Das Wichtigste auf einen Blick
Bekannte Schwachstellen
- Assistenten: Spurhalter und Tempolimits oft unzuverlässig
- Software: träge Bedienung, Updates nur in der Werkstatt
- 12-Volt-Batterie: leer nach Standzeit, Warnung zum Ladesystem
- Winter: schwache Heizung, Reichweite fast halbiert
- Laden: Basisversion langsamer als angegeben
- Verarbeitung: Klappern, beim XPOWER Brummen ab Tempo 100
- Bremsen hinten: Rost an den Scheiben, Ärger bei der HU
- Akku und Antrieb: guter Zustand, aber einzelne schwere Ausfälle
Der MG4 ist ein elektrischer Kompaktwagen der Marke MG, die zum chinesischen Konzern SAIC gehört, und seit Herbst 2022 auf dem Markt. Es gibt ihn als Standard, Comfort, Luxury und Extended Range mit Heckantrieb und 170 bis 245 PS sowie als Allradler XPOWER mit 435 PS, die Akkus fassen je nach Version 49 bis 74 kWh netto. Er war das erste Modell auf der Elektroplattform MSP, im Frühjahr 2026 kam ein Facelift.
Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme beim MG4 bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Dafür haben wir die Rückrufdatenbanken des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, unsere eigene Mängeldatenbank, Tests und Langzeittests der Fachpresse und Erfahrungsberichte aus Fahrerforen ausgewertet. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Fahren Sie selbst einen MG4? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.
Baureihe und Varianten des MG4
MG4 Electric, 1. Baureihe (09/2022 bis 03/2026)
- Standard: 170 PS, Akku 49 kWh netto (LFP), Heckantrieb
- Comfort und Luxury: 204 PS, Akku 59,5 kWh netto (ab 08/2025: 61,7 kWh), Heckantrieb
- Extended Range Trophy: 245 PS, Akku 74,4 kWh netto, Heckantrieb (08/2023 bis 06/2025)
- XPOWER: 435 PS, Akku 59,5 kWh netto, Allradantrieb (07/2023 bis 07/2025)
MG4 EV, Facelift (seit 03/2026)
- Premium: 190 PS, Akku 61,7 kWh netto (LFP), Heckantrieb
- Premium: 245 PS, Akku 74,4 kWh netto, Heckantrieb
- XPOWER: 435 PS, Akku 61,7 kWh netto, Allradantrieb
Assistenten: Spurhalter und Tempolimits oft unzuverlässig
Die häufigste Klage betrifft die Fahrassistenten, vor allem bei Autos der ersten Modelljahre. Der Spurhalteassistent lenkt ruppig gegen, manchmal sogar bei einem Spurwechsel mit Blinker. In Großbritannien zog er bei Testfahrten einer Verbraucherorganisation mehrmals in Richtung Gegenverkehr. MG räumte ein, dass das System zu empfindlich reagiert, und bot ein kostenloses Update an. Die Verkehrszeichenerkennung zeigt oft falsche Tempolimits, etwa 120 mitten im Ort, und der Abstandstempomat bremst schon in leichten Kurven deutlich ab. Bei einzelnen Autos fallen zeitweise sogar alle Assistenten aus.
- Für Halter: Fragen Sie in der Werkstatt nach den Updates. Viele Fahrer finden den Spurhalter danach deutlich zahmer, aber nicht alle.
- Für Käufer: Testen Sie Spurhalter und Tempomat bei der Probefahrt auf Landstraße und Autobahn. Beim Facelift von 2026 arbeiten die Assistenten nach ersten Fahrberichten deutlich zuverlässiger.
Software: träge Bedienung, Updates nur in der Werkstatt
Das Infotainment reagiert träge, die Menüs mischen teils Deutsch und Englisch, und manche Einstellungen wie den Fahrmodus vergisst das Auto beim nächsten Start. Bei einem XPOWER blieb nach dem Rückwärtsfahren der CarPlay-Bildschirm schwarz, manche Besitzer erreichen ihr Auto zeitweise nicht mehr über die App. Updates über das Mobilfunknetz hat MG wieder eingestellt. Neue Software gibt es deshalb nur in der Werkstatt, teils sogar gegen Bezahlung.
Mit dem Facelift von 2026 ist die Software spürbar schneller geworden, CarPlay und Android Auto laufen jetzt kabellos. Gut zu wissen für Gebrauchtkäufer: Für Infotainment und Assistenzsysteme gilt die Garantie nur drei Jahre oder 72.000 Kilometer.
12-Volt-Batterie: leer nach Standzeit, Warnung zum Ladesystem
Wie bei vielen Elektroautos macht die kleine 12-Volt-Batterie Ärger. Bei einigen MG4 war sie schon nach wenigen Tagen Standzeit leer, dann hilft nur der mechanische Notschlüssel. Ernster ist eine Warnung zum 12-Volt-Ladesystem während der Fahrt: Bei einem Luxury aus dem Jahr 2022 sank danach die Bordspannung, das Auto blieb liegen und musste abgeschleppt werden. Eine neue Batterie half nicht, die Werkstatt hatte den Spannungswandler im Verdacht, der die Batterie aus dem Hochvoltakku lädt.
