Bekannte Probleme, Kosten & Lösungen der Mercedes-Automatikgetriebe (7G & 9G-TRONIC, DCT) – inklusiv AMG Speedshift

Schnittmodell durch ein modernes 9G-TRONIC Mercedes-Benz Getriebe – Bild Thilo PargEigenes Werk , CC BY-SA 4.0, Link

Seit der ersten Dreigang-Wandlerautomatik von Borg-Warner im Typ 300 C hat sich im Bereich der Automatikgetriebe bei Mercedes-Benz so einiges getan. So gab es in den 90er Jahren beispielsweise die NAG (Neuen Automatik Getriebe) oder auch das FAG (Front Automatik Getriebe), die dann vom stufenlosen CVT abgelöst wurden.

Seit 2003 schaltet auch die 7G-TRONIC, die für ein Drehmoment von bis zu 700 Newtonmetern ausgelegt ist in zahlreichen Mercedes-Benz Fahrzeugen zwischen den Gängen hin und her. Bei der Performance Tochter AMG hingegen findet sich das leistungsstarke AMG SPEEDSHIFT MCT-Sportgetriebe.

Auch das 7G-DCT, welches 2011 eingeführt wurde, sowie die 9G-TRONIC (seit 2013) führen den technologischen Wandel bei Daimler fort.

Wir nehmen nachfolgend alle neueren Mercedes Automatikgetriebe genau unter die Lupe, gehen auf die schlimmsten Probleme ein und führen Lösungen sowie Kosten der Reparaturen und Tipps zur Vorbeugung an.

Probleme an der 7G-Tronic Automatik (Baureihe W7A) – inkl. Kosten

Bei der 7G-Tronic handelt es sich um eine herkömmliche Automatik mit Drehmomentwandler, die als erste ihrer Art mit 7 Fahrstufen ausgestattet war.

Dieses Getriebe ersetzt die veraltete Mercedes 5-Gang Automatik und wird bei den größeren Mercedes Modellen mit Heck- bzw. Allradantrieb verbaut – es gilt als das typische Mercedes-Automatikgetriebe.

Dabei handelt es sich um eine ausgereifte und ziemlich robuste Konstruktion. Verbaut primär zwischen 2003 und 2017 sowie immer wieder verbessert und überarbeitet, ist die 7G-Tronic in den Fahrzeugen der C, E und S-Klasse sowie bei diversen SUV Modellen anzutreffen.

Je nach Motordrehmoment ist die Version W7A 700 (bis 700 Nm) oder das W7A 400 (bis 400 Nm) verbaut.

Im Vergleich mit dem Vorgänger ist die 7G-Tronic wirtschaftlicher und dank des Getriebegehäuses aus Magnesium auch leichter. Die Automatik kann beim Herunterschalten Gänge überspringen und besitzt eine Drehmomentwandler-Überbrückung bei allen sieben Gängen. Die Getriebesteuerung erfolgt vollelektronisch, es sind keine Klemmkupplungen oder Bänder verbaut.

Grundsätzlich ist die 7G-Tronic eine langlebige Wandler-Automatik. Aber wie bei jedem technischen Bauteil können Probleme auftreten.

Bekannt sind harte, ruckhafte Schaltvorgänge besonders bei den Gängen 2, 3 und 4, vor allem im Volllast (Kick Down) Betrieb. Das ist unangenehm, aber nicht gefährlich.

Unter Umständen kann eine neues Aufsetzten der Software diese Fehler beseitigen oder zumindest mindern.

Auch sollte der Getriebeölstand kontrolliert und wenn notwendig berichtigt werden. Dazu kommt bei alten Getrieben noch der generelle Verschleiß beim Wandler, der Platine und den Ventilen nach hohen Laufleistungen.

In vielen Fällen können eine Getriebespülung und eine Neubefüllung mit frischen Getriebeöl eine deutliche Verbesserung der Beschwerden beim Schalten bringen (Kosten im Bereich von 600 Euro). Im Extremfall müssen Teile im Getriebe getauscht bzw. ein überholtes Getriebe eingebaut werden.

Eine Reparatur, für die man jedenfalls mit höheren vierstellige Eurobeträgen rechnen muss.

Probleme an der 9G-TRONIC Automatik (Baureihe W9A) – inkl. Kosten

Die 9G-Tronic ist eine Weiterentwicklung der 7G-Tronic. Wie die Bezeichnung schon verrät, ist diese Automatik nun mit 9 Gängen ausgestattet und kann ein Drehmoment bis zu 700 Nm aushalten.

Wie bei der 7G-Tronic wird auch hier ein Drehmomentwandler als Anfahrelement eingesetzt. Die unterschiedlichen Übersetzungsverhältnisse bzw. Gänge ergeben sich, wie bei einer Wandlerautomatik üblich, durch eine Kombination von verschiedenen Planetengetrieben. Die Getriebesteuerung erfolgt vollelektronisch.

