Probleme mit dem Porsche Cayenne | Krankheiten, Fehler & Schwachstellen im Überblick | inklusive Rückrufaktionen


Bild: VauxfordCC BY-SA 4.0, Link

Mit dem Porsche Cayenne bietet der Automobilhersteller aus Zuffenhausen seit 2002 ein sportliches SUV an, das mittlerweile in der dritten Generation besteht. Mehr als 100.000 Fahrzeuge wurden hierzulande seit dem Marktstart verkauft. Das Modell ist eng mit VW Touareg, Bentley Bentayga und Audi Q7 verwandt und teilt sich eine technische Basis.

Der Porsche Cayenne gehört zu den höherpreisigen Fahrzeugmodellen, was ihn allerdings nicht vor Krankheiten, Fehlern und Schwachstellen schützt. Im Gegenteil: In der Vergangenheit fiel das SUV mit unterschiedlichen Schwächen auf. Daher hat CarWiki.de recherchiert, worauf Fahrzeugbesitzer achten sollten.

Dabei nutzen wir gerne auch das Wissen unserer Leser*innen, um den Ratgeber zu ergänzen. Sie fahren einen Porsche Cayenne und können von weiteren Schwächen berichten? Nutzen Sie die Kommentarfunktion am Ende des Beitrags, um Ihr Feedback zu hinterlassen. Wir bedanken uns!

Probleme mit dem Porsche Cayenne III Typ 9YA (seit 2017)

Die dritte Baureihe des Porsche Cayenne (Typ 9YA oder auch PO536) löste seinen Vorgänger im Herbst 2017 ab. Das Modell basiert auf dem modularen Längsbaukasten (MLB-Plattform) aus dem VW Konzern, der auch beim Audi Q7 (Typ 4M) und dem Bentley Bentayga genutzt wird. Die dritte Generation ist länger und breiter, aber dennoch leichter als der Vorgänger.

Ein Dieselmotor wird nicht mehr angeboten, sodass lediglich V6- und V8-Ottomotoren verfügbar sind. Auch ein Hybrid mit zusätzlichem Elektromotor gehört zum Sortiment. Und erstmals gibt es seit März 2019 auch ein Modell mit Fließheck, der Porsche Cayenne Coupé.

Die dritte Generation des Porsche Cayenne ist zwar seit einigen Jahren auf dem Markt, doch aussagekräftige Informationen über Schwachstellen und Krankheiten sind bisher Mangelware.

Auch die Daten von Prüforganisationen und Pannendiensten werden noch gesammelt, sodass wir bisher keine verlässlichen Auskünfte über die Schwächen des dritten Porsche Cayenne liefern können.

Rückrufe: Von Sicherheitsgurt bis Undichtigkeit

Auch in jungen Jahren erlaubte sich der Porsche Cayenne in Bezug auf die Rückrufe schon einige Fehler. Unter anderem mussten Fahrzeuge in die Werkstätten, die zwischen 14.09.2017 und 08.03.2018 gebaut wurden. Bei diesen Modellen gab es ein Problem mit dem Sicherheitsgurt, der im hohen Alter keine ausreichende Rückhaltefunktion für den Passagier bietet. Daher ersetzten die Fachhändler das mittlere Gurtschloss.

Einige Fahrzeuge mit Baujahr 2018 mussten in die Werkstätten, weil beim Tankvorgang möglicherweise Kraftstoff über die Belüftungsleitung in den Aktivkohlefilter des Tanksystems gelangen konnte. Das war insbesondere der Fall, wenn die Zapfpistole verdreht oder nicht bis zum Anschlag in das Einfüllrohr eingesteckt wurde.

In der Folge war nicht auszuschließen, dass sich ein zündfähiges Kraftstoff-Luft-Gemisch im Ansaugtrakt bildet, das zu Motoraussetzern oder sogar Verpuffungen führte. Die Werkstätten ersetzten sowohl Tankeinfüllrohr als Aktivkohlebehälter.

Gurtbänder an der optionalen Skitasche, die möglicherweise reißen, sowie Undichtigkeit an der Kraftstoff-Vorlaufleitung, die sich auf eine Bauteilschwäche des Schnellverbinders zurückführen lassen, schließen die Übersicht der wichtigsten Rückrufaktionen des Porsche Cayenne.