Auch in der ADAC-Pannenstatistik 2026 ist die Starterbatterie beim MG4 der Pannenschwerpunkt. Mit 5,5 Pannen je 1.000 Autos der Erstzulassung 2023 gilt er dort zwar noch als pannenarm, ein VW ID.3 desselben Jahrgangs kam aber nur auf 0,7.
- Für Halter: Warnungen zum Bordnetz nicht aufschieben, sondern Batterie und Wandler gleich prüfen lassen.
- Für Käufer: Fragen Sie nach getauschten Batterien oder Wandlern. Die 12-Volt-Batterie zählt bei MG als Verschleißteil mit nur zwei Jahren Garantie.
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Winter: schwache Heizung, Reichweite fast halbiert
Die Klimaautomatik regelt ungenau, für 20 Grad im Innenraum muss man teils 25 bis 28 Grad einstellen. Bei Autos der ersten Jahre fiel die Heizung zudem immer wieder aus, aus den Düsen kam dann nur noch kalte Luft. Oft half es, das Auto abzuschließen und ein paar Minuten zu warten. Ein Software-Update hat den Fehler bei vielen Fahrern beseitigt, aber nicht bei allen. Die Basisversion mit 51-kWh-Akku hat keine Wärmepumpe.
Bei Kälte sinkt außerdem die Reichweite stark. Im Winter-Reichweitentest des ADAC kam ein Extended Range mit 77-kWh-Akku nur 254 statt 520 Kilometer weit und landete auf dem letzten Platz.
Laden: Basisversion langsamer als angegeben
Mit dem größeren Akku lädt der MG4 ordentlich, von 10 auf 80 Prozent in etwa 25 bis 35 Minuten. Die Basisversion mit 51-kWh-Akku enttäuscht dagegen:
- Für die ersten Autos bis zum Frühjahr 2023 gab MG am Schnelllader 117 kW an, danach nur noch 88 kW. Besitzer früher Modelle kamen kaum über 85 kW, ein Test maß im Schnitt sogar nur rund 50 kW.
- Zu Hause lädt die Basis nur über eine Phase. An einer üblichen 11-kW-Wallbox kommen deshalb nur rund 3,7 kW an.
Bei allen Versionen gibt es einzelne Ladeprobleme, etwa Abbrüche an der Wallbox. Bei einem Luxury aus dem Jahr 2023 scheiterte nach wenigen hundert Kilometern jeder Ladeversuch mit einer Fehlermeldung. Bei Frost friert außerdem gern die Ladeklappe fest.
Verarbeitung: Klappern, beim XPOWER Brummen ab Tempo 100
Die Verarbeitung ist einfach: harte Materialien, unverkleidete Türrahmen und gelegentliches Klappern auf schlechten Straßen. Besitzer kennen auch Pfeifen von losen Verkleidungen und Windgeräusche. Das Facelift von 2026 hat einen deutlich hochwertigeren Innenraum bekommen.
Beim Allradler XPOWER berichten viele Besitzer von Brummen und Vibrationen bei Autobahntempo, am stärksten zwischen etwa 100 und 120 km/h. Ein nachgerüsteter Lenkungsdämpfer beruhigt nur das Lenkrad, auch Auswuchten oder größere Reparaturen brachten oft keine dauerhafte Lösung. Einen XPOWER sollten Sie deshalb unbedingt auf der Autobahn probefahren.
Bremsen hinten: Rost an den Scheiben, Ärger bei der HU
Weil der MG4 viel über den Elektromotor verzögert, arbeiten die hinteren Bremsscheiben selten und rosten. Ein MG4 fiel nach drei Jahren und rund 94.000 Kilometern bei der ersten Hauptuntersuchung allein wegen der hinteren Scheiben durch, mehrere andere Besitzer melden ähnliche Bilder schon nach gut zwei Jahren. Das betrifft viele Elektroautos mit Scheibenbremsen hinten.
- Für Halter: Ab und zu bewusst ohne Rekuperation kräftig bremsen, etwa in Fahrstufe N, und die Scheiben bei der Inspektion prüfen lassen.
- Für Käufer: Sehen Sie sich die hinteren Bremsscheiben an. Sind sie stark verrostet, steht bald ein Tausch an.
Akku und Antrieb: guter Zustand, aber einzelne schwere Ausfälle
Der Hochvoltakku hält bisher gut, Besitzer mit 50.000 bis 66.000 Kilometern melden noch 93 bis 98 Prozent Kapazität. Daneben gibt es einzelne, aber schwere Ausfälle. Bei einem Luxury aus dem Jahr 2022 forderte das Auto auf der Autobahn zweimal zum sofortigen Anhalten auf und rollte danach nur noch. Ein Standard verlor im Sommer 2024 zweimal komplett die Leistung, einmal mitten auf einer Kreuzung. Die Werkstatt tauschte erst Teile des Akkus und dann das Batteriemanagement.