Bis jetzt ist dieses neueste Mercedes Automatik Getriebe für keine großen Probleme bekannt. Wie beim Vorgänger kann Schaltrucken und ein verzögertes Ansprechen auf Befehle für einen gewissen Komfortverlust sorgen. Daher ist, wie auch bei den anderen Automatik Getrieben, eine regelmäßige Wartung die wichtigste Vorsorge für ein einwandfreies Schaltgefühl. Diese sollte alle 80.000 Kilometer bzw. spätestens nach 5 Jahren durchgeführt werden.

Der Hauptgrund für Schaltprobleme bei der 9G-Tronic sind wieder Verschmutzungen im Getriebeinneren. Im Lauf der Jahre entsteht nichtmagnetischer Lamellenabrieb (feiner Staub) der das Getriebeöl verschmutzt. Zwar wird ein Teil davon durch den Ölfilter ausgesondert, trotzdem wird das Öl zunehmend schmutziger.

Feinster Metallabrieb, der ebenfalls entsteht, kann dagegen mit einem Magneten gebunden werden. Nicht nur durch der Abrieb, auch durch die permanente Abnützung wird das Getriebeöl immer schlechter.

Dadurch kann die Haftung zwischen den einzelnen Lamellen abnehmen, korrekte Schaltvorgänge sind dann nicht mehr möglich. Dies ist eigentlich schon ein Zeichen dafür, dass die Wartung der 9G-Tronic längst überfällig ist.

Eine fachmännisch durchgeführte Getriebespülung, ein Filterwechsel und eine Neubefüllung mit dem korrekten Getriebeöl wird mit größter Wahrscheinlichkeit Abhilfe bringen.

Hier ist darauf zu achten, dass der Fachbetrieb die von Mercedes vorgegebene Service- und Diagnosegeräte besitzt, ohne die eine einwandfreie Wartung kaum möglich ist. Auch sollte immer ein Original-Mercedes Getriebeöl eingefüllt werden, da der Einsatz von Produkten aus dem Zubehör erfahrungsgemäß nicht immer (obwohl freigegeben) zum Erfolg führt.

Mit Kosten von durchschnittlich 700 Euro muss für eine Getriebewartung an der 9G-TRONIC gerechnet werden. Das klingt zuerst einmal nach viel, relativiert sich über einem Zeitraum von 5 Jahren aber wieder.

Mit einem Getriebeservice sollten alle Probleme behoben sein. Ist das nicht der Fall, kann es mit einem Software-Update versucht werden. Im Extremfall sind Bauteile im Getriebe zerstört, wodurch ein Getriebetausch notwendig wird, der extrem teurer ist (im 5-stelligem Euro-Bereich).

Probleme & Kosten der DCT (7 und 8 Gang) Getriebe (Baureihe 724)

Ende 2011 wurde die 7G-DCT Automatik der Baureihe 724 am Markt eingeführt und ersetzte damit seinen Vorgänger, das Autotronic CVT Getriebe. Der Unterschied ist bemerkenswert, handelt es sich bei der 7G-TRONIC doch um ein Doppelkupplungsgetriebe modernster Bauart, welches dank der ununterbrochenen Zugkraft ein sportliches und trotzdem wirtschaftliches Fahren ermöglicht.

Seit Anfang 2020 ist eine neue 8G-DCT Version erhältlich, die 8 Gänge bietet. Ab 2018 wurde auch der Zulieferer Getrag involviert, der die zusammen mit Mercedes entwickelte DCT Versionen fertigt und an Mercedes liefert.

Wie bei allen Doppelkupplungsgetrieben besteht die Funktionsweise des DCT darin, dass beim Fahren immer eines der Teilgetriebe mitläuft während das zweite bleibt frei, wodurch hier der nächste Gang vorbereitet werden kann. Zwei Ölpumpen sorgen für die Schmierung des DCT Getriebes, ein voll integriertes Hydrauliksteuergerät sorgt für die Schaltvorgänge.

Zum Einsatz kommen die DCT Getriebe bei allen Mercedes Fahrzeugen, die auf der derzeitigen Kompaktklasse-Plattform NGCC (New Generation Plattform) mit quer eingebautem Motor und Front- bzw. Allradantrieb stehen. Dazu gehören A-Klasse (W176), B-Klasse (W-246) und die Baureihen CLA (Typ 177) sowie GLA (Typ X156).

Leider gab und gibt es bei allen DCT Getrieben diverse Probleme, die bis heute nicht komplett behoben werden konnten.

Während viele Fahrer sehr zufrieden mit Ihrem DCT Getriebe sind, klagen andere über ruppige Schaltvorgänge, hart schnalzendes Einkuppeln sowie verzögerte Beschleunigungsvorgänge. Auch von ruckelnden und schlagenden Geräuschen aus dem Getriebe sowie dem Ignorieren von manuellen Schaltvorgängen wird vermehrt berichtet.

