Ist es erlaubt, Motoröl selbst in die Werkstatt mitzubringen? Wie betrifft dies Garantie & Kulanz? Wir haben nachgefragt!

Sparen ist beim Ölwechsel leicht möglich – aber was sagen die Fachwerkstätten dazu?

Beim Ölwechsel an Ihrem Fahrzeug können Sie ordentlich Geld sparen, wenn Sie das passende Öl samt der richtigen Herstellerfreigabe online besorgen und dann in der Werkstatt anliefern.

Denn in einer Werkstatt bezahlen Sie für einen Liter Öl oft ein Vielfaches im Vergleich zum Online-Preis.

Gerade bei hochpreisigen Motorölen bekannter Hersteller sticht die Preisdifferenz ganz besonders in Auge – aber auch bei weniger bekannten Produkten sind bei gleicher Qualität erhebliche Preisunterschiede zu finden.

Doch was sagen die Fachwerkstätten der bekannten Hersteller zu dieser Vorgehensweise? Wirkt sich selbst mitgebrachtes Motoröl auf die Hersteller- oder Neuwagengarantie aus? Und was passiert im Falle eines Kulanzanpruchs?

Wir haben die großen Autohersteller telefonisch kontaktiert (Anrufe bei mehreren Fachwerkstätten verschiedener Bundesländer) und nachgefragt!

Die rechtliche Situation – darf ich Motoröl in die Werkstatt mitbringen? Muss der Hersteller es annehmen?

Grundsätzlich sollte es keine rechtlichen Probleme in der Werkstatt mit beigestelltem Motoröl geben, ein gesetzliches Recht auf eine Akzeptanz dieser Vorgehensweise hat man aber nicht.

Man muss daher auch Verständnis dafür aufbringen, dass es Betriebe gibt, die das Beistellen von eigenem Öl sogar kategorisch ablehnen. Dies werden Sie weiter unten in unserer Liste der kontaktierten Hersteller erkennen.

Gerade der Verkauf von Motoröl trägt stark zum Unternehmensgewinn vieler Werkstätten bei. Um einen eventuellen Verlust auszugleichen, kann es sein, dass manche Werkstätten einen Unkostenbeitrag für das beigestellte Öl verlangen oder höhere Entsorgungsgebühren für das anfallende Altöl verrechnen.

Markenöl mit Freigabe kostet online nur einen Bruchteil des Preises in der Werkstatt – darf ich es zur Inspektion mitbringen? Bildquelle: Amazon

Verfällt die Garantie bei selbst mitgebrachtem Motoröl?

Grundsätzlich gilt: Wichtig ist es, dass die vom Werk vorgeschriebene Spezifikation und Klassifizierung auf der mitgebrachten Ölflasche genau angeführt ist. So sehen Sie beispielweise auf vielen Castrol Kanistern die Bezeichnung: VW 504 00 / 507 00. Damit ist bei der Mitnahme eines versiegelten bzw. verschlossenen Kanisters der richtigen Füllmenge in der Werkstatt gewährleistet, dass es sich um original verpacktes, passendes Motoröl handelt.

Sollten auch alle weiteren Inspektionen innerhalb des Garantiezeitraums beim Fachhändler erfolgt sein, wird das eigene Motoröl (richtige Freigabe vorausgesetzt) also nicht dafür sorgen, dass Ihre Garantieansprüche verfallen!

Wenn einige Betriebe allerdings die Unterzeichnung eines Verzichtes auf Garantieansprüche verlangen, sollten Sie sich keinesfalls darauf einlassen und stattdessen zu einem kundenfreundlicheren Betrieb wechseln. Voraussetzung ist natürlich immer, dass das beigestellte Motoröl in einem ungeöffneten Originalgebinde angeliefert wird und alle Werksvorgaben erfüllt.

Manche Markenwerkstatt beruft sich auch gerne auf den Fahrzeughersteller und behauptet, dass ein beigestelltes Motoröl vom Werk aus grundsätzlich nicht eingefüllt werden darf. Das mag vereinzelt noch stimmen (BMW hat dies in unseren Umfragen häufiger angeführt), trotzdem wird man auch hier mit etwas Ausdauer kooperationsbereitere Markenbetriebe finden, die mehr Entgegenkommen zeigen.

