Schwachstellen & Probleme des Kia EV6 | “Zombie-Modus”, Vorklimatisierung per App & weitere Schwächen | inklusive Rückrufe

Bild: Alexander MiglCC BY-SA 4.0, Link

Der Kia EV6 ist ein vollelektrisches Crossover-SUV, das mit hoher Reichweite und innovativer Ladetechnik überzeugt. Im Jahr 2022 wurde das Modell zum “Auto des Jahres” gewählt; als erstes koreanisches Auto überhaupt.

Der Südkoreaner sorgt allerdings nicht nur mit seinem modernen Design für Aufsehen.

Schon im ersten Jahr nach dem Marktstart fiel der Kia EV6 mit zwei größeren Problemen auf. Zum einen wechselte das Fahrzeug oftmals in den “Zombie-Modus”, der ein Herauskommen aus dem P-Modus unmöglich machte, zum anderen funktionierte die Vorklimatisierung per App nicht zuverlässig. Für beide Schwierigkeiten gibt es mittlerweile Lösungen.

Der Kia EV6 ist erst seit wenigen Monaten bzw. Jahren auf dem Markt. Daher konnten uns weder Prüforganisationen noch Pannendienste bei der Recherche nach den typischen Schwachstellen weiterhelfen.

Aber Sie können das! Wenn Sie Erfahrungen mit dem Elektroauto gesammelt haben, freuen wir uns über ein Kommentar am Ende des Beitrags. Sehr ans Herz legen wir Ihnen auch den ausführlichen Erfahrungsbericht eines Lesers am Ende des Artikels!

Probleme mit dem Kia EV6 (seit 2021)

Der erste Kia EV6 kam im Herbst 2021 auf den Markt, ausschließlich als reines Elektroauto mit 800-Volt-Bordnetz. Das Fahrzeug basiert auf der Electric Global Modular Platform (E-GMP) von Hyundai, die unter anderem beim Hyundai Ioniq 5 verwendet wird.

Anfangs standen drei verschiedene Motorvarianten zur Auswahl: zwei Fahrzeuge mit Heckantrieb (EV6 RWD), die je wahlweise 170 PS oder 229 PS leisteten, sowie eine Variante mit Allradantrieb (EV6 AWD) mit 325 PS.

Im September 2022 folgte mit dem EV6 GT AWD das leistungsstärkste Modell mit 585 PS. Während das kleinste Fahrzeug (170 PS) eine 58-kWh-Batterie besitzt, sind die größeren Varianten (ab 229 PS) mit dem 77,4-kWh-Akku ausgestattet.

“Zombiemodus”: Auto bleibt in “P” hängen

Ein Problem, von dem mehrere Autobesitzer berichten, ist das “Hängenbleiben” im P-Modus, also im Parkmodus. Dann lässt sich das Fahrzeug möglicherweise nicht mehr starten und vor allem nicht fortbewegen.

Dabei handelt es sich um den sogenannten “Zombiemodus”, der sich offenbar aktiviert, wenn zweimal hintereinander der Startknopf gedrückt wird. Es gibt eine Möglichkeit, das Fahrzeug in vier Schritten wieder aus diesem Modus herauszuholen.

  1. Parkmodus drücken
  2. Fahrzeug ausschalten
  3. einige Sekunden warten
  4. Bremse drücken & Startknopf (1x) drücken

In den meisten Fällen hilft dieses Vorgehen, doch selten bleiben die Probleme bestehen. Dann hilft es, das Auto noch einmal abzuschließen und zehn Minuten zu warten. Auch das kurze Abklemmen der Batterie ist möglich. Insbesondere unter Zeitdruck ist diese Notwendigkeit sehr ärgerlich.

Allerdings gibt es eine gute Nachricht: Mittlerweile hat Kia den “Zombie-Modus” durch ein Softwareupdate abgeschafft.

