Das Wichtigste auf einen Blick
Bekannte Schwachstellen
- Bordnetz: Liegenbleiber durch 12-Volt-Batterie und Hochvolt-Schütz
- Software: schwarze Bildschirme und vergessene Einstellungen
- Klimaanlage: defekte Kompressoren, lange Wartezeit auf Teile
- Montage: lose Schrauben an Fahrwerk, Sitzen und Glasdach
- Karosserie: lose Unterbodenverkleidung, klappernde Heckklappe
- Innenraum: Hartplastik, Klappern und viel Touch
- Assistenten: grundloses Bremsen beim Rangieren
- Reichweite und Laden: Abbrüche an der Wallbox, hakende Ladeklappe
Der Ford Explorer EV ist ein 4,47 Meter langes Elektro-SUV aus Köln. Ford hat ihn 2023 vorgestellt, wegen einer neuen Batterienorm kam er aber erst im Sommer 2024 zu den Kunden. Unsere Fahrzeugdaten führen 22 Varianten mit Heckantrieb (170 bis 286 PS) oder Allradantrieb (340 PS) und Akkus mit 52 bis 79 kWh, seit 2026 gibt es die Basis mit 58-kWh-Akku aus Lithium-Eisenphosphat. Technisch steht der Explorer auf dem Elektro-Baukasten MEB von Volkswagen wie der VW ID.4, sein enger Verwandter ist das Coupé-SUV Ford Capri.
Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme beim Explorer bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Dafür haben wir die Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, unsere eigene Rückruf- und Mängeldatenbank, Tests der Fachpresse sowie Erfahrungsberichte aus Fahrerforen ausgewertet. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
Fahren Sie selbst einen Explorer? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.
Baureihe und Varianten des Ford Explorer EV
Ford Explorer EV, 1. Baureihe (seit 2024)
- Standard Range: 170 PS, Akku 52 kWh, Heckantrieb (12/2024 bis 01/2026)
- Standard Range: 190 PS, Akku 58 kWh (Lithium-Eisenphosphat), Heckantrieb (seit 01/2026)
- Extended Range RWD: 286 PS, Akku 77 kWh, seit 01/2026 79 kWh, Heckantrieb (seit 08/2024)
- Extended Range RWD mit 204 PS: Akku 79 kWh, Heckantrieb (08/2024 bis 01/2026)
- Extended Range AWD: 340 PS, Akku 79 kWh, seit 01/2026 77 kWh, Allradantrieb (seit 08/2024)
- Ausstattungen: Style, Select, Premium, Limited Edition (bis 03/2025) und Collection (seit 03/2026)
Bordnetz: Liegenbleiber durch 12-Volt-Batterie und Hochvolt-Schütz
Am häufigsten berichten Besitzer von Autos, die plötzlich nicht mehr fahren. Im März 2025 startete Ford eine Werkstattaktion (25B05): Ein Software-Update für das Ladesteuergerät soll verhindern, dass die 12-Volt-Batterie nicht mehr nachgeladen wird. Sonst können elektrische Funktionen ausfallen, im schlimmsten Fall lässt sich kein Gang mehr einlegen. Trotzdem berichten seither rund 20 Besitzer von leeren 12-Volt-Batterien, Fehlermeldungen oder Autos, die abgeschleppt werden mussten. Bei mehreren klemmte ein Schütz in der Hochvoltbatterie, teils nach dem Laden an der Wallbox. Die Reparatur dauerte dann oft Wochen, manchmal Monate, weil Teile fehlten oder nur Spezialisten programmieren durften.
- Für Halter: Prüfen lassen, ob die Aktion 25B05 erledigt ist. Ein Ersatzwagen ist meist nur für wenige Tage drin.
- Für Käufer: Nach der Werkstatthistorie fragen, vor allem nach getauschten Steuergeräten oder Hochvolt-Teilen.
Software: schwarze Bildschirme und vergessene Einstellungen
Rund 15 Besitzer erlebten, dass der große Bildschirm schwarz blieb, teils fielen auch Tacho, Kamera und Blinkerton aus. Meist half ein Neustart über die Ein-/Aus-Taste oder eine halbe Stunde Warten bei verriegeltem Auto, in einem Fall musste das zentrale Gateway-Steuergerät getauscht werden.
