Pfeifen und Knarzen
- Fahrwerk und Sicherheit: vier Sterne, lange Bremswege
- Alltag: knappe Zuladung, Wartezeit auf Teile
Der Kia PV5 ist ein elektrischer Van, den Kia seit Herbst 2025 als Hochdachkombi (PV5 Passenger) und als Kastenwagen (PV5 Cargo) anbietet. Er hat Frontantrieb und 122 PS mit 51,5-kWh-Akku oder 163 PS mit 71,2 kWh; den Cargo gibt es seit Mitte 2026 auch kürzer sowie mit kleinem 43,3-kWh-Akku und 151 PS. Technisch steht der PV5 auf der neuen Nutzfahrzeug-Plattform E-GMP.S mit 400-Volt-Technik, gebaut wird er in einem eigenen Werk im südkoreanischen Hwaseong.
Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme beim PV5 bisher bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Langzeiterfahrungen fehlen noch. Ausgewertet haben wir die Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, unsere eigene Rückruf- und Mängeldatenbank, Tests der Fachpresse, die Crashtests von Euro NCAP und Erfahrungsberichte aus Fahrerforen. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Fahren Sie selbst einen PV5? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.
Baureihe und Varianten des Kia PV5
Kia PV5, 1. Baureihe (SW1, seit 2025)
- PV5 Passenger: 122 PS mit 51,5 kWh oder 163 PS mit 71,2 kWh, Frontantrieb, 5 Sitze (seit 10/2025), 6 oder 7 Sitze (seit 07/2026), Rollstuhl-Version WAV (seit 08/2026)
- PV5 Cargo L2H1 (4,70 m): 122 PS mit 51,5 kWh oder 163 PS mit 71,2 kWh (seit 10/2025)
- PV5 Cargo L1H1 (4,50 m) und Cargo mit 43,3 kWh und 151 PS (seit 07/2026)
- Ausstattungen Essential, Plus und Elite, WLTP-Reichweite 232 bis 416 km, Höchsttempo 135 km/h
Federbein: Schweißnaht vorn rechts kann nachgeben
Der bisher ernsteste Mangel: An der Aufnahme des rechten vorderen Federbeins kann eine Schweißnaht fehlerhaft sein. Im schlimmsten Fall löst sich der Stoßdämpfer vom unteren Querlenker, das Auto lässt sich dann schlechter kontrollieren. Warnzeichen: Der PV5 steht vorn rechts tiefer. Kia ruft deshalb 3.670 Autos aus der Bauzeit vom 12. November 2025 bis 31. März 2026 zurück (Code 261111, KBA-Referenznummer 16703R). Unfälle sind nicht bekannt.
- Für Halter: Die Werkstatt prüft den Stoßdämpfer und tauscht ihn bei Bedarf, das dauert etwa eine halbe Stunde.
- Für Käufer: Lassen Sie sich die Prüfung bestätigen und schauen Sie, ob das Auto gerade steht.
Erste Baumonate: Motorhaube, Gurte und Kombiinstrument
Bei Autos aus den ersten Produktionsmonaten gab es drei weitere Rückrufe. Sie sind kostenlos, beim Gebrauchtkauf sollten Sie aber nachfragen:
- Motorhaube (September 2026, Codes 261105 bis 261107, KBA 16771R): Bei Autos aus der Bauzeit vom 8. September 2025 bis 2. Februar 2026 kann das Material der Haube stellenweise ungleich fest sein, Fußgänger schützt sie dann schlechter. Die Werkstatt prüft und tauscht sie bei Bedarf. Betroffen sind 799 Autos in Deutschland, 11.231 weltweit.
- Gurtschrauben (2026, Code 261246): Bei Autos aus der Bauzeit vom 16. August bis 18. Dezember 2025 sitzen die Gurtschrauben in der ersten und zweiten Reihe womöglich zu locker. Die Werkstatt zieht sie nach. Eine deutsche KBA-Nummer haben wir nicht gefunden.
- Kombiinstrument (April 2026, KBA 16442R): Die Anzeige hinter dem Lenkrad reagiert nach dem Start verzögert, selten startet sie beim Blinken neu. Neue Software behebt das in rund 45 Minuten. Betroffen sind viele Kia-Modelle, beim PV5 Autos aus dem Herbst 2025.
