Das AGR Ventil (Abgasrückführventil) deaktivieren | Infos zu Vor- und Nachteilen sowie den rechtlichen Konsequenzen bei VW, BMW, Mercedes, Audi & Co.

Die Deaktivierung des AGR Ventils hat Vor- und Nachteile – aber ist sie überhaupt erlaubt? Bild: Von Sven Mildner, Freiberg, CC BY-SA 3.0, Link

Moderne Verbrennungsmotoren in Kraftfahrzeugen von VW, BMW, Mercedes, Audi & Co. sind heutzutage quasi immer mit einem AGR bzw. EGR Ventil ausgerüstet. Dabei handelt es sich um ein wichtiges Bauteil im Abgasrückführsystem, welches zur Reduzierung von Stickoxid-Emissionen dient. Grundsätzlich ist das eine gute Sache, gäbe es nicht diverse Probleme, die durch das Abgasrückführventil vermehrt auftreten können.

Auch Behauptungen, dass der Treibstoffverbrauch durch ein schadhaftes Abgasrückführsystem ansteigt, stehen im Raum. Daher kursieren diverse Anleitungen, wie man das AGR Ventil abschalten bzw. deaktivieren kann.

Eine Vorgehensweise, die für den Anwender oft zum gewünschten Erfolg führt, aber leider nicht ganz legal ist.

Denn durch einen Eingriff in das Abgassystem eines Fahrzeuges verfallen alle Garantieansprüche und Kulanz-Leistungen, auch die Betriebserlaubnis erlischt.

Selbstverständlich ist das Deaktivieren des AGR Ventils daher von VW, Audi, BMW, Mercedes, Skoda & Co. strengstens untersagt und von einer Marken-Werkstatt unter keinen Umständen durchgeführt.

Sieht man allerdings von der negativen Abgas-Situation ab, kann das Abschalten des AGR Ventils für das Triebwerk selbst durchaus positive Auswirkungen haben.

Sinn und Funktion des AGR Ventils

Um die immer strengeren Abgasbestimmungen erfüllen zu können, werden die Verbrennungsabgase nicht nur über einen Katalysator gereinigt, sondern schon vorher etwas „entschärft“.

Das geschieht durch eine teilweise Verbrennung der Gase direkt im Motor. Die ungefilterten Abgase werden dafür über ein Rückführsystem am Abgaskrümmer entnommen und zusammen mit der Ansaugluft weiter über den Ansaugtrakt in die Verbrennungsräume (Zylinder) des Motors geleitet.

Im Kraftstoff-Luft Gemisch wird damit der Sauerstoffanteil reduziert, die Verbrennungstemperatur im Motor sinkt. Eine niedrigere Temperatur bedeutet weniger schädliche Stickoxide bzw. einen geringeren Schadstoffausstoß.

Die Menge der zugeführten Abgase wird dabei mit dem zwischengeschaltenen AGR Ventil so geregelt, dass die Zufuhr primär im Teillastbereich stattfindet.

Neben der Reduktion der Stickoxide kann bei Ottomotoren durch ein funktionstüchtiges Abgasrückführsystem auch der Spritverbrauch gesenkt werden. Grund dafür ist die geringere Sauerstoffkonzentration, welche für eine verminderte Treibstoffeinspritzung sorgt.

So arbeitet ein AGR Ventil – Bild: Von Sven Mildner, Freiberg, CC BY-SA 3.0, Link

So wird das AGR Ventil deaktiviert (alte und neue Fahrzeuge)

Bei älteren Fahrzeugen von VW, BMW, Mercedes & Audi etc. wird das Abgasrückführ Ventil über eine Unterdruckdose gesteuert.

Hier kann ganz einfach der Unterdruckschlauch zur Dose unterbrochen werden.

Dabei geht man wie folgt vor:

  1. Zuerst das Ventil ausbauen, dann den Unterdruckschlauch abziehen.
  2. Nun den Unterdruckschlauch verstopfen, das geht z.B. mit einem passenden Bohrer (6 bis 8mm) und etwas Dichtmasse.
  3. Den Schlauch auch am anderen Ende, am Motorblock wo der Verteiler für alle weiteren Unterdruckanschlüsse sitzt, abziehen und ebenfalls verschließen.
  4. Danach den Schlauch wieder anstecken.
  5. Das AGR Ventil wird so dauerhaft geschlossen, allerdings fällt das niemandem auf, weil es optisch nicht erkennbar ist (Polizeikontrolle).

Bei neueren Autos aller Hersteller funktioniert diese Methode allerdings nicht, da die AGR Funktion durch den Bordcomputer bzw. das Motorsteuergerät geregelt wird. Solch ein elektrisch gesteuertes AGR kann nur mittels geeigneter Software wegcodiert werden.

Man kann sich diese online besorgen und die Arbeit in Eigenregie durchführen, dazu ist aber immer ein gewisses IT-Wissen notwendig.