Seit dem Modelljahr 2026.75 (Sommer 2026) läuft eine neue Software auf Basis von Android Automotive, und damit häufen sich die Klagen. Etwa 35 Besitzer melden vergessene Klang- und Sitzeinstellungen, Starts im Gastprofil, falsche Warnungen zum Notruf und abbrechendes CarPlay oder Android Auto. Werkstätten haben meist keine Lösung und warten auf ein Update von VW. Ältere Autos bekommen dagegen nur zögerlich Updates, auf die neue Software umsteigen können sie nicht.
- Für Käufer: Modelljahr und Softwarestand erfragen, auf der Probefahrt das eigene Handy koppeln.
Klimaanlage: defekte Kompressoren, lange Wartezeit auf Teile
Rund zehn Besitzer standen mit einer Klimaanlage da, die nur noch lauwarm blies, mehrere davon mit Wärmepumpe. Die Werkstätten fanden defekte Kompressoren, Lecks, undichte Schläuche oder Ventile. Die Anlage arbeitet mit dem Kältemittel CO2, manchen Betrieben fehlten dafür Werkzeug oder Testgerät, und Kompressoren waren teils nicht lieferbar. Einige Autos standen deshalb Wochen in der Werkstatt, eines rund drei Monate. Meldet das Auto eine gestörte Klimaanlage, steckt manchmal aber nur ein defekter Sensor dahinter.
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Montage: lose Schrauben an Fahrwerk, Sitzen und Glasdach
Seit August 2025 gab es in Deutschland sechs Rückrufe, fünf davon zusammen mit dem Capri. Sie betreffen nur kleine Serien, zusammen rund 140 Autos, und fast immer geht es um Montagefehler:
- Fahrwerk: Falsch angezogene Schrauben (30 Autos, gebaut 08/2024 bis 05/2025, KBA 15851R) und Gelenke an der Hinterachse (27 Autos, 02/2025 bis 11/2025, KBA 16335R) können Lenkung, Bremse oder Radführung beeinträchtigen. Die Werkstatt zieht nach.
- Masseanschluss: Eine lockere Mutter kann Assistenten stören, im Extremfall droht ein Brand (7 Autos, 01/2025 bis 05/2025, KBA 15557R).
- Vordersitze: Die Lehne kann sich lösen (59 Autos, 08/2024 bis 09/2025, KBA 15856R).
- Gurt hinten rechts: fehlerhaft befestigt, die Werkstatt baut eine Halterung ein (9 Autos aus einer Woche im Mai 2025, KBA 15408R).
- Panoramadach: Wegen schwacher Verklebung kann sich das Glasdach lösen (7 Autos, März 2026, KBA 16921R).
Nicht verwechseln: Rückrufe zum älteren, in den USA gebauten Explorer mit Plug-in-Hybrid betreffen das Elektro-SUV nicht. Beim großen VW-Akku-Rückruf vom Oktober 2026 taucht der Explorer bisher nicht auf.
Karosserie: lose Unterbodenverkleidung, klappernde Heckklappe
Bei rund acht Besitzern löste sich auf der Autobahn die vordere Unterbodenverkleidung, teils mit Vibrationen oder Schleifgeräuschen. Ursache sind offenbar schlecht montierte Clips. Ford hat dazu im Juli 2025 eine technische Information für die Werkstätten herausgegeben (TSI 25-2313), das Teil wird ersetzt und zusätzlich verschraubt. Rund neun Besitzer klagen über eine Heckklappe, die auf kurzen Stößen poltert, vor allem bei Kälte. Auch dafür gibt es eine Werkstattanweisung (TSI 25-2138). Manche Werkstätten kannten beide nicht.
- Für Käufer: Unter die Front schauen und auf der Probefahrt auf Poltern aus dem Heck achten.
Innenraum: Hartplastik, Klappern und viel Touch
Im ADAC-Autotest fiel die Verarbeitung nur befriedigend aus: viel knarzendes Hartplastik, eine wackelige Mittelkonsole, und beim Testwagen war eine Polsterleiste am Armaturenbrett lose. In den Türfächern ohne Filz klappert, was darin liegt. Besitzer hören außerdem Klappern aus Armaturenbrett, Türen oder von den Abdeckungen der Hochtöner, die Werkstatt fand teils lose Schrauben oder tauschte Abdeckungen. Bei der Bedienung kritisieren Tester die Touchflächen am Lenkrad und die Klimaregelung, die nur unten im großen Bildschirm sitzt.