Unfälle sind nicht bekannt. Seit Sommer 2026 tauscht Kia außerdem in einer Serviceaktion ein Heizelement der Klimaanlage. Danach fiel bei mehreren Haltern die Klimaanlage aus, einmal war ein Stecker nicht eingerastet.
Software: viele kleine Fehler, Akkuheizung sprang grundlos an
Unter Haltern ist die Software das größte Thema. Am meisten diskutiert: Bei vielen PV5 sprang die Akkuheizung ohne Anlass zu Fahrtbeginn an, selbst im Sommer. Auf Kurzstrecken kostete das ein Fünftel bis ein Viertel der Energie. Seit einem Update etwa im August 2026 tritt der Fehler bei mehreren Haltern nicht mehr auf.
Dazu kommen kleinere Fehler, jeweils von mehreren Haltern berichtet: Das Infotainment friert ein und braucht einen Reset, der schlüssellose Zugang entriegelt erst nach mehreren Versuchen, das Abblendlicht geht im abgestellten Auto an, Einstellungen wie Fahrmodus oder Musikquelle sind beim nächsten Start vergessen, und das Ladekabel bleibt verriegelt. Updates kommen auch per Funk, behoben ist aber längst nicht alles. Zwei PV5 blieben mit einer Fehlermeldung liegen und wurden abgeschleppt.
- Für Halter: Updates einspielen lassen und Fehlermeldungen mit Fotos dokumentieren.
- Für Käufer: Softwarestand erfragen, Schlüssel, Licht und Infotainment testen.
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Assistenten: Warner und Notbremse greifen zu oft ein
Die häufigste Kritik in Tests gilt den Warnsystemen. Der Aufmerksamkeitswarner, der den Fahrer per Kamera beobachtet, meldet sich zu oft, ist nur über mehrere Menüs abschaltbar und nach jedem Neustart wieder aktiv. Auch der Tempowarner piept häufig, teils wegen falsch erkannter Limits. Halter berichten zudem von einer Notbremse, die beim Rangieren abrupt eingreift, teils wegen eines Grasbüschels, von einem Fernlichtassistenten, der an Schildern ständig auf- und abblendet, und von grundlosen Bremsungen des Autobahnassistenten.
Reichweite und Laden: im Test 320 bis 420 Kilometer
Mit dem großen Akku verspricht Kia für den Passenger 412 Kilometer. Im ADAC-Test brauchte er 23,9 kWh auf 100 Kilometer und kam 323 Kilometer weit, in anderen Sommertests 344 bis 420 Kilometer. Im Winter messen Halter auf Strecke 21 bis 28 kWh, auf der Autobahn bleiben dann rund 250 Kilometer. Eine Wärmepumpe ist nicht überall Serie.
Am Schnelllader nennt Kia 150 kW, gemessen wurden höchstens rund 130 kW. Von 10 auf 80 Prozent dauert es etwa eine halbe Stunde, aber nur mit vorgewärmtem Akku: Ohne Vorkonditionierung lädt der PV5 schon bei 11 bis 15 Grad mit nur 60 bis 70 kW. An der Wallbox sind 11 kW möglich, bei neueren Modellen optional 22 kW.
Karosserie und Geräusche: Schiebetür scheuert, Pfeifen und Knarzen
Fast alle Tester bemängeln hartes, kratzempfindliches Plastik. Einige Halter fanden nach rund 10.000 Kilometern Lackschäden oben am Rahmen der Schiebetür, wo die Tür beim Schließen scheuert; Kia kennt das Problem nach Auskunft eines Händlers. Bei anderen klappert die Laufrolle der Schiebetür oder knarzt das Heckklappenschloss. Viele Fahrer hören zwischen 65 und 110 km/h ein hohes Pfeifen, vermutlich vom Antrieb, ab 120 km/h werden Windgeräusche deutlich.
- Für Käufer: Oben in die Öffnungen der Schiebetüren schauen und auch schneller als 100 km/h fahren.
Fahrwerk und Sicherheit: vier Sterne, lange Bremswege
Im Crashtest von Euro NCAP bekam der PV5 Passenger im Dezember 2025 nur vier Sterne. Insassen schützt er gut, Fußgänger schlechter: Die steifen Säulen neben der Windschutzscheibe gefährden den Kopf, das Becken ist kaum geschützt. Der Notbremsassistent reagierte an Kreuzungen schwach, eine Warnung vor im Auto vergessenen Kindern fehlt. Den Cargo bewertete Euro NCAP im eigenen Transporter-Programm mit fünf Sternen.