Selbst angeliefertes Motoröl wird zwar auf der Rechnung gekennzeichnet, sollte sich aber (sofern die Feigabe passt) nicht negativ auf Ihre Garantie auswirken!

Welche Hersteller tolerieren selbst mitgebrachtes Motoröl?

In einer längeren Recherche haben wir deutschlandweit die Fachwerkstätten (in Städten und auch in ländlichen Gebieten) aller bekannten Automarken angerufen, um zu ermitteln, ob das Mitbringen von zertifiziertem Motoröl erlaubt ist.

Darüber hinaus wollten wir erfragen, was ein Liter Motoröl bei den Fachhändlern kostet – und ob es Auswirkungen auf die Garantie gibt, wenn man eigenes Motoröl mitbringt.

Die folgenden Werte spiegeln den Durchschnitt unserer Recherche wieder und sollen Ihnen als Richtwert dienen. Je nach Automarke, Ölmenge und Werkstatt kann sich sowohl der Preis des Motoröls beim Hersteller, als auch dessen Toleranz bezüglich selbst mitgebrachtem Motoröl ändern!

Volkswagen, Audi Skoda & Seat

Bei allen gängigen Marken des Volkswagenkonzerns ist es grundsätzlich möglich, ein für durchschnittlich 8 Euro/Liter online gekauftes Motoröl zur Inspektion und dem Ölwechsel mitzubringen. Zwar haben wir bei unserer Recherche erfahren, dass so mancher Betrieb nicht besonders begeistert darüber ist – letztendlich wird diese Vorgangsweise aber immer akzeptiert.

Dass das mitgebrachte Öl alle speziellen VW Vorgaben erfüllen muss, ist für den Erhalt von Garantie und Kulanzleistungen aber Voraussetzung.

Zwischen 20 und 30 Euro kostet ein Liter Motoröl in der VW, Audi, Skoda oder Seat-Fachwerkstatt, die erzielbare Ersparnis ist daher durchaus beachtlich!

BMW & Mini

Auch bei BMW und Mini ist es inzwischen (wir haben 4 Betriebe angerufen) offensichtlich kein Problem mehr, wenn freigegebenes Motoröl für den Ölwechsel beigestellt wird. Die meisten Betriebe akzeptieren diese Vorgangsweise, teilweise werden aber eine Beistellungspauschale bzw. ein etwas höherer Entsorgungsbeitrag für das Altöl verrechnet.

Da bei BMW ein Liter Öl mit rund 30-35 Euro verrechnet wird, lohnt sich das Beistellen bei einem Online-Preis von zirka 7-9 Euro (z.B. Castrol) auf jeden Fall.

Achtung: Sollte das Unterschreiben eines Verzichts auf die Werksgarantie verlangt werden, dürfen Sie keinesfalls darauf einsteigen. Da das beigestellte Motoröl auf jeden Fall die speziellen BMW-Normen erfüllen muss, wäre so ein Vorgehen von der Fachwerkstatt mehr als unseriös! Dieses Szenario wurde uns von einem unserer Leser berichtet – nach einem Werkstatt-Wechsel lief dann aber alles problemlos!

Mercedes

Im Regelfall ist es bei Mercedes ebenfalls kein Problem, wenn man ein Motoröl mit der passenden MB-Spezifikation für den Ölwechsel beistellt – dies muss aber im Vorhinein (so unsere telefonische Auskunft) angekündigt und abgeklärt werden.

Trotzdem muss man damit rechnen, dass die ein oder andere Werkstatt diese Vorgangsweise ablehnt, was durchaus ihr Recht ist. So sind auch wir bei 2 Betrieben auf Widerstand gestoßen!

Bei einem Literpreis von rund 35 Euro kann Mercedes mehr als ordentlich am Motoröl verdienen. Daher sollte man sich einen alternativen Markenbetrieb suchen, wo das Beistellen kein Problem darstellt.

Soll vor der Inspektion ein Garantieverzicht unterschrieben werden, bitte hart bleiben und diese unseriöse Vorgangsweise ablehnen.