Ärger um die Vorklimatisierung per App

Eigentlich ermöglicht der Kia EV6 seinen Besitzern, das Auto über die zugehörige Handy-App zu klimatisieren, damit beim Losfahren bereits angenehme Temperaturen im Innenraum vorherrschen.

Allerdings erreichen uns zahlreiche Nachrichten, dass diese Vorklimatisierung nicht möglich ist. Eine eindeutige Ursache scheint es nicht zu geben, viel mehr gibt es mehrere Gründe für die Schwierigkeiten.

Zum einen scheint die Vorklimatisierung nur möglich, wenn das Fahrzeug zum Laden angeschlossen ist. Andernfalls scheint sich die Klimatisierung nach 15 Minuten wieder abzuschalten, um Energie zu sparen.

Bei einigen Autofahrern gab es zudem Probleme mit der Software sowie einer defekten Wärmepumpe bzw. einem fehlerhaften Heizstab.

Ein Softwareupdate soll jedoch helfen.

Das sagen Besitzer zum Kia EV6

Wir haben die ersten Besitzer des neuen Kia EV6 zu ihren Erfahrungen befragt. Während einige Leser*innen der CarWiki-Community mit ihrem Fahrzeug zufrieden sind, haben andere Autofahrer diverse Kritikpunkte zu bemängeln.

Die Kompressorgeräusche im Innenraum sind offenbar sehr laut, was den Fahrkomfort trübt.

Die Scheiben beschlagen beim Kia EV6 sehr häufig, die automatischen Scheinwerfer gehen bei Starkregen nicht an und die Bremsen rosten nach einem Regenschauer offenbar gerne fest, was Probleme beim ersten Anfahren bereitet.

Bei wenigen Ladesäulen gibt es Probleme mit der Kommunikation, die einen zuverlässigen Ladevorgang verhindert.

Rückrufe: Feststellbremse ohne Funktion

Der Kia EV6 wurde bereits kurz nach seinem Marktstart zum ersten Mal in die Werkstätten gerufen, wie die Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamt verrät. Knapp 4.000 Fahrzeuge, also fast alle Modelle mit Baujahr bis Mai 2022, waren von einem Problem mit der Feststellbremse betroffen.

Die vorübergehende Unterbrechung des Parkmechanismus konnte zum Wegrollen des Fahrzeugs führen. Eine Softwareaktualisierung der elektrischen Schaltkontrolleinheit (SCU) löste den Fehler.

Typische Schwachstellen des Kia EV6 im Blick

  • selbstständiger Wechsel in den “Zombiemodus”
  • keine Vorklimatisierung per App möglich
  • schnelles, starkes Beschlagen der Scheiben
  • Geräusche im Innenraum
  • teilweise komplizierte Bedienung einiger Funktionen

 

Update November 2022: Erfahrungsbericht eines Lesers

Wir haben seit Mai 2022 (Bestellung im Ende September 21) einen KIA EV6 AWD 77,4 kWh mit allen Packs vorzugsweise vom Schweizer Importeur bekommen können, lediglich ohne Meridian-Soundsystem (wegen Hund und Subwoofer im Kofferraum) sowie dem etwas unnützen (wir hatten beim Peugeot 3008 Hybrid4 ein großes Glasdach) Glasschiebedach.

Nach vielen Premium Autos (Austin Healey 3000, Jaguar E-Type, Citroen SM/Pallas, Alfa-Romeo Montreal, Pontiac, Matra Bagheera, einige Mercedes-Benz von A bis S, BMW 5er – als die noch schön waren) und 54 Jahren Fahrpraxis ist der KIA eine neue Definition von Luxus bzw. Premium Automobil.

Ich bin zwar nur 1.73 groß und finde eine perfekte Sitzposition, aber mein Geschäftspartner misst 1.90 und beklagt höchstens, dass er etwas nah am Dach sitzt oder die Sonnenblende etwas stört, mit dem Sitz ganz unten ist das aber auch für ihn okay.

