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Polestar 3

Polestar 3: Probleme, Rückrufe und Erfahrungen der Fahrer

Von der CarWiki-Redaktion

Das Wichtigste auf einen Blick

Der Polestar 3 ist das große Elektro-SUV von Polestar, 4,90 Meter lang mit fünf Sitzen, seit 2024 auf dem Markt. Bis zum Modelljahr 2025 gab es ihn mit Heckantrieb (299 PS) oder Allrad (489 oder 517 PS) und 111-kWh-Akku, seit 2026 mit 800-Volt-Technik als Rear Motor (333 PS, 92 kWh), Dual Motor (544 PS) oder Performance (680 PS, je 106 kWh). Er steht wie der Volvo EX90 auf der Plattform SPA2 von Volvo.

Im Folgenden prüfen wir, welche Probleme beim Polestar 3 bekannt sind und worauf Käufer achten sollten. Dafür haben wir die Rückrufe des Kraftfahrt-Bundesamts und der EU, unsere eigene Rückruf- und Mängeldatenbank, Tests der Fachpresse sowie Erfahrungsberichte von Fahrern ausgewertet. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.

Fahren Sie selbst einen Polestar 3? Dann schreiben Sie Ihre Erfahrungen gern in die Kommentare, wir ergänzen den Artikel laufend.


Baureihe und Varianten des Polestar 3

Polestar 3, 1. Baureihe (seit 2024)

  • Long Range Single Motor: 299 PS, Akku 111 kWh (brutto), Heckantrieb (bis 05/2026)
  • Long Range Dual Motor: 489 PS, auch mit Performance Paket 517 PS, Akku 111 kWh, Allradantrieb (bis 05/2026)
  • Seit 2026 mit 800 Volt: Rear Motor (333 PS, 92 kWh), Dual Motor (544 PS, 106 kWh) und Performance (680 PS, 106 kWh)

Software: holpriger Start, Updates bringen vieles, nicht alles

Der Start des Polestar 3 verschob sich zusammen mit dem Volvo EX90 um Monate, weil die Software mehr Zeit brauchte. In den ersten Wochen nach der Auslieferung im September 2024 berichteten Fahrer von schwarzen Displays, Fehlermeldungen der Assistenten und einem fehlenden Parkassistenten. Ein Tester aus den USA schreibt, es habe über ein Jahr gedauert, bis die Software verlässlich lief.

Kleinere Fehler bleiben: Ein Langzeittester berichtete im März 2026, der Wagen habe den Schlüssel nicht mehr erkannt, CarPlay habe sich nicht verbunden und Display und Instrumente seien ausgefallen. Ein Update per Funk behob das. Updates bringen allerdings auch neue Fehler. Nach Version 3.0.34 vom September 2026 meldeten Halter Probleme mit dem Schlüssel, die mit 3.0.35 im Oktober wieder verschwanden. Bei einem Halter lässt sich die Tempolimit-Warnung nicht abschalten.

  • Für Käufer: Nach dem Softwarestand fragen und bei der Probefahrt Bildschirme, Telefonverbindung und Schlüsselkarte ausprobieren.

Zentralrechner: kostenloser Tausch auf den neuen Chip

Polestar baut in alle bestehenden Polestar 3 kostenlos den Rechner des Modelljahrs 2026 ein. Der bisherige Nvidia-Chip Xavier schafft 30 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde, der neue Orin 254. Der Tausch sollte Anfang 2026 beginnen, die Werkstatt erledigt ihn, Polestar meldet sich bei den Kunden. Ein Halter mit einem Auto von 2024 berichtet, dass nach dem Tausch zunächst Softwarefehler auftraten, die mit den aktuellen Updates behoben scheinen.

  • Für Käufer: Bei einem Polestar 3 bis Modelljahr 2025 nachfragen, ob der Rechner getauscht wurde, und sich den Tausch in der Werkstatthistorie zeigen lassen.

Laden zu Hause: Bordlader fällt bei einzelnen Autos aus

Drei Halter berichten von einem ausgefallenen Bordlader für Wechselstrom, bei einem steht die Diagnose noch aus. Dann lädt der Wagen nicht mehr an der Wallbox, am Schnelllader schon. Einer stand damit im Urlaub: Polestar bot einen Werkstatttermin knapp zwei Wochen später und stellte einen Leihwagen. Ein weiterer Halter beobachtete, dass sein Auto beim Laden mit 11 kW nach einigen Stunden auf eine Phase zurückschaltete, ein Neustart des Ladevorgangs half. Mehr als 11 kW sind zu Hause nicht möglich.