Der Porsche Cayenne 9YA im Videotest

Probleme mit dem Porsche Cayenne II Typ 92A (2010 bis 2017)

Bild: CC BY-SA 2.0, Link

Die zweite Generation des Porsche Cayenne (Typ 92A) kam im Frühjahr 2010 auf den Markt. Erneut standen verschiedene Benzin- und Dieselmotoren zur Auswahl. Während beim kleinsten Porsche Cayenne S (VR6-Ottomotor) bis 2015 noch ein Sechs-Gang-Schaltgetriebe verbaut wurde, kommt bei allen anderen Modellen die Achtstufen-Automatik TipTronic S zum Einsatz.

Das Fahrzeug ist etwas leichter als sein Vorgänger, zudem fallen die Kühlöffnungen in der Front kleiner aus. Optische Anpassungen wurden 2014 im Rahmen einer Modellpflege durchgeführt, die auch ein Tagfahrlicht, ein neues Sportlenkrad sowie Motorenänderungen beim Cayenne S umfasste.

V6-Benziner: Steuerkette als Schwachstelle

Viele Probleme, die schon beim Vorgänger auftraten, lassen sich auch in der zweiten Generation erwähnen. Ebenso gilt die Steuerkette bei den V6-Benzinern als Schwachstelle. Genauer gesagt liegt das Problem am Kettenspanner, der im Laufe der Jahre nachlässt, sodass sich die Steuerkette längt. Dann ist schnelle Hilfe gefordert, denn ein Überspringen endet im Motorschaden.

Zu den weiteren Schwachstellen aller Motoren gehören die Nockenwellenversteller und die Motorgehäusedeckelabdichtungen, die gelegentlich für Schwierigkeiten sorgen. Bei der variablen Nockenwellenverstellung (VarioCamPlus) können die Schrauben abscheren. Wenn die Nockenwelle stehenbleibt, schlagen die Kolben auf die Ventile. Ein teurer Motorschaden ist die Folge.

Die Luftfederung bleibt problematisch

Die Luftfederung des Porsche Cayenne gilt weiterhin als Sorgenkind. Noch immer zeigt sich die Technik im Alter nicht standfest, was zu zahlreichen Ausfällen führt, die hohe Reparaturkosten zur Folge haben. Kaputte Luftbälge oder defekte Kompressoren gehören zu den häufigsten Problemen des Fahrwerks.

Autobesitzer sollten auf typische Anzeichen, wie tief liegende Fahrzeuge, ungewöhnliche Geräusche oder häufige Einsatzzeiten des Kompressors achten. Auch Fehlermeldungen im Display können auftreten. Wie uns mehrere Autofahrer berichteten, ist die Fehlersuche nicht immer einfach, wenn keine offensichtlichen Schäden vorliegen.

Kompliziert wird es, wenn es lediglich die Fehlermeldung als Hinweis gibt. Vom Austausch des Steuergeräts bis zum Wechsel der Kabelbäume haben einige Besitzer schon viele Varianten probiert, um den Warnhinweis zu lösen. Nicht immer mit Erfolg. Oft braucht es erfahrene Porsche-Mechaniker. Der Umbau auf ein herkömmliches Fahrwerk tut’s natürlich auch…

Hauptuntersuchung: Ölverlust als große Schwäche

Bei der Hauptuntersuchung zeigt sich der Porsche Cayenne überwiegend positiv. Sofern kein offensichtlicher Defekt vorliegt, sorgen Luftfederung mit variablen Stoßdämpfern oder Lenkanlage nur selten für Überraschungen. Die Mängelquote liegt hierbei deutlich unter dem Durchschnitt. Dieser gute Eindruck setzt sich auch bei der Beleuchtung weiter fort.

Leichte Abzüge gibt es für die Bremsen, die je nach Fahrweise mit einem erhöhten Verschleiß auffallen. Insgesamt zeigen sich Zustand und Funktion der Bremsanlage jedoch solide, auch im Alter. Vereinzelte Kritik gibt es nur für die Feststellbremse.

Zu den größten Sorgen gehört der Antrieb, denn Motor, Getriebe und sogar Allradsystem sind für einen hohen Ölverlust bekannt. Dabei mussten Fahrzeugbesitzer nicht erst im Alter zittern. Die Probleme sind schon beim ersten Inspektions-Pflichttermin nach drei Jahren offensichtlich. Bei den Folgeterminen ist die Tendenz steigend. Immerhin die Abgasanlage ist mängelfrei.

Rückrufe: Undichtigkeiten, Softwareprobleme & Co.