Als Lösung dafür bietet sich oft ein Software-Update an. Hilft das nichts, kann auch eine Getriebespülung zum Erfolg führen. Die Kosten von rund 600 Euro übernimmt im Regelfall Mercedes im Rahmen der Kulanz.

Seit Herbst 2020 kündigt sich übrigens einen Rückruf von Mercedes an, da bei etlichen in letzter Zeit verbauten DCT Getrieben der Ölstand zu niedrig sein kann und dadurch Probleme bei der Beschleunigung auftreten sowie die Gefahr eines Getriebeschadens gegeben ist.

Als letzte Möglichkeit (diese wird oft angewendet) kommt nur ein Tausch der DCT Automatik infrage. Bei einem lückenlosen Servicebuch ist das bei Mercedes auf Garantie bzw. Kulanz zumeist ohne große Kosten möglich.

Eine Gewähr dafür, dass nun mit der Automatik alles in Ordnung ist, hat man dadurch aber leider nicht. Es gibt so manchen DCT Fahrer, der bei unter 100.000 Kilometer Fahrleistung schon das dritte DCT verbaut hat. Daher spricht eigentlich vieles dafür, zu einem Mercedes-Benz mit herkömmlicher Wandler Automatik (besonders 7G-Tronic) zu greifen, da diese deutlich robuster ist!

Probleme & Kosten der Automatikgetriebe in den Mercedes-AMG Modellen (Speedshift)

Mercedes-AMG 7G-Speedshift MCT Sportgetriebe – Bild: Daimler Media

Bekanntlich werden bei den AMG Modellen von Mercedes die stärksten Motoren der Stuttgarter verbaut.

Dementsprechend sind die verbauten Automatikgetriebe größtenteils auf das besonders hohe Drehmoment angepasst.

Bei den großen Limousinen und SUVs mit Heck- bzw. Allradantrieb kommt eine modifizierte und softwaretechnisch verbesserte 9G-Tronic zum Einsatz, die unter der Bezeichnung AMG Speedshift TCT 9G verkauft wird.

Unter der Bezeichnung Speedshift MCT wird auch eine 9G Tronic verbaut, die zusätzlich noch mit einer Nasskupplung und Racestart Funktion ausgestattet ist. Auch bei diesen Automatik-Versionen gilt bezüglich Wartung und Fehlern dasselbe, was schon bei der „zivilen Variante“ oben im Text angeführt wurde.

Bei den AMG Versionen von A-Klasse und CLS- bzw. GLA-Baureihe kommt dagegen größtenteils das DCT Automatik Getriebe zum Einsatz. Es wird unter der Bezeichnung AMG Speedshift DCT-7G bzw. Speedshift DCT-8G angeboten. Während die normale 8G-DCT Automatik für ein Drehmoment von maximal 400 Nm ausgelegt ist, kann das Speedshift Getriebe für die kleinen AMG Modell dank Overtorque Funktion bis zu 520 Nm bewältigen.

Da die Speedshift Automatik größtenteils baugleich mit dem normalen DCT Doppelkupplungsgetriebe ist, treten hier auch die gleichen Probleme auf.

Schaltrucken, hartes Einkuppeln und verzögertes Beschleunigen können den Fahrspass im AMG erheblich vermindern. Eine Getriebespülung und anschließende Neubefüllung mit dem passenden Getriebeöl kann oft Abhilfe bringen, eine Adaptierung der Software ist eine weitere Möglichkeit die Getriebeprobleme zu beseitigen.

Zusätzlich tritt bei der verstärkten DCT Automatik in vielen AMG Modellen der A-Klasse sowie der CLS- bzw. GLA-Baureihe vor allem im kalten Zustand zumeist beim Schalten von D auf die R-Stufe ein dumpfes und metallisch klingendes Knallgeräusch auf.

Das kann auch beim Schalten von Stufe 4 auf 3 und von Stufe 2 auf den ersten Gang der Fall ein. Wer diesen Knall schon einmal erlebt hat, der fährt nur mehr mit einem unsicheren Gefühl weiter.

Manchmal kann ein Update der Schaltsoftware Besserung bringen – in den meisten Fällen müssen aber die Synchronringe des AMG Getriebes ausgetauscht werden. Diese Reparatur dauert einige Tage und kann nur direkt bei AMG erfolgen.

Daher baut der Mercedes Händler die DCT Automatik aus und sendet Sie zur Instandsetzung weiter. Glücklicherweise übernimmt Mercedes bei Vorliegen eines lückenlosen Wartungsheftes im Rahmen der Garantie bzw. Kulanz diese hohen Reparaturkosten!

Haben Sie selbst Erfahrungen mit defekten oder problematischen Mercedes oder AMG Getriebeversionen gemacht? Lassen Sie es uns und unsere Leser in den Kommentaren wissen.

CarWiki Autor: Peter

Unsere Quellen

  1. Offizielle Werksangaben von Mercedes-Benz  zu den verbauten Getriebeversionen
  2. Recherche und Angaben von AMG
  3. Daimler Media

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