  • Für Halter: Ladefehler früh melden und dokumentieren lassen, welche Teile getauscht wurden.
  • Für Käufer: Laden an einer Wallbox ausprobieren und nach einem getauschten Bordlader fragen.
 

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Schlüssel, Türen, Reifendruck: Einzelfehler, oft per Update

Im Oktober 2026 ließ sich bei vier Haltern die Fahrertür plötzlich nicht mehr öffnen. Bei zwei Autos verschwand der Fehler nach einem Tag von selbst, bei einem wurde das Türschloss getauscht. Die Meldung „Fehler Reifendrucksystem“ sahen zwei Halter im Sommer 2026 immer wieder, nach dem Update 3.0.35 seien die Meldungen bei einem Halter verschwunden. Schon 2024 fiel bei mindestens drei Haltern nach dem Wechsel auf Winterräder die Reifendruckkontrolle aus, eine Werkstatt musste die Sensoren mit Spezialwerkzeug anlernen.

  • Für Halter: Räderwechsel am besten beim Servicepartner machen lassen.

Steckverbinder im Kabelbaum: Feuchtigkeit kann Systeme stören

Das Kraftfahrt-Bundesamt kennt für den Polestar 3 einen Rückruf (KBA 15332R, Polestar-Code RP1063, August 2025). In das Gehäuse eines Steckers im Kabelbaum kann Feuchtigkeit eindringen und die Kontaktstifte korrodieren lassen. Dann kann sich die Feststellbremse nicht lösen, der Wagen nicht starten oder die Servolenkung ausfallen, auch Warnmeldungen sind möglich. Betroffen sind 498 Autos in Deutschland und 9.966 weltweit, gebaut zwischen 2023 und 2025 (die Quellen nennen unterschiedliche Zeiträume). Die Werkstatt tauscht den Kabelbaum im Stoßfänger und die Steckverbinder im Motorraum, in Österreich sind dafür bis zu sieben Stunden angesetzt.

  • Für Käufer: Beim Gebrauchtkauf nachweisen lassen, dass die Maßnahme erledigt ist.

Reichweite und Laden: im Alltag 20 bis 22 kWh, Autobahn mehr

Tests nennen im Mittel rund 22 kWh auf 100 Kilometer und etwa 500 Kilometer Praxisreichweite. Auf der Autobahn waren es im Test 26,6 kWh, im Winter nennen zwei Halter bei 130 km/h 29 bis 32 kWh. Ein Halter kam im Winter nur 320 bis 330 Kilometer weit. Bis zum Modelljahr 2025 lädt der Polestar 3 mit höchstens 250 kW, in der Praxis kamen im Test 170 bis 200 kW an. Ein Halter berichtet, ohne vorgewärmten Akku sei die Leistung bei 3 bis 8 Grad deutlich niedriger. Mit 800 Volt lädt er seit 2026 mit bis zu 350 kW, im Test erreichte er knapp 370 kW und kam in 26 Minuten von 3 auf 80 Prozent.

  • Für Käufer: Auf das Modelljahr achten, ab 2026 gebaute Polestar 3 haben 800 Volt.

Assistenten und Bedienung: Tempolimit, Sprache, Touchscreen

Beim Euro-NCAP-Test bekam der Polestar 3 2025 fünf Sterne, mit 93 Prozent beim Kinderschutz. Im Alltag melden Halter unzuverlässige Tempolimit-Erkennung und Fehlalarme der Innenraumüberwachung, ein Test bemängelt Spurwechsel, die bei zaghaftem Lenkimpuls abbrechen. Die Sprachsteuerung führte im Test nur drei von sechs Befehlen aus. Fast alles läuft über den großen Touchscreen, Lenkradverstellung und Handschuhfach liegen in Untermenüs, dazu kommt viel glänzender Kunststoff, der Fingerabdrücke zeigt.