Assistenten: grundloses Bremsen beim Rangieren
Rund 14 Besitzer erlebten, dass der Explorer beim langsamen Rückwärtsfahren plötzlich bremst, obwohl kein echtes Hindernis da war, etwa an schrägen Bordsteinen, Garagenschwellen oder Hecken. Eine dauerhafte Lösung gibt es bisher nicht. Manche Fahrer halten beim Rangieren den Fuß leicht auf der Bremse. Davon abgesehen bescheinigt der ADAC den Assistenzsystemen eine ausgereifte Funktion. Bei Euro NCAP gab es 2024 fünf Sterne, für die Assistenten aber nur 72 Prozent der Punkte, vor allem wegen Notbremsassistent und Fahrerüberwachung.
Reichweite und Laden: Abbrüche an der Wallbox, hakende Ladeklappe
Im Ecotest des ADAC kam der Allradler mit 79-kWh-Akku 445 Kilometer weit (19,2 kWh auf 100 Kilometer), am Schnelllader ging es in 26 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Der Hecktriebler mit 77 kWh lädt mit höchstens rund 135 kW, im Test brauchte er 28 Minuten, auf der Autobahn reichte eine Ladung für 335 bis 385 Kilometer. Im Winter lädt der Explorer ohne vorgewärmten Akku spürbar langsamer.
An Wechselstrom lädt er mit höchstens 11 kW. Bei rund zehn Besitzern brach das AC-Laden immer wieder nach wenigen Minuten ab, mehrfach tauschte die Werkstatt Teile der Ladetechnik. Unsere Mängeldatenbank enthält zum Explorer bisher zwei Berichte, beide zur Ladeklappe: Bei einem Extended Range von 2024 ging sie bei Frost ab und zu nicht auf, behoben wurde das nicht. Bei einem zweiten blieb die Verriegelung nach 3.000 Kilometern zu, die Werkstatt reparierte kostenlos. Vereinzelt ließ sich auch der Ladestecker erst nach mehrmaligem Ver- und Entriegeln abziehen.
Testvideo: Ford Explorer EV
Video: ADAC auf YouTube
Ist mein Ford Explorer EV von einem Rückruf betroffen?
In Deutschland gab es bisher sechs Rückrufe für den Explorer EV. Mit der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E) prüft jede Ford-Werkstatt, ob für Ihr Auto ein Rückruf oder eine Werkstattaktion wie 25B05 offen ist. Die Rückrufe listet auch das Kraftfahrt-Bundesamt. Für Halter sind sie kostenlos.
Fazit: Was Fahrer loben und worauf Käufer achten sollten
Fahrer und Tester loben den Platz, die kräftigen Antriebe, die Assistenzsysteme, den niedrigen Verbrauch und das wendige Fahrverhalten, im ADAC-Autotest gab es die Note 1,9. Die Schwächen liegen bei Verarbeitung, Touch-Bedienung und Software und vor allem bei Ausfällen von Bordnetz und Klimaanlage, die manche Besitzer wochenlang warten ließen. Ford gibt nur zwei Jahre Garantie, auf den Akku acht Jahre oder 160.000 Kilometer. Pannen- und HU-Statistiken gibt es für den Explorer noch nicht, in unserer Mängeldatenbank stehen erst zwei Berichte. Wir aktualisieren den Artikel, sobald mehr bekannt ist.
Checkliste für den Gebrauchtkauf:
- Rückrufe und Werkstattaktion 25B05 erledigt?
- Werkstatthistorie: Liegenbleiber, getauschte Steuergeräte oder Hochvolt-Teile?
- Softwarestand, Bildschirme und Handy-Kopplung testen, Klimaanlage kühlt?
- Unterbodenverkleidung vorn fest, Heckklappe ruhig?
- Ladeklappe öffnen, an der Wallbox laden, Kabel wieder abziehen
Weitere Probleme bei den Schwestermodellen
Der Explorer steht auf dem Baukasten MEB von Volkswagen. Mehr dazu: VW ID.4 und Skoda Enyaq. Fünf seiner sechs Rückrufe teilt er mit dem Coupé-SUV Ford Capri.
Quellen (Stand: 22. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, ADAC (Autotest und Stromverbrauch im Test), EU Safety Gate (Meldungen zu Fahrwerksschrauben, Hinterachse, Vordersitzen, Gurt und Panoramadach) und unsere Rückruf- und Mängeldatenbank. Dazu Berichte von electrive, InsideEVs und Vision Mobility, die Ergebnisse von Euro NCAP sowie Erfahrungsberichte von Explorer-Fahrern aus den Foren explorer-electric-forum.de und goingelectric.de aus den Jahren 2024 bis 2026 (Einzelstimmen, keine Statistik).
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