Aus 100 km/h maßen Tester Bremswege von 36,9 bis 39,2 Metern, für einen Pkw eher lang. Leer poltert die Hinterachse auf Schlaglöchern, die Karosserie wankt, die Lenkung wirkt ungenau, und bei Seitenwind muss man öfter korrigieren.
Alltag: knappe Zuladung, Wartezeit auf Teile
Im Passenger bleiben je nach Version rund 450 bis 600 Kilogramm Zuladung, mit fünf Erwachsenen und Gepäck wird das knapp. Der Cargo trägt 695 bis 800 Kilogramm. Die Anhängelast liegt je nach Version bei 750 oder 1.500 Kilogramm, prüfen Sie die Papiere. Im Fünfsitzer lässt sich die Rückbank nur umklappen, nicht verschieben.
Weil der PV5 neu ist, fehlen manchmal Teile: Im Oktober 2026 war nach einem Steinschlag keine Windschutzscheibe in Europa vorrätig, im Sommer war die Anhängerkupplung ab Werk zeitweise nicht lieferbar. Manche Händler kennen die typischen Fehler noch nicht.
Testvideo: Kia PV5
Video: ADAC auf YouTube
Ist mein Kia PV5 von einem Rückruf betroffen?
Bisher sind vier Rückrufe bekannt: Federbein, Motorhaube, Gurtschrauben und Kombiinstrument. Mit der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E) prüft jede Kia-Werkstatt, ob für Ihr Auto etwas offen ist. Die überwachten Rückrufe listet außerdem das Kraftfahrt-Bundesamt in seiner Rückrufdatenbank. Für Halter sind Rückrufe kostenlos.
Fazit: Was Fahrer loben und worauf Käufer achten sollten
Tester und Halter loben viel Platz, sparsamen Verbrauch abseits der Autobahn, den kleinen Wendekreis, die Ausstattung und den Preis deutlich unter dem VW ID. Buzz. Kia gibt sieben Jahre oder 150.000 Kilometer Garantie, auf den Akku acht Jahre oder 160.000 Kilometer. Im ADAC-Test bekam der PV5 Passenger die Note 2,6, viele Halter sind trotz Kinderkrankheiten zufrieden. Schwächen sind vier Rückrufe im ersten Produktionsjahr, Softwarefehler, übereifrige Assistenten, einfache Materialien und die knappe Zuladung.
Der PV5 ist noch neu: Die meisten Halter fahren ihn erst seit Monaten, unsere Mängeldatenbank hat noch keinen Eintrag, Pannenstatistiken und Dauertests fehlen. Wir aktualisieren den Artikel, sobald mehr bekannt ist.
Checkliste für den Gebrauchtkauf:
- Rückrufe per Fahrgestellnummer prüfen, vor allem Federbein und Motorhaube
- Softwarestand erfragen, Schlüssel, Licht und Klimaanlage testen
- Lack oben an den Öffnungen der Schiebetüren ansehen
- Reichen Zuladung und Anhängelast, ist eine Wärmepumpe an Bord?
- Probefahrt über 100 km/h: Pfeifen, Klappern, Warner
Weitere Modelle von Kia
Den Rückruf zum Kombiinstrument gibt es auch für andere Kia-Modelle, etwa den Kia EV3, den Kia EV6 und den Kia EV9. Die Schwachstellen des wichtigsten Konkurrenten zeigt unser Artikel zum VW ID. Buzz.
Quellen (Stand: 22. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, EU Safety Gate (Meldung zur Motorhaube), ADAC (Autotest) und unsere Rückruf- und Mängeldatenbank. Dazu die Crashtest-Ergebnisse von Euro NCAP, Rückrufmeldungen von ÖAMTC, gebrauchtwagenberater.de, car-recalls.eu und eauto.org.ua, Tests und Berichte von AUTO BILD, AUTO ZEITUNG, auto motor und sport, electrive, firmenauto, vision-mobility, elektroauto-news.net, Motor1, AutoScout24, Auto Express und NAF, Angaben von Kia sowie Erfahrungsberichte von PV5-Haltern aus den Foren pv5forum.de und goingelectric.de aus dem Jahr 2026 (Einzelstimmen, keine Statistik).
Fragen & Erfahrungen
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