Sämtliche Displays sind gut integriert und hängen nicht irgendwie aufgesetzt herum, wie bei BMW u.a. oder spiegeln bei Sonnenlicht so gefährlich, dass ein sicheres Fahren unmöglich wird. Ein Auto wird ja auch gelegentlich staubig, wir gehen mit dem Hund zur Jagd, und muss dann auch bequem gereinigt werden können.

Da ist also alles gut durchdacht und leicht sauber zu halten, den Touch-Screen, mit einem Mikrofaser-Tuch, wenn überhaupt.

Einige Hersteller machen da zu viel des Guten für meinen Geschmack und dann wirkt alles etwas aufgesetzt, hier liegt alles perfekt im Sicht- und Griff-Feld. KIA betont aber auch die Verwendung von Recycling-Material und schafft damit einen überzeugenden, eigenen Stil, der sich von Tesla und anderen grundlegend unterscheidet und dennoch wertig wirkt.

Wer noch mehr davon braucht, der kann sich aber bei Genesis etwas mehr Bayern-Barock oder Rolls-Royce ins Auto holen. Wir haben zudem fast alle Funktionen redundant und jeder kann somit seine Präferenzen der Bedienung ohne langes Suchen in komplexen Menüs und auf fettigen, schmutzigen Displays finden – einfach genial auch im Vergleich zu EQE, BMW oder Volkswagen-Produkten (Audi, VW, Skoda).

Wir haben sogar einen Frunk für 5-Meter-Ladekabel sowie den V-2-L-Stecker, mit dem bis zu 3’600 Watt/220 Volt abgegeben werden können und natürlich auch eine 220 Volt-Steckdose im Auto selbst und jede Menge USB-Anschlüsse, damit die Vertreter der iPhone-Welt auch noch glücklich werden.

Kritikpunkt an KIA: Warum macht Ihr eine induktive Ladeschale fürs Telefon, das man dann trotzdem wenig hübsch mit einem Kabel für Apple Car-Play verbinden muss und warum geht das nicht per Bluetooth, wie zum normalen Telefonieren oder Musik streamen? Im Gegensatz zu den übrigen Kritiken können wir nicht verstehen, warum das Matrix-Licht nicht korrekt funktionieren sollte.

Bei uns tut es das nämlich zweifelsfrei und absolut zuverlässig – scheint also ebenfalls laufende Verbesserungen in der Serie zu geben. Leider haben wir kürzlich bei 5° Außentemperatur erstmals das Beschlagen der Scheiben erlebt, weil das System ja automatisch vor Tunnels in Umluftbetrieb für unseren Komfort geht; das müssen wir noch klären, warum das passieren kann.

Daneben schlagen wir aber eigentlich jeden aktuellen Wagen in der Ladeleistung mit dem 800 Volt-System inkl. Porsche Taycan und EQS, vielleicht außer Tesla, sowie auch bei den Verbrauchswerten. 7’500 km mit nunmehr 16,4 kWh Schnitt inkl. Ladeverlusten. Einer meiner Golf-Freunde und Geschäftspartner hat mit ähnlichem Fahrprofil den EQE 350+ und braucht schon bei gutem Wetter locker 22,5 kWh für im Prinzip weniger Auto. Bei aktueller Kälte kommt er sogar locker auf 24,5 kWh.

Bei 30° Außentemperatur sind da zudem nicht wie bei mir schnell und leise 21° Innen möglich, da läuft ein lautstarkes ,Premium,-Gebläse auf der ganzen Strecke mit – toll!

Der Trick vom geringen Verbrauch ist (neben Wärmepumpe) schon aus Öko-Fahrkursen bekannt, vorausschauendes Fahren und einen sanften Stromfluss, was bei gemessenen 333 PS (325) und 608 Nm (605) dennoch ein zügiges Vorankommen ermöglicht und das bei absoluter Stille im Wagen – dies ist der Luxus von heute; RUHE!