Einige Rückrufe betrafen sowohl die erste als auch die zweite Generation des Porsche Cayenne. Dazu gehören schwache Federn an einer Verriegelungsplatte, die zum Verlust der Scheinwerfer führen konnten. Aber auch einer fehlerhafter Sicherungsring am Lagerbock des Fußhebelwerks, der die Funktion der Pedalerie störte, hatte einen Rückruf zur Folge.

Nur wenige Fahrzeuge (Motorcode EA825) waren hierzulande von einem Problem mit den Kraftstoffleitungen betroffen. Aufgrund falscher Toleranzen zwischen Einspritzleitungen und Leitungsrail kam es an den entsprechenden Dichtungsstellen zum Austritt von Kraftstoffdämpfen. Autobesitzer nahmen einen deutlichen Geruch im Innenraum wahr, sodass die Werkstätten die betroffenen Railleitungen tauschten und Dichtungen optimierten.

Bei Modellen, die zwischen 01.08.2017 und 01.05.2018 gebaut wurden, lag ein Problem mit der Software des Kombiinstruments vor. In der Folge leuchtete die Warnleuchte für den Bremsenverschleiß nicht ordnungsgemäß auf, sodass Fahrzeugbesitzer vor den verschlissenen Bremsbelägen nicht gewarnt wurden. Eine Neuprogrammierung des Kombiinstruments löste das Problem.

Fehlerhafte Befestigungsgurtnähte des Skisacks und Probleme mit der NOx-Abgasreinigung, die ein Softwareupdate erforderlich machten, runden die Liste der Rückrufaktionen ab.

Die Mängel des Cayenne 92A im Video

Probleme mit dem Porsche Cayenne I Typ 9PA (2002 bis 2010)

Bild: OSXLink

Der erste Porsche Cayenne (Typ 9PA) wurde von 2007 bis 2010 in Deutschland verkauft. Das SUV-Modell ist eng mit dem VW Touareg und dem Audi Q7 verwandt und teilt sich eine gemeinsame Plattform. Zur Auswahl standen verschiedene Benzinmotoren, die im Zuge einer Modellpflege im Jahr 2007 optimiert wurden.

Dabei wurde auch ein Facelift umgesetzt, das veränderte Front- und Heckpartie mit neuen Scheinwerfern und LED-Rückleuchten beinhaltete. Ein Dieselmotor (3-Liter-V6) war erstmals ab 2009 verfügbar. Der Cayenne war somit das erste Modell von Porsche, das von einem Selbstzünder angetrieben wurde.

V8-Motor mit kleinen Schwächen

Bei den Benzinmotoren standen sowohl VR6 als auch V8-Aggregat zur Auswahl, wobei letzterer in verschiedenen Modellen (Cayenne S, Cayenne Turbo, etc.) verbaut wurde. Daher ist der V8-Motor beim ersten Porsche Cayenne am häufigsten vorzufinden. Entsprechend gibt es viel Feedback zu diesem Antrieb, der verschiedene Schwachstellen (u.a. einen sehr hohen Verbrauch) hat.

Zu den typischen Schwächen gehören Leitungen bzw. Rohre aus Kunststoff, die im Laufe der Jahre undicht werden und zum Verlust von Kühlmittel führen. Auch die Dichtungen können verhärten. Dieser Prozess erfolgt schleichend, sodass der Kühlmittelverlust nur selten bemerkt wird. Im schlimmsten Fall kommt es zur Überhitzung des Motors und damit verbundenen Folgeschäden.

Allerdings sind ausschließlich die Motoren bis zur Modellpflege im Jahr 2007 betroffen. Ab diesem Zeitpunkt (möglicherweise auch schon etwas eher) kamen Rohre aus Aluminium zur Anwendung, die deutlich standfester sind. Weiteres Problem: Das ausgelaufene Kühlmittel konnte in den Anlasser gelangen und dort zum Schaden führen.

Im Gespräch mit verschiedenen Autobesitzern und Pannendiensten wurde uns zudem von Problemen mit den Zündspulen berichtet, die häufiger den Dienst quittieren. Die Steuerkette lässt im Alter nach, insbesondere bei den Sechszylindern. Kolbenkipper sind beim Achtzylinder keine Seltenheit.

Und der Dieselmotor? Mit Ausnahme eines erhöhten Ölverbrauchs sind keine Schwachstellen bekannt.

Das sagen Porsche-Besitzer zum Cayenne

Im Zuge unserer Recherche konnten wir mit verschiedenen Besitzern sprechen, die uns weitere Schwachstellen des Porsche Cayenne nannten. Unter anderem lassen die Gasdruckdämpfer an der Heckklappe nach, sodass diese nicht mehr weit genug geöffnet bleibt. Es drohen Beulen und Verletzungen am Kopf.

Weiterhin lässt sich die Feststellbremse manchmal nicht lösen und im Bereich des Schiebedachs kann es zum Wassereinbruch führen. Dieser ist auf verstopfte Abläufe zurückzuführen, sodass die regelmäßige Reinigung unumgänglich ist. Wenn die Batterie im Laufe der Jahre nachlässt, kommt es zu Fehlern in der Elektronik. Das Problem: Die Batterie ist unter dem Fahrersitz verbaut und lässt sich nur schwer erreichen.

Starke Vibrationen, beispielsweise beim Beschleunigen oder bei niedrigen Drehzahlen, könnten auf ein Problem mit dem Kardanwellenmittellager hindeuten. Die serienmäßige Gummilagerung ist nicht standhaft genug. Mittlerweile gibt es Lager aus Kunststoff, die robuster und damit auch langlebiger sind.

Die Luftfederung als Sorgenkind

Der Porsche Cayenne wurde seinerzeit mit optionaler Luftfederung verkauft, die einen besseren Komfort bieten sollte. Heute gilt das System als typische Schwachstelle, denn Probleme sind keine Seltenheit. Im Gegenteil. Häufige Defekte, beispielsweise an den Halteventilen oder dem Luftkompressor, können teuer werden.

Fahrzeugbesitzer sollten auf die typischen Anzeichen achten, insbesondere eine geringe Bodenfreiheit bzw. deutlich tiefer liegende Aufbauten. Auch Fehlermeldungen im Kombiinstrument sind möglich. Sofern der Luftkompressor keinen Defekt aufweist, ist auch die Häufigkeit seines Einsatzes zu achten.

Wenn der Kompressor oft anspringt und neue Luft in das System pumpt, könnte dies auf mögliche Undichtigkeiten hindeuten. Eventuell ist das Entweichen der Luft sogar zu hören, etwa durch Pfeifen oder Zischen.

Rückrufe: Vom Getriebe bis zur Pedalerie

Der erste Porsche Cayenne hat verschiedene Rückrufe vorzuweisen. Bei den Vor-Facelift-Modellen (bis 2007) gab es ein Problem mit dem Getriebe, das zum unerwünschten Wegrollen des Fahrzeugs führte. Eine Kunststoffbuchse am Getriebe-Wählhebelseilzug konnte wegen einer unzureichenden Beständigkeit des Werkstoffes brechen.

Dadurch bestand die Möglichkeit, dass der Gang beim Abstellen des Fahrzeugs nicht richtig eingelegt wurde. Eine optimierte Kunststoffbuchse am Wählhebelseilzug löste das Problem. Deutschlandweit waren knapp 27.000 Fahrzeuge betroffen, darunter zahlreiche Porsche Cayenne, die zwischen dem 23.07.2002 und 05.02.2010 gebaut wurden.

Nach der Modellpflege im Jahr 2007 folgten zwei weitere Rückrufe. Bei Modellen aus den Jahren 2010 und 2011 konnte sich die Verriegelungsplatte des Scheinwerfers aufgrund einer zu schwachen Feder verdrehen und lösen. Die Händler bauten nicht nur stärkere Federn ein, sondern modifizierten auch die Rastnasen der Platte.

Kurz vor dem Modellwechsel in die zweite Generation waren wenige Fahrzeuge von einem fehlerhaften Sicherungsring am Lagerbock des Fußhebelwerks betroffen, der sich lösen konnte und die Funktion der Pedalerie störte. Die zuständige Fachwerkstatt tauschte den Sicherungsring aus.

Der Cayenne 9PA im Gebrauchtwagen-Check

 

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Zusammenfassung der Mängel am Porsche Cayenne

  • Motoren: problematische Steuerkette (ältere Modelle)
  • Luftfederung (Halteventile, Luftkompressor)
  • Softwareprobleme (Abgasreinigung)
  • hoher Ölverlust (Baureihe 92A)
  • sehr durstige Motoren (V6 & V8 Benziner)

 

Baureihen des Porsche Cayenne

  • Porsche Cayenne 955 (2002 bis 2006)
  • Porsche Cayenne 955 (Facelift Nr. 1) (2007 bis 2010)
  • Porsche Cayenne 958 (2010 bis 2014)
  • Porsche Cayenne 958 (Facelift Nr. 1) (2014 bis 2017)
  • Porsche Cayenne 9YA (seit 2017)

Sönke Brederlow

Journalist/Ingenieur/Rennfahrer

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