Renault & Dacia

Wer bei Renault bzw. Dacia das Motoröl zum Ölwechsel beistellen möchte sollte sich vorher genau erkundigen, ob dies in der gewählten Fachwerkstätte akzeptiert wird. Gerne wird während der Garantiezeit das Beistellen von vielen Betrieben abgelehnt. Dies wurde uns mehrfach telefonisch bestätigt.

Wenn das Beistellen möglich ist, muss das Motoröl selbstverständlich immer den Vorgaben von Renault entsprechen. Am besten ist es, wenn man die in der Wartungsvorgabe erwähnte Ölmarke gemäß Spezifikation mitbringt. In unseren Ratgebern zum Ölwechsel (wählen Sie einfach Ihr Fahrzeug auf unserer Startseite aus) finden Sie genaue Tabellen und Ölsorten!

Bei Renault muss man ansonsten zirka 25 Euro pro Liter Öl bezahlen, wenn man das Motoröl in der Fachwerkstatt kauft.

Peugeot & Citroen

Auch bei Peugeot kämpft man um jeden einzelnen Kunden und möchte niemanden vergraulen. Obwohl beim Motoröl eine besonders hohe Gewinnspanne für den Markenbetrieb vorhanden ist, kann gemäß unserer Recherche bei so gut wie jeder Fachwerkstatt das Öl beigestellt werden.

Voraussetzung ist aber immer, dass die vorgeschrieben Peugeot-Ölnorm exakt eingehalten wird. Dann gibt es so gut wie keine Probleme mit der Garantie.

Eine Kostenersparnis von 60 bis 70 Prozent auf den durchschnittlichen Werkstätten-Literpreis von 25 Euro ist so erzielbar!

Opel

Wie bei der Konzernmutter Peugeot kann auch bei Opel ein passendes Motoröl zur Inspektion mitgebracht werden, um damit ordentlich Kosten zu sparen. Zur Sicherheit empfiehlt es sich aber, vorher diese Vorgangsweise anzukündigen und natürlich auf die richtige Freigabe und Füllmenge zu achten.

Mazda

Wenn das den Vorgaben entsprechende Motoröl für die Inspektion beigestellt wird, akzeptieren dies nach unseren Umfragen fast alle Betriebe und tragen einen entsprechenden Vermerk in den Serviceunterlagen ein.

Nachfragen sollte man aber immer – wir wurden bei 6 Anrufen 1x abgewiesen.

Pro beigestelltem Liter kann man so ungefähr 10 bis 15 Euro an Kosten im Vergleich zum Literpreis in der Werkstatt bei Mazda einsparen.

Fiat / Alfa Romeo

Auch bei Fiat bzw. Alfa Romeo kann man normalerweise problemlos das Motoröl zum Wechsel mitbringen.

Wichtig ist es, wie bei jeder KFZ Marke, darauf zu achten, dass es exakt die verlangten Anforderungen erfüllt. Das Öl muss eine Fiat Freigabe vorweisen können und in einem ungeöffneten Gebinde angeliefert werden.

So können keine Unstimmigkeiten mit der Fahrzeug-Garantie auftreten.

Statt 15-20 Euro pro Liter in der Markenwerkstatt bezahlt man online nur rund 6-7 Euro für geeignetes Motoröl mit einer Fiat-Freigabe!

Ford

Bei Ford liegt es im Ermessen der jeweiligen Werkstatt, ob Sie das beigestellte Motoröl akzeptiert.

Wir haben herausgefunden, dass es in den meisten Fällen möglich ist (allerdings wurden wir auch 2x abgewiesen), ohne dass die Garantie verloren geht.

Nachfragen schadet jedenfalls nicht. Obwohl das originale Ford Motoröl im Fachbetrieb nicht sehr teuer ist (ca. 15 – 20 Euro pro Liter), ist ein entsprechendes Öl online schon für 5 Euro/Liter zu bekommen.

Auf die exakte Spezifikation muss immer geachtet werden, da bei Ford die Zahnriemen im Ölbad laufen und ansonsten frühzeitig abgenützt werden!