Die mechanisch-adaptiven Stoßdämpfer sind dem EQE-Luftfedersystem übrigens mehr als ebenbürtig auf exakt der gleichen Teststrecke, sie stammen nämlich von ZF Sachs und werden bisher in Serie nur bei Mercedes-AMG und Maserati verbaut. Tester schreiben da manchmal etwas Schwachsinniges, nur um die Qualität nicht zugeben zu müssen oder eben im Sinne der Auftraggeber des Tests.

Auch lenkungstechnisch ist das Auto Spitze, denn es fühlt sich auf engen und kurvigen Passstraßen in unserem engen Kanton Glarus wie eine Klasse tiefer an und hält locker mit M-Produkten von BMW mit, der kleine EQE 350+ mit Hinterradlenkung, Luftfederung und nur Hinterradantrieb hat da keine Chance.

Der Mercedes ist zudem in der Mittellage ziemlich schwammig, was auf den Kia nicht zutrifft. Aber leider hinkt der Vergleich gewaltig, denn ausstattungsbereinigt und mit AWD kommt der Mercedes bei uns locker auf 157’000 CHF, unser Kia liegt brutto bei 68’500 CHF inkl. allem und 4 LM-Winterfelgen der Marke.

Präzises Einlenken und alles ohne Reifenquietschen, wie auf Schienen eben und für über 2,1 Tonnen verdammt schnell. Der kommende GT ist also nur etwas für Fahrer mit entsprechender Ausbildung und sonst gefährlich, wie ein Ferrari, Lamborghini, Porsche 911 GT oder McLaren.

Das normale Verhalten ist wie bei früheren BMWs eher Hecklastig und der AWD verhindert sowohl über- als auch untersteuern. Ich höre immer wieder, dass der AWD so viel mehr verbrauchen soll, dabei wird jedoch der Motor vorn besonders im ECO-Mode bei nicht Gebrauch mechanisch entkoppelt und das Mehrgewicht macht gar nicht so viel aus.

Natürlich kann ich den Verbrauch auch locker hochdrücken, was bei Testfahrten passiert, welche die Spitzenwerte ermitteln wollen, doch so fährt kein normaler Mensch, der entspannt am Ziel ankommen will.

Natürlich kann ich auch mal von 0-100 km/h in 5 Sekunden (Werksangabe 5,2) spurten oder schnell mal GPS-gemessene 190 km/h (Werksangabe 185) fahren, doch auf heutigen Autobahnen ist das kein Spaß mehr und warum soll ich Nachts herum rasen für nichts oder ein paar Minuten, sowas machen wir locker beim Schnell-Laden wett, wo die Zeit kaum für Kaffee und Kuchen reicht.

Das Eingreifen des ESP erfolgt auf kurvigen Strecken eher subtil und eigentlich unmerklich. Haben nur 19″-Räder, was völlig ausreichend ist und ich würde sogar von größeren 20″ abraten, es bringt wirklich nichts und reduziert Fahrkomfort und Reichweite. Jedenfalls kann ich bisher nicht eine einzige, echte Macke ausmachen.

Übrigens laden wir zu Hause und im Büro mit gemütlichen 11 kWh bis zu 80% im Normalfall, nur für weite Strecken gehen wir bis 100% und klimatisieren den Wagen. (Gemäß Händler sind das sowieso nur 90%, wir vermeiden es im Normalfall trotzdem).

Unsere Reisestrategie ist eine andere, sogar altersgemäße geworden, denn wir suchen uns im 500 km-Umkreis Hotels und hübsche Gasthäuser mit 11 kWh-Lader und lernen so erstmals unser Land und das umliegende Ausland von einer ganz anderen Seite kennen. Wir sehen Dinge, die wir früher nicht einmal kannten und wir verlassen nun öfter die Autobahn, nicht nur bei immer mehr Stau.

Sönke Brederlow

Journalist/Ingenieur/Rennfahrer

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