Oder man findet einen Codierer der die Umprogrammierung gegen ein kleines Trinkgeld erledigt, wobei immer darauf hingewiesen werden sollte, dass es sich hierbei um einen illegalen Vorgang handelt.

Achtung: durch eine unfachmännische softwareseitige Deaktivierung des AGR Ventils per OBD Adapter oder VCDS kann die Motorkontrollleuchte permanent aufleuchten.

Vorteile einer AGR Deaktivierung

Wenn man vom erhöhten Stickoxid-Ausstoß absieht, kann das Deaktivieren des AGR Ventils einige Vorteile für den Motor und das Fahrverhalten bringen.

  1. Am auffälligsten ist ein wesentlich verbessertes Ansprechverhalten beim Gasgeben. Die Befehle vom Gaspedal werden spontaner umgesetzt, der Wagen lässt sich deutlich aktiver fahren.
  2. Weil keine Abgase mehr in den Verbrennungsraum geführt werden, bleiben dieser, die Injektoren und vor allem die Ansaugbrücke sauber. Es können sich kaum Rußablagerungen bilden, welche im Extremfall den ganzen Ansaugtrakt, vom AGR Ventil bis hin zu den Ventilen, verkoken und verkleben. Der Effizienzgrad vom Motor wird so deutlich erhöht, da besonders ein verstopftes AGR Ventil für einen schlechten Motorlauf mit Aussetzern (siehe BMW AGR Probleme + Rückruf) sowie verminderter Motorleistung sorgt und dadurch zu einem höheren Treibstoffverbrauch führt. Das Abschalten vom AGR sorgt daher für einen gleichbleibend niedrigen Spritverbrauch, auch der Dieselpartikel-Filter bei Selbstzündern wird mit weniger Ruß belastet.

Überblickend kann man festhalten, dass durch die geringeren Ablagerungen jedes Triebwerk besser läuft und eine wesentlich längere Lebensdauer erwartet werden kann. Das Beseitigen von Rußablagerungen im Ansaugsystem und Triebwerk entfällt, wodurch hohe Kosten in der Werkstatt vermieden werden.

Nachteile der Abschaltung

Als größter Nachteil der Abschaltung des AGR Ventils ist der erhöhte Ausstoß von Stickoxiden zu nennen.

Diese sind für Mensch und Umwelt schädlich, da sie die Atemwege reizen und schädigen können. Außerdem sind Stickoxide für den sauren Regen und in Bodennähe für die Smog-Bildung verantwortlich.

Bei Benzin Triebwerken bewirkt die Abgasrückführung eine Verminderung vom Benzinverbrauch im Teillastbereich, allerdings nur dann wenn die Anlage einwandfrei funktioniert und nicht verrußt bzw. verschmutzt ist!

Durch das AGR Deaktivieren kann daher der Benzinverbrauch auch geringfügig ansteigen.

Garantie und Kulanz bei deaktiviertem AGR

Grundsätzlich ist es verboten, die Abgasanlage eines Fahrzeuges zu manipulieren und zu verändern, das gilt natürlich auch für das AGR Ventil bzw. das Abgasrückführsystem.

Wer mit einem deaktivierten AGR Ventil herumfährt, ist ohne gültige Betriebserlaubnis unterwegs.

Dadurch können sich im Extremfall Probleme mit der Kfz-Versicherung und dem Finanzamt ergeben.

Sollte die Exekutive die Manipulation entdecken, wird das Auto stillgelegt. Eine Anzeige sowie eine Bestrafung sind die weiteren Folgen.

Dass solch ein Eingriff in das Abgassystem zum Verlust der Fahrzeug-Garantie führen kann, erscheint logisch. Auch bei eventuellen Kulanz-Zusagen wird sich der Hersteller eher bedeckt halten, vorausgesetzt die Deaktivierung des AGR Ventils fällt überhaupt auf 😉

Fazit

Bei der Deaktivierung des Abgasrückführ-Ventils handelt es sich um einen Eingriff in ein technisch komplexes und nach genauen Vorgaben sowie Berechnungen konstruiertes Abgassystem, bei dem der Hersteller eine Vielzahl von unterschiedlichen Anforderungen erfüllen muss.

Trotzdem bietet ein deaktiviertes Abgasrückführ Ventil für den Fahrer einige Pluspunkte, die nicht wegdiskutiert werden können. Fast immer profitiert er von einem deutlich besseren Fahrverhalten und einem gesunkenen Spritverbrauch, auch die Lebensdauer von Triebwerk und diversen Komponenten wird verlängert.

Teure Reparaturen bzw. Instandsetzungsarbeiten am Motor (Verkokung, Rußbildung) fallen somit eventuell ebenfalls weg.

Leben muss man aber immer mit dem Risiko, dass die Manipulation aufgedeckt wird und dann schmerzhafte rechtliche Konsequenzen folgen werden! Wir empfehlen daher an Stelle einer Deaktivierung lieber die regelmäßige Reinigung des AGR Ventils!

CarWiki Autor: Peter

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