Werkstatt und Service: lange Standzeiten, Streit um Zuständigkeit

Mehrere Halter ärgern sich weniger über einzelne Fehler als über die Abwicklung. Halter berichten, dass sich Polestar, Servicepartner und Pannendienst die Verantwortung zuschieben, einer wartete über vier Wochen auf ein Stoßfängerteil. Ein Leasingnehmer, dessen Auto seit November 2024 mehrfach ausfiel, unter anderem wegen der 12-Volt-Batterie, der Lenkunterstützung und des Lichts, einigte sich im September 2026 auf eine Rückabwicklung, zahlte aber ein Nutzungsentgelt. Ein anderer bekam auf Wandlungsversuche keine akzeptable Antwort. Dagegen stehen Halter, die mit ihrem Auto und einem guten Servicepartner zufrieden sind.

  • Für Käufer: Vor dem Kauf einen Servicepartner in der Nähe prüfen und nach Leihwagen und Wartezeiten bei Ersatzteilen fragen.

Testvideo: Polestar 3

Video: ADAC auf YouTube

Ist mein Polestar 3 von einem Rückruf betroffen?

In Deutschland gibt es bisher einen Rückruf, zu den Steckverbindern im Kabelbaum. Eine EU-Meldung vom September 2025 zur Befestigung des vorderen Haubenflügels nennt nur ein einzelnes Fahrzeug, Deutschland gehört nicht zu den beteiligten Ländern. In den USA gab es kleinere Rückrufe, etwa zum Panoramadach (19 Autos) und zur Stoßfängerbefestigung (68 Autos), die in den deutschen Listen nicht auftauchen. Mit der Fahrgestellnummer (Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld E) prüft jeder Polestar-Servicepartner, ob für Ihr Auto eine Maßnahme offen ist. Die Rückrufe listet auch das Kraftfahrt-Bundesamt.

Fazit: Was Fahrer loben und worauf Käufer achten sollten

Fahrer loben Fahrwerk, Komfort, Luftfederung, Geräuschdämmung und den Klang. Die Probleme liegen vor allem bei Software, Bordlader und Service, vor allem in den Berichten zu Autos von 2024 und 2025. Vieles wurde mit Updates und dem neuen Rechner besser. Für den Akku gelten acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie. Pannen- und HU-Statistiken gibt es noch nicht, in unserer Mängeldatenbank liegen keine Berichte vor. Die Erfahrungsberichte stammen von wenigen Haltern, eine Statistik ist das nicht. Wir aktualisieren den Artikel, sobald mehr bekannt ist.

Checkliste für den Gebrauchtkauf:

  • Rückruf zu den Steckverbindern erledigt?
  • Zentralrechner getauscht? Software aktuell?
  • Laden an der Wallbox testen, nach getauschtem Bordlader fragen
  • Schlüssel, Telefon-Schlüssel, Türen und alle Bildschirme mehrfach ausprobieren
  • Werkstatthistorie ansehen: lange Standzeiten, wiederholte Fehler
  • 400 oder 800 Volt (Schnellladen)?

Weitere Probleme bei den Schwestermodellen

Die Plattform SPA2 teilt sich der Polestar 3 mit dem Volvo EX90. Beide Modelle verschoben ihren Start wegen der Software. Die Rückrufe des EX90 zu Licht und Heckklappe nennt die Behörde nicht für den Polestar 3, wir übertragen sie deshalb nicht. Die Probleme des EX90 zeigt unser Artikel zum Volvo EX90, die des kleineren Elektro-Volvos der Artikel zum Volvo EX30. Der Polestar 4 steht auf einer anderen Plattform, seine Probleme zeigt der Artikel zum Polestar 4.

Quellen (Stand: 30. Oktober 2026): Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, EU Safety Gate (Meldungen zu Steckverbindern und Haubenflügel) und unsere Rückruf- und Mängeldatenbank. Dazu Mitteilungen von Polestar, Berichte von electrive, ecomento, Elektroauto-News, inside digital, mobiflip, carwow, InsideEVs und KBB, Rückrufdaten des ÖAMTC, die Ergebnisse von Euro NCAP sowie Erfahrungsberichte von Polestar-3-Fahrern aus dem deutschsprachigen Polestar Club aus den Jahren 2024 bis 2026 (Einzelstimmen, keine Statistik).

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