Solche Fälle sind selten, zeigen aber eine Schwäche: Diagnose und Ersatzteile dauern beim MG4 teils Wochen bis Monate, ein Auto stand wegen eines Akkufehlers mehr als 76 Tage in der Werkstatt. Dazu kommen Einzelberichte über Airbag-Warnleuchten, die nach dem Werkstattbesuch wiederkommen. Auf Auto und Hochvoltakku gibt MG 7 Jahre oder 150.000 Kilometer Garantie, wenn nach MG-Plan gewartet wird. Bei der Kapazität sichert MG in dieser Zeit mindestens 70 Prozent zu.
Testvideo: MG4
Video: ADAC auf YouTube
Ist mein MG4 von einem Rückruf betroffen?
In Deutschland gibt es für den MG4 bisher keinen Rückruf. Weder das Kraftfahrt-Bundesamt noch das EU-Warnsystem Safety Gate führen einen, auch unsere eigene Rückrufdatenbank verzeichnet keinen. In Großbritannien wurden Anfang 2023 dagegen 1.960 Autos des ersten Modelljahrs zurückgerufen: Hielt das Auto in Fahrbereitschaft an, konnte die Zentralverriegelung alle Türen sperren, dann funktionierten weder Türgriffe noch Funkschlüssel und Fensterheber. Abhilfe war ein Software-Update. Ob deutsche Autos dasselbe Update bekommen haben, ist nicht bekannt. Für die Updates des Spurhalters sah die britische Behörde dagegen keinen Rückrufgrund.
Ob für Ihr Auto ein Update oder eine Servicemaßnahme offen ist, prüft jede MG-Werkstatt anhand der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E). Die überwachten Rückrufe listet außerdem das Kraftfahrt-Bundesamt in seiner Rückrufdatenbank.
Fazit: Was Fahrer loben und worauf Käufer achten sollten
Fahrer und Tester loben das agile Fahrverhalten mit Heckantrieb, den günstigen Preis, die lange Garantie, den Platz im Fond und das schnelle Laden der Versionen mit großem Akku. Die Schwächen liegen bei Assistenten, Software und Heizung, dazu kommen eine einfache Verarbeitung und Ärger mit der 12-Volt-Batterie. In einer großen britischen Besitzerumfrage landete der MG4 2024 bei der Zuverlässigkeit unter 18 Elektroautos auf dem letzten Platz, 2025 im Mittelfeld. Für den TÜV-Report war er noch zu jung. Das Facelift von 2026 ist spürbar besser, Langzeiterfahrungen damit fehlen aber noch.
Checkliste für den Gebrauchtkauf:
- Alle Software-Updates eingespielt, vor allem für Spurhalter und Heizung?
- Probefahrt mit Heizung, Spurhalter und Tempomat, beim XPOWER auch bei 100 bis 130 km/h
- Hintere Bremsscheiben auf Rost prüfen
- Werkstattrechnungen ansehen: Gab es Warnungen zum Bordnetz oder Akku?
- Serviceheft lückenlos? Die Garantie setzt Wartung nach MG-Plan voraus
- Beim Standard: lange Ladezeiten zu Hause einplanen
Weitere Probleme bei den Schwestermodellen
Der MG4 war 2022 das erste Modell auf der Elektroplattform MSP des MG-Mutterkonzerns SAIC. Auf ihr steht auch der MG S5 EV, den MG seit 2025 als Nachfolger des ZS EV anbietet. Für ihn läuft seit Juli 2026 ein Rückruf: Bei Frost kann der Kühlerlüfter festfrieren, schaltet man dann die Heizung ein, kann ein Bauteil der Lüftersteuerung überhitzen. Den MG4 betrifft dieser Rückruf nicht. Nicht verwechseln: Der kleinere MG4 Urban ist trotz des Namens ein eigenes Modell mit Frontantrieb auf einer neuen Plattform.
Quellen (Stand: 21. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, EU Safety Gate, ADAC (Pannenstatistik 2026, Autotests 2024, Winter-Reichweitentest 2025, Fahrbericht 2026) und unsere Rückruf- und Mängeldatenbank. Dazu die britische Rückrufdatenbank, die Garantiebedingungen von MG, Tests und Langzeittests von AUTO BILD, electrive, Elektroauto-News, InsideEVs, Vision Mobility, autonotizen.de, Auto Express und What Car, die Berichte der britischen Verbraucherorganisation Which? zum Spurhalteassistenten sowie Erfahrungsberichte von MG4-Fahrern aus den Foren GoingElectric und mgevs.com aus den Jahren 2022 bis 2026 (Einzelstimmen, keine Statistik).
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