Hyundai

Die Koreaner akzeptieren beigestelltes Motoröl fast immer anstandslos, wenn es die verlangten Werksvorgaben erfüllt. Beigestelltes Öl wird in den Serviceunterlagen vermerkt, Garantieprobleme sollten somit ausgeschlossen sein.

Der Preisunterschied liegt im Bereich von 12-15 Euro pro Liter Öl.

Danke an einen Leser, der sich in einer Facebook Gruppe dazu bereiterklärt hat, dass wir seine Anfrage veröffentlichen.

Der Hersteller Hyundai erklärt und erläutert freundlich, auf was es bei der Mitnahme von eigenem Motoröl ankommt.

Kia

Was für Hyundai gilt, trifft auch für die Schwesterfirma Kia zu. Schließlich sind die Fahrzeuge technisch baugleich, auch die Motorenpalette ist bei beiden Marken die selbe.

Pro Liter Motoröl kann man sich durch das Beistellen von eigenem Öl rund 13 Euro ersparen.

Mitsubishi

So gut wie alle Mitsubishi Betriebe lassen ein beigestelltes Öl für den Ölwechsel zu.

Sorte und Ölqualität werden im Serviceheft bzw. auf der Rechnung vermerkt. Wenn die Spezifikation die passende ist, darf es keine Probleme mit Garantie bzw. Kulanz geben.

Statt 20 Euro pro Liter Öl bezahlt man beim Online-Kauf nur rund 6-8 Euro, für die beigestellte Ölqualität ist man selbst verantwortlich!

Nissan

Rund 20 Euro verrechnet der Nissan Betrieb für einen Liter Motoröl – ein hoher Gewinn ist dadurch für die Werkstatt erzielbar

Bei unserer Umfrage waren trotzdem so gut wie alle (6 von 7) Nissan Werkstätten bereit, ein mitgebrachtes Motoröl (online für 6-10 Euro erhältlich) für den Ölwechsel zu verwenden, vorausgesetzt die Qualität entspricht den Werksvorgaben.

Dann kann es auch keine negativen Auswirkungen auf die Garantie geben.

Toyota

Erfüllt das beigestellte Öl die Vorgaben von Toyota, kann es bedenkenlos für den Ölwechsel in der Toyota Werkstatt beigestellt werden.

Der größte Teil der Betriebe akzeptiert diese Vorgangsweise und vermerkt diesen Vorgang (Eigenöl angeliefert) in den Service-Unterlagen.

Statt 20 bis 25 Euro in der Werkstatt bezahlt man online nur maximal 10 Euro pro Liter Öl mit der gleichen Qualität, ohne dass es zu Problemen bei der Garantie kommt.

Fazit – Eigenöl wird trotz Unmut von den meisten Fachwerkstätten toleriert

Bei praktisch jeder Automarke ist es inzwischen möglich, ein online günstig gekauftes Motoröl für den Ölwechsel beizustellen.

Besonders wichtig ist es natürlich, dass die vorgeschriebe Öl-Spezifikation ganz genau erfüllt wird.

Rechnen Sie nicht damit, dass Ihr Servicemeister in Jubelstürme ausbrechen wird – aber bleiben Sie standhaft, wenn er versucht, Ihnen das selbst mitgebrachte Motoröl auszureden!

Auf dem Gebinde muss IMMER eine Freigabe vermerkt sein, eine reine Empfehlung genügt nicht, um Streitigkeiten im Garantiefall auszuschließen! Behalten Sie zur Sicherheit auch immer die Rechnung des Motoröls, falls es im Nachhinein (dies ist aber äußerst selten) zu Streitigkeiten kommen sollte.

Übrigens: Auch beim Getriebeölwechsel ist das Anliefern von eigenem Getriebeöl möglich!

Haben Sie Erfahrungen mit eigenem Motoröl in der Fachwerkstatt gemacht? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen!

Allzeit gute Fahrt!

Peter von CarWiki

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo
    Ich hatte ein Nissan Juke und habe den Oilwechsel immer in einer Werkstatt machen lassen wo der Spass 60 Euro mit Oilfilter gekostet hat. Die haben das in das Serviceheft eingetragen und gut war es.